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Öl vs. Gas vs. erneuerbare Energien: Kosten und Vorteile

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Öl oder Gas? Diese Frage lässt sich nicht ganz einfach beantworten. Dies liegt unter anderem am schwankenden Ölpreis, der die Ölheizung in Niedrigpreisphasen sehr attraktiv macht. © Gina Sanders - stock.adobe.com

In Mannheim wohnen mehr als 300.000 Menschen, die im Winter wieder ihre Heizkörper aufdrehen. Es stellt sich nun die Frage, welcher Brennstoff den Geldbeutel und die Umwelt schont.

Beim Thema Heizung steht Öl – zumindest gefühlt – nach wie vor an erster Stelle. Der Blick hinter die Kulissen bzw. auf die Statistiken zeigt, dass Ölheizungen an Bedeutung verloren haben. Ein Teil der Antwort ist sicher bei den regenerativen Energieträgern zu suchen. Letztere haben in der Vergangenheit einen starken Zuwachs erfahren. Klimaschutz und Effizienz sind Aspekte, die in der Anschaffung einer neuen Heizung eine Rolle spielen. Überraschend ist die Tatsache, dass Gasheizungen in den Statistiken eine Führungsrolle einnehmen – sicher auch aufgrund des Wirkungsgrads.

Heizöl - ein Klassiker

Heizöl wird nach wie vor als einer der Klassiker angesehen, wenn es um das Thema Heizung geht. Ist diese Ansicht heute immer noch zeitgemäß? Schließlich wird Heizöl auf Basis fossiler Energieträger gewonnen. Und damit sollte dessen Bedeutung eigentlich langsam geringer werden. Der Blick auf verschiedene Studien scheint den Eindruck zu untermauern, dass Heizöl nicht mehr die Rolle wie noch vor einigen Jahren spielt.

So kommt eine Untersuchung des BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V.) zu dem Ergebnis, dass mit rund 26 Prozent etwa ein Viertel der Wohnungen in Deutschland mit Öl beheizt wird. Der Anteil von Erdgas hat im Vergleich dazu einen deutlich höheren Anteil erreicht. Trotzdem: Heizöl wird in den kommenden Jahren nach wie vor seine Berechtigung am Markt haben. Hintergrund: Heizungsanlagen, die Öl zur Wärmeerzeugung verbrennen, sind oft Jahrzehnte in Betrieb. Eine vor 7 Jahren oder 8 Jahren installierter Anlage jetzt zugunsten einer Gastherme zu entsorgen, ist in vielen Fällen wirtschaftlich für betroffene Haushalte nicht vertretbar.

Kosten für die Ölheizung

Im Hinblick auf die Ölheizung spielen die Kosten eine wesentliche Rolle. Generell sind diese in Instandhaltung/Wartung und Heizöl zu unterteilen. Bei den Wartungskosten ist mit Summen von etwa 200 Euro bis 300 Euro im Jahr zu rechnen. Reparaturen bleiben hier unberücksichtigt. Was die Beschaffung von Heizöl betrifft, sind pauschale Aussagen schwierig.

2017 hat sich der Preis laut Statistischem Bundesamt um nur wenige Euro bewegt und lag bei durchschnittlich 47,50 Euro. Aber: Im Jahr 2000 bewegte sich der Preis zwischen 28 Euro je Hektoliter und 46 Euro. Heizölpreise können stark schwanken. Für den einzelnen Haushalt bedeutet dies, dass der Anbietervergleich unbedingt dazugehört, um nicht zu teuer einzukaufen. Hier sind mitunter deutliche Einsparungen möglich, vor allem wenn man flexibel beim Liefertermin ist.

Vorteile der Ölheizung

Zu den Vorteilen der Ölheizung gehört die Unabhängigkeit in der Versorgung. Einmal befüllt, reicht das Heizöl im Tank für Monate. Damit lassen sich beispielsweise Schwankungen beim Preis aussitzen. Auf der anderen Seite bietet Öl die Chance, Brennstoff dann zu kaufen, wenn er günstig ist. Strom muss immer zum aktuellen Preis abgenommen werden, beim Heizöl bietet sich ein gewisser Gestaltungsspielraum. Zumal moderne Heizkessel einen Liter Heizöl effizienter nutzen als Technik zu Anfang der 200er.

Gas - die sauberere Energiequelle?

Gas ist inzwischen zu dem wichtigen Energieträger für die Bereitstellung von Heizenergie geworden. Basierend auf den Zahlen des BDEW sind Gasheizungen heute die dominierende Heizungsart am Markt und kommen auf knapp 50 Prozent. Dabei war Erdgas lange nur ein Nebenprodukt der Erdölproduktion – und wurde einfach abgefackelt. Inzwischen versucht die Industrie diesem Trend entgegenzutreten und greift hierfür zu sogenannten Flare-down Programmen. Für die Verwendung als Brennstoff für Heizanlagen sind spezielle Kessel notwendig.

Was Gas so besonders macht und auch den Siegeszug erklärt, sind die Eigenschaften als Energieträger. Erdgas besteht bereits von Haus aus zu einem sehr hohen Prozentsatz aus Methan und bringt nur geringe Verunreinigungen mit. Heißt: Erdgas verbrennt generell rückstandsfreier und hat einen hohen Heizwert.

Kosten für Gasheizungen

Erdgas zu nutzen bedeutet, die bestehende Heizungsanlage umzurüsten. Im Detail werden sich die Kosten für eine Installation pauschal nicht fassen lassen, da individuelle Gesichtspunkte hier eine Rolle spielen. Haushalte, welche die Umrüstung in Erwägung ziehen, werden allerdings mit Investitionskosten ab 4.500 Euro rechnen müssen, sollten aber auch bis knapp 10.000 Euro auf dem Radar haben.

Im Hinblick auf die Verbrauchskosten binden sich Haushalte – da Gas direkt an den Abnehmeranschluss geliefert wird – meist über einen längeren Zeitraum an den Versorger. Der Preisindex des Statistischen Bundesamts weißt für den Zeitraum zwischen 2010 bis 2013 einen Anstieg der Gaspreise aus. Bis 2016 sind die Preise gesunken, steigen seitdem aber wieder an und entwickeln sich ähnlich den Heizölkosten – nur mit einem geringeren Anstieg.

Vorteile der Gasheizung

Zu den großen Vorteilen der Gasheizung gehört natürlich die bereits angesprochene Tatsache, dass die Verbrennung „sauberer“ abläuft. Aufgrund der geringeren Rückstände ist das Ganze klimafreundlicher. Ein weiterer Aspekt betrifft den Wirkungsgrad. Dieser ist beim Gas – in Kombination mit moderner Kesseltechnik – sehr hoch. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass ein Vorratstank entfällt und die Kesseltechnik heute außerdem sehr platzsparend untergebracht werden kann.

Erdwärme

Erdwärme oder Geothermie ist Teil der regenerativen Energiequellen und wird seit einigen Jahren vermehrt in den Fokus gerückt. Zunutze wird sich in diesem Zusammenhang die Tatsache gemacht, dass in der Erdkruste mit zunehmender Tiefe auch die Temperatur zunimmt. Die Nutzung der Erdwärme erfolgt auf unterschiedliche Arten. Auf der einen Seite kann über spezielle Kollektoren oberflächennah Erdwärme aufgenommen werden.

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Um eine Heizung mit Geothermie zu betreiben, muss nicht immer eine tiefe Bohrung erfolgen. Es reichen auch schon acht bis zwölf Grad Erdtemperatur aus., welche bereits in wenigen Metern Tiefe gegeben ist.
 © RGtimeline - stock.adobe.com

Andererseits nutzen Tiefenbohrungen den geothermischen Gradienten. Damit die Wärme, welche aus der Erde kommt am Ende tatsächlich genutzt werden kann, muss eine Umwandlung/Anhebung erfolgen. Hierfür wird auf sogenannte Wärmepumpen gesetzt. An diese gibt das in den unterirdisch verlegten Leitungen zirkulierende Medium Wärme ab. Die Wärmepumpe führt die Energie dann dem Heizkreislauf des Hauses zu. Damit das Potenzial der Erdwärme voll ausgeschöpft werden kann, ist speziell auf die Rahmenbedingungen besonders viel Wert zu legen. Sowohl Gebäudefaktoren als auch Umgebungsfaktoren spielen in der Bewertung eine Rolle.

Kosten der Erdwärmenutzung

Die Nutzung der Erdwärme ist kostengünstig, da die Energiequelle rund um die Uhr zur Verfügung steht. Bezüglich des laufenden Betriebs darf allerdings nicht vergessen werden, dass die Wärmepumpe Strom verbraucht. Dieser Stromverbrauch ist in die laufenden Kosten – neben der üblichen Wartung – einzubeziehen.

Im Vergleich mit den Installationskosten sind die laufenden Kosten für den Betrieb einer Erdwärmeheizung gering, sie liegen bei einigen hundert Euro im Jahr. Die Investitionskosten für den Einbau und die Erdsonden liegen hingegen im Bereich fünfstelliger Eurobeträge. 15.000 Euro bis 20.000 Euro können auf Immobilienbesitzer durchaus zukommen. Angesichts der laufenden Kosten für eine Öl- oder Gasheizung lässt sich allerdings sehr schnell ausrechnen, wann sich die Erdwärme bezahlt macht.

Vorteile der Erdwärme

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Erdwärme als Heizenergie könnte zu einer Zukunftstechnologie werden – aktuell ist die Verbreitung noch eher gering. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Nachfrage in Zukunft entwickelt. © moritz - stock.adobe.com

Geothermie ist als Heizung in der Anschaffung teuer. Diesem Nachteil stehen aber auch verschiedene Vorteile gegenüber. Hierzu gehört die starke Unabhängigkeit von anderen Energieträgern, was die Wärmepumpenheizung auch in Energiekrisen wirtschaftlich macht. Zudem können sich Haushalte den Einbau einer solchen Heizung durch die öffentliche Hand fördern lassen und setzen damit auf eine Energiequelle, die de facto rund um die Uhr zur Verfügung steht.

Fazit: Moderne Heizungen sind umweltfreundlich

Fossile Energieträger haben in den letzten Jahren einen erheblichen Imageverlust erfahren. Erdöl – und damit Heizöl – verliert aufgrund dieser Entwicklung zunehmend an Bedeutung. Gasheizungen haben im Gegenzug in den letzten Jahren eine sehr deutliche Aufwertung erfahren. Statistiken zeigen, dass diese Form der Heizung mittlerweile einen Anteil von fast 50 Prozent erreicht hat. Gerade im Bereich der regenerativen Energieträger ist für die Zukunft mit einem weiteren Zuwachs zu rechnen. Hier ist Erdwärme ein Beispiel. Solarthermie – und neuerdings auch Festbrennstoff-Heizungen (mit Pellets o. Ä.) – haben zuletzt einen deutlichen Zugewinn bei der Bedeutung in der Heizungstechnik erfahren.

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