Fotografie

Tipps fürs gedruckte Foto – es muss nicht immer digital sein

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Auch wenn die absolute Majorität aller weltweit geschossenen Fotos mittlerweile digital entsteht, gibt es trotzdem noch genug Gründe, sie herrlich old-school zu Papier zu bringen. Doch wie geht’s am besten?

Fotos auf dem Bildschirm zu betrachten, ist zwar modern. Aber die schönere, künstlerische und „fotografischere“ Variante besteht aus Papier.

Wenn man es mal ganz nüchtern aus fotografischer Sicht betrachtet, gibt es eigentlich kaum noch rationale Gründe, ein Foto auszudrucken. Sind wir doch mal ehrlich: Schon jeder Fernseher und erst recht hochwertige Computerbildschirme lassen ein Foto schon dank ihrer Leuchtkraft irrsinnig gut auf den Betrachter wirken. Und erst in digitaler Form wird es möglich, seine Werke, etwa via Instagram, wirklich einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen – mal abgesehen von der Tatsache, dass es nur auf SD und Co. möglich ist, ganze Kollektionen mit sich herumzutragen. Ja, das alles sind gute Gründe und längst nicht die einzigen. Aber auch das ausgedruckte Foto hat etwas. Was es ist und vor allem wie man seine Werke physikalisch gut und vielleicht auch etwas alternativ in Szene setzt, zeigen wir jetzt.

Leidenschaft und Auswahl 

Schon in der ersten Zeile sprachen wir absichtlich von „rationalen Gründen“. Doch wenn eines klar ist, dann, dass Fotografie, selbst harte Arbeitsfotografie, niemals gänzlich rational ist. Sie ist im Gegenteil etwas Hochemotionales und wohnt selbst Handy-Schnappschüssen noch inne. Und genau da setzt das gedruckte Bild an: 

Denn Digitalfotografie ist schon ob des unbegrenzten Speicherplatzes massenhaft vorhanden. Ein Shooting, 500 Bilder? Kein Problem. Auszudruckende Bilder zwingen einen jedoch, eine Auswahl zu treffen. Selbst wer seinen ganzen Urlaub zum nächsten Ausdruck-Automat bringen will, muss sich an diese Maxime halten.

 Nur das ausgedruckte Foto bringt auf analogem Wege die Quintessenz der Fotografie zurück: den einen, magischen Moment, der für die Ewigkeit gebannt wurde. Und das ist in der heutigen Zeit, in der solche Momente inflationär vorhanden sind, vielleicht der stärkste Grund. Aber es gibt noch einen weiteren. Die Zeit und das Geld, welches man ins Aussuchen und Ausdrucken investiert, geben dem Fotografen selbst eine nicht zu unterschätzende Wertschätzung seiner eigenen Arbeit. 

Die ausdrucksstärkste Visitenkarte von allen 

Und das bringt uns auf die erste Idee, Ausgedrucktes in Szene zu setzen. Den meisten Fotografen, ob voll- oder semiprofessionell, dürfte eines gemeinsam sein: Sie besitzen ein mehr oder weniger umfangreiches Portfolio, um zu zeigen, was sie leisten können. Allerdings setzt dieses meist digitale Bukett mehrere Schritte voraus – und sei es nur, sein Handy hervorzukramen, eine Scan-App zu starten und einen auf der Visitenkarte vorhandenen QR-Code einzuscannen. 

Warum also nicht abkürzen und ein ganz besonderes Werk seiner Kollektion zum Hintergrundmotiv der Visitenkarte erheben? Natürlich, damit verletzt man eine der Hauptmaximen des Visiten-Designs. Die, dass möglichst nichts von den Daten ablenken sollte. Aber, das lässt sich auch umgehen, etwa durch farblich abgetrennte Informationsfelder – Fotografen haben hier mehr Freiheiten als etwa Finanzdienstleister. Und man könnte noch darüber hinausgehen und das Bild unbeschriftet drucken – die eigentlichen Infos kommen auf die Rückseite und zeigen so, wenn man die Karte entsprechend herum überreicht, ganz klar, wo der Hauptfokus liegt.

Groß und prägnant unter Glas

Viele Fotos, die heute ausgedruckt werden, zeigen sich wie ehedem – im klassischen 9x13-Format. Und schon diese kleinen Drucke machen aus einem Bild mehr, als ein reines Objekt der Betrachtung. Man kann sie anfassen, kann darüberstreichen, kann sie ins Licht drehen. Für die meisten Betrachter ist das eine gänzlich andere Erfahrung, als ein Bild einfach nur statisch auf einem Monitor anzuschauen.

Aber Digitalfotografie hat noch etwas anderes, nämlich heutzutage Chip-Leistung ohne Ende. Eine Nikon D500 etwa kommt mit beeindruckenden 20,9MP und liefert selbst bei ISO 6400 noch atemberaubende Fotos. Das reicht dicke, um ein oder zwei seiner Fotos ganz besondere Weihen zuteilwerden zu lassen: Sie richtig groß, also >A0 ausdrucken zu lassen. Zusammen mit einem Glasrahmen wird daraus nicht nur irgendein Wandbehang, sondern ein machtvolles Statement an die Fotografie und die eigenen Fertigkeiten. Und dann gibt es ja noch die softwarebasierende Option, ein schon großformatiges Foto noch größer zu rechnen. Dann bedeckt das eine Motiv nicht nur die Wand, sondern wird die Wand – in Form einer Fototapete.

Große Kunst für den Hausgebrauch

Beinahe seit den ersten Tagen der professionellen Fotografie gab es immer wieder Fotografen und Verleger, die erkannten, dass es manchmal notwendig ist, nicht nur einzelne Bilder zu betrachten, sondern sie zusammenzufassen – in Form des Bildbandes. Über lange Zeiten handelte es sich um Monografien, die schlicht schon deshalb notwendig waren, weil es kaum möglich war, alle Werke eines Fotografen in einer einzigen Ausstellung zu zeigen. Dank des Internets ist das zwar heute passé, nichtsdestotrotz gilt jedoch noch eine andere Regel:

In Form von Postern oder Fototapeten wird ein einzelnes Bild dauerhaft aus der „Lagerhaltung“ namens Festplatte oder Cloud enthoben.

Ein Bildband bzw. Fotobuch ist der professionellste Ausdruck fotografischen Könnens. Es ermöglicht es sowohl, sich einem Thema zu widmen oder einfach nur einen breiten Überblick über seine Werke zu geben – vor allem letzteres sollte für Studiofotografen, die häufig Laufkundschaft in ihren Räumen haben, eigentlich Pflicht sein. Schon weil es einfach professioneller wirkt, ein Fotobuch zu überreichen, statt auf eine Online-Galerie zu verweisen. Und die Schritte zu einem solchen Werk sind ebenfalls einfach: Thema wählen, Text vorplanen, Layout gestalten, Cover aussuchen (Hardcover wirkt immer professioneller) und die Auswahl treffen. Den Rest erledigt der Dienstleister – ein weiterer unbesungener Digital-Vorteil.

Mobile Werbung in eigener Sache

Die mit einem Foto bestückte Visitenkarte ist, von der reinen Fläche her, die wahrscheinlich kleinste Möglichkeit, mit seinen Werken für sich zu werben. Aber denken wir doch mal ganz umgekehrt. Eine der wichtigsten Marketing-Grundlagen lautet „groß ist auffällig ist prägnant ist gut“. Und hier kommt einmal mehr der Fotograf ins Spiel, der zumindest teilweise seinen Lebensunterhalt durch die Kamera bestreitet.

Natürlich könnte man es sich einfach machen, sich im Web auf die Seite eines Aufkleberherstellers begeben, dort die typische Kombination „Fotografen-Name plus Handynummer“ er- und bestellen und sie auf die Heckscheibe seines Autos aufkleben. Allerdings sollte man sich dann auch die Frage gefallen lassen, ob das ein wirkliches Alleinstellungsmerkmal ist, das einen von den unzähligen anderen Fotografen mit Groß- oder Kleingewerbeschein unterscheidet. Warum sollte ein Kunde einen Fotografen auswählen, der sich schon bei der Werbung für sich selbst nur so wenig Mühe macht? Ist da nicht zu erwarten, dass er bei der Umsetzung eines Projekts ähnlich vorgeht?

Wer die Logik dieser Fragen versteht, der versteht auch Folgendes: Die eigenen Fotos sind gut genug, um sie richtig groß als Eigenwerbung in Szene zu setzen. Nicht als verschämte Magnet-Matte auf der Fahrertür und auch nicht als Motorhauben-Aufkleber. Think big, lautet die Devise. Heutzutage ist es relativ problemlos möglich, ganze Autos mit farbigen Folien zu überziehen. Und die Hersteller solcher Folien bieten teilweise auch den (natürlich nicht ganz billigen) Service an, solche Folien mit Fotos auszustatten. Ob man nun ein Foto in XXL nimmt oder die Folie mit unzähligen Nachweisen seiner Kunst versehen lässt, ist Geschmackssache. Fakt ist aber, das lenkt wirklich das Auge potenzieller Kunden auf den Fotografen – selbst wenn der in einem alten Kleinwagen unterwegs ist.

Fazit

So vielfältig die Möglichkeiten auch sind, die einem die digitale Fotografie auch ermöglicht; wenn man sich rein auf das Betrachten des Endprodukts beschränkt, sind sie gering, weil sie sich ausschließlich auf Bildschirme und Displays beschränken. Nur das gute alte physische Ausdrucken gibt einem unzählige Optionen von der kleinen Visitenkarte bis zur Fototapete. Und obschon die meisten davon Geld kosten, sollte einem die eigene Fotografie so etwas immer wert sein. 

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