Gefahr der Überschwemmung unterschätzt

Mehr als die Hälfte der Deutschen nicht gegen Hochwasser abgesichert

Der Starkregen wird von Jahr zu Jahr schlimmer, doch die Absicherung der deutschen Bürger gegen Hochwasserschäden lässt zu wünschen übrig. Neue Zahlen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherer zeigen: Des Mangels ist sich keiner bewusst, jeder wiegt sich in Sicherheit.

Im Frühjahr sorgten zahlreiche Unwetter für Überschwemmungen, Chaos und richteten viel Schaden an – so auch in der Rhein-Neckar Gegend um Mannheim. Allein durch die beiden Sturmtiefs „Elvira“ und „Friederike“ mussten die deutschen Versicherer für 1,2 Milliarden Euro Schaden aufkommen. Viele Hausbesitzer blieben auf ihren Reparaturkosten sitzen, und das meist nur, weil sie gegen Unwetterschäden nicht genügend abgesichert waren. 

Die genauen Zahlen, die der Gesamtverband der deutschen Versicherer auf der Naturgefahrenkonferenz im September vorstellte, sind alarmierend: Zwar meinen 90 Prozent der Deutschen sie seien im Falle von Überschwemmungen und Naturgefahren gut versichert, allerdings verfügt nicht einmal die Hälfte über die entscheidende Elementarschadenversicherung. Einzige Ausnahme bildet Baden-Württemberg. Hier sind ganze 95 Prozent der Gebäude ausreichend abgesichert. Grund dafür war die bis 1994 gesetzlich vorgeschriebene Elementarversicherung, welche von vielen weitergeführt wurde. Schlusslicht der Statistik ist Bremen mit gerade einmal 13 Prozent versicherten Gebäuden.

Enorm hohe Versicherungsbeiträge in Überschwemmungsgebieten

Wenn durch Überschwemmungs-, Erdbeben- oder Lawinenschäden die Existenz gefährdet würde, sind Hausrat- und Wohngebäudeversicherung nicht zuständig. Wer also in der Nähe eines Flusses oder am Hang wohnt, für den ist die Elementarversicherung unerlässlich. 

Doch Sicherheit hat ihren Preis: Über ein Zonierungssystem (ZÜRS), welches die Gebiete Deutschlands in vier Gefährdungsklassen einteilt, berechnet sich die Beitragshöhe der Elementarversicherung anhand der Wohnlage. So kann es in Risikogebieten richtig teuer werden, während in weniger gefährdeten Gebieten nicht mehr als 100 Euro aufgebracht werden müssen. Im gefluteten Simbach zum Beispiel wären fast alle Häuser für 90 Euro versicherbar gewesen

Doch blind sollte man sich nicht auf seine Versicherung verlassen, sondern selbst tätig werden und Vorkehrungen treffen. In der Hochwasserschutzfibel des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Entwicklung kann man sich Anregungen dafür holen oder die Schutzmaßnahmen umsetzen, die von manchen Policen empfohlen und teilweise sogar vorgeschrieben werden.

Doch nicht nur private Vorsorge ist gefragt, sondern auch ein Handeln des Staates. So ist die Stärkung und der Ausbau des technischen Hochwasserschutzes wie Dämmen zwar wichtig, eine überlegte Siedlungsplanung um den Flüssen Raum zu geben auf langfristige Sicht gesehen unabdingbar. Diese Ziele setzt das Umweltministerium in der Überarbeitung des Hochwasserschutzgesetztes.

Ausweisung neuer Überschwemmungsgebiete: Zehnfacher Versicherungspreis in Hamburg

In Hamburg ist man bereits tätig geworden – hat sich mit den Maßnahmen aber nicht nur Freunde gemacht. Nachdem dort elf neue Überschwemmungszonen ausgewiesen wurden, haben die Bewohner der „Berner Au“ und Umland nun statt 70 Euro 700 Euro für ihre Elementarschadenversicherung zu zahlen – Neubauten werden gar nicht mehr versichert. Konkreter Anlass war die Umsetzung der EU-Richtlinie zum Hochwasserschutz. Die Maßnahmen beruhen dabei lediglich auf theoretischen Berechnungen. Wie Anwohner dem Hamburger Abendblatt erzählten, gab es in den letzten 95 Jahren keine Überschwemmung und die Quelle der „Berner Au“ ist schon lange versiegt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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