Dress for Success


Kleidung und Schutz für den modernen Heimwerker

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Mehr Sicherheit und Tipps für Heimwerker

Wer ernsthaft und vor allem sicher heimwerken will, sollte für seine Arbeitskleidung nicht minder professionell denken als bei seinem Werkzeug.

Heimwerker, wir müssen reden! Allein 2018 haben die Selbermacher in der Bundesrepublik der angeschlossenen Branche einen Umsatz von satten 18,75 Milliarden Euro beschert. Kein Wunder, muss man sagen: Ohne mit der Wimper zu zucken, geben Heimwerker 400 Euro für einen Profi-tauglichen Akkuschrauber aus. Der Halbzoll-Knarrenkasten für 150 Euro wird mit einem Lächeln bezahlt. Und wenn ein neuer Druckluftkompressor hermuss, dann hat man eben allen Grund, dafür 300 Euro auszugeben. 

Das alles ist kein Problem, absolut nicht. Was man braucht, das braucht man eben. Allerdings liegt das Problem an anderer Stelle. Bei dem, was viele Heimwerker zum Werkeln anziehen: Da ist die bevorzugte Heimwerkerhose: eine einstmals heißgeliebte, nun aber formlose, verwaschene Jeans, deretwegen die Partnerin schon die Augenbrauen hochzog, wenn man sie nur zum Couching anzog. Die Füße stecken in einem ausgetretenen Paar Baumwoll-Sneaker, die nicht mehr schön genug für den Job waren. Dass der Oberkörper von einer mit vielen Taschen bewehrten Weste gekleidet wird, die beim Discounter mal als Handwerker-Weste für 14,99 Euro verkauft wurde, macht es nicht wirklich besser. 

Tatsache ist, bei vielen Heimwerkern gibt es eine scharfe Diskrepanz zwischen der Qualität ihres Werkzeugs und der ihrer Arbeitskleidung. Das ist nicht nur unpraktisch, sondern vor allem unfallträchtig. 

1. Nicht beim Discounter 

In schöner Regelmäßigkeit finden sich unter den Wochenangeboten beim Discounter nicht nur Laufschuhe und Küchenmesser, sondern auch Arbeitsbekleidung. Die mag durchaus ihre Berechtigung haben, ebenso wie die Bohrer- und sonstigen Werkzeugsätze, die es dort zu erstehen gibt. 

Aber wer ernsthaft heimwerken will, vielleicht sogar beim eigenen Hausbau, sollte grundsätzlich nie auf Billigware setzen und das sind eben auch die Arbeitshosen, Schuhe und Co. vom Discounter in der Regel. Auch hier sollte man mindestens auf Baumarkt- besser jedoch auch Profiqualität setzen. Kostet natürlich mehr, ist aber für dauerhaftes Arbeiten konzipiert und erfüllt bei den Profi-Sachen auch die vorgeschriebenen Sicherheitsnormen. Im Zweifelsfall macht man seinen Einkauf etwas günstiger, indem man auf Gutscheine und Rabattcodes setzt – die existieren auch für dieses spezielle Segment

2. Arbeitsschuhe ohne Wenn und Aber

Garten-Clogs mögen bequem sein. Und ein Stück Holz sägt man ja nicht mit den Füßen ab, da reichen alte Sneaker. Nein! Wer so denkt, legt schon die Grundlage für DIY-Arbeiten, die in der Notaufnahme enden. Es besteht immer das Risiko, dass einem die Bohrmaschine runterfällt, dass man in etwas hineintritt. Und die Erfahrung weiß, dass sowas selten „haarscharf daneben“ geht. 

Mehr Sicherheit und Tipps für Heimwerker

Noch für die schnellste Zwischendurch-Arbeit sollten die Füße deshalb in Sicherheitsschuhen stecken. Ob man auf Halbschuhe setzt oder Stiefel ist Geschmackssache – wobei letztere besser vor Umknicken schützen. 

Zentrale Rolle sollten die unterschiedlichen Sicherheitsklassen spielen. 

  • Wer nur drinnen arbeitet, ist mit SB oder S1 bestens bedient. 
  • Doch wer auch regelmäßig im Garten zu tun hat und das nicht nur bei trockener Witterung, sollte auf S2 setzen. 
  • Und wer gleich ein Haus sanieren möchte, wo naturgemäß viel auf dem Boden herumliegt, sollte auf S1P oder S3 setzen, die haben eine durchtrittssichere Sohle. 

3. Mit oder ohne Latz, das ist hier die Frage 

Wir kommen zu den Beinkleidern und damit einer Frage, an der sich die Geister scheiden, weil jede Antwort darauf ziemlich subjektiven Charakter hat. Denn prinzipiell hat man die Auswahl zwischen: 

  1. der klassischen Arbeits-Bundhose, die ähnlich wie eine Jeans geschnitten ist und höchstens kleine Beintaschen hat.
  2. der Multifunktions-Bundhose, die sich eher an modernen Militärhosen orientiert und über zahllose Taschen verfügt. 
  3. der guten alten Latzhose. 

In Sachen Materialwahl braucht man nicht viel überlegen. Die allermeisten Hosen aus dem Profibedarf bestehen aus schwerem (>250g/m²) Baumwoll-Mischgewebe. Das genügt gegen Sägespäne, Bohrklein und begrenzt auch Funkenflug beim Schleifen und Schweißen. 

Für die Multifunktionshosen spricht, dass sie enormes Stauvolumen haben. Perfekt, wenn man nicht immer nur in seiner Werkstatt arbeitet und man spart den Werkzeuggürtel. Aber naturgemäß mit dem Risiko versehen, so unübersichtlich und überfüllt zu werden wie eine durchschnittliche Damenhandtasche. Zudem neigen Modelle mit offenen Taschen (d.h. einer Art integriertem Werkzeuggürtel) dazu, sich mit Staub und kleinkörnigem Dreck zu füllen. 

Für die Latzhose spricht dagegen vor allem die Bewegungsfreiheit. Kein einschnürender Bund. Außerdem sind Brust und Nierenbereich immer abgedeckt. Das macht nicht nur bei Kälte Sinn, sondern sorgt auch dafür, dass die Oberbekleidung besser vor Schmutz und Abrieb geschont wird. 

Was aber wirklich jede (lange) Hose haben sollte: Einschubfächer im Wadenbereich für Polster. Die sind so leicht, dass sie immer getragen werden können. Und wenn man sich auf die Knie begibt, sind sie ungleich bequemer und schonender. 

4. Wenn Funken fliegen 

... sollte der seriöse Heimwerker diese nicht einfach nur auf seiner Kleidung landen lassen. Gegen relativ harmlose Funken von Winkelschleifer und Co. sollte man beim Hosenkauf auch eine dünne, langärmelige Arbeitsjacke besorgen. Wichtig dabei: Auch, wenn es optisch vielleicht nicht so gut wirkt, bitte auf enganliegende Stücke setzen. Je weiter der Stoff, desto größer das Risiko, dass man hängenbleibt oder in rotierende Werkzeugteile gerät. 

Analog dazu ist es nicht die schlechteste Idee, auf eine Schürze zu setzen. Für leichtere Arbeiten reichen dafür simple Stücke aus Baumwolle. Wer jedoch häufig Metall bearbeitet oder auch schweißt bzw. sogar schmiedet, sollte eine schwere Schürze aus Echtleder besitzen. Andernfalls ist die normale Arbeitskleidung nach kurzer Zeit von unzähligen kleinen Brandlöchern perforiert – und wem einmal eine „Schweißlaus“ (ein kleiner Spritzer flüssiges Metall) in die Jacke eindrang oder die Latzhose hineinflog, weiß, wie enorm schmerzhaft das ist. Bitte dazu aber auch die Informationen der Bundesanstalt für Arbeitsschutz beachten; persönliche Schutzausrüstung (PSA) beim Schweißen umfasst mehr als nur das. 

5. Gegen Wind und Wetter 

Heimwerken findet nicht immer in der trockenen Werkstatt statt. Oft genug werkelt man auf einer zugigen Sanierungs-Baustelle, im Rohbau oder bei sich im

Garten. Und den allermeisten Arbeiten ist gemein, dass man dabei auch bei kühlerer Witterung leicht ins Schwitzen kommt. 

„Irgendein“ Baumwoll-Kapuzenpullover, „irgendeine Jacke“ ist darauf die falsche Antwort. Diese Sachen saugen sich mit Körper- und Witterungsfeuchtigkeit voll und verlieren dann einen Großteil ihrer wärmenden Eigenschaften. 

Nein, wer sicher vorgehen möchte, setzt auf Handwerksbekleidung, die nach dem gleichen Schema konstruiert wurde wie Outdoor-Bekleidung. Also Fleece oder Softshell. Ersteres hält warm, zweiteres ist primär gegen Feuchtigkeit gedacht. Hat man beides als Jacke, kann man die Stücke wahlweise einzeln tragen oder miteinander kombinieren. Für normale Arbeiten reicht hier Blouson-Länge. Wer jedoch dauerhaft, gar in der kalten Jahreszeit, draußen werkelt, sollte nach etwas in Richtung Parka Ausschau halten. 

6. Den Kopf bitte nicht vergessen 

Es braucht keinen Sonnenschein, um eine Basecap beim Arbeiten zu rechtfertigen. Die schützt auch hervorragend vor Staub und kleineren Stößen. 

Mehr Sicherheit und Tipps für Heimwerker

Die allermeisten Heimwerker dürften eine Schutzbrille tragen. Sehr gut. Und wer es noch nicht tut, bitte nachholen – die zehn Euro, für die es schon simple Brillen gibt, stehen in keinem Verhältnis zum Schaden, den schon ein kleines Staubkorn anrichten kann, wenn es Werkzeug-beschleunigt im Auge landet. 

Jenseits des Schweißschildes war es das allerdings für viele Selbermacher mit dem Kopfschutz. Auch das ist falsch. Schon von kräftigem Holzschleifen vollkommen eingestaubte Haare sind einfach nur störend. Und natürlich kommen auch hier mechanische Belastungen hinzu. Was man dagegen haben sollte: 

  1. Entweder eine normale (bitte geschlossene, kein Mesh-Gewebe) Basecap oder, wenn einen der Schirm stört, eine sogenannte Coco- bzw. Docker Cap (eine Kombination aus Strickmütze und Basecap). Die sollte man beim Werkeln immer tragen, weil sie vor allgemeinen Gefahren und Verschmutzungen schützt und auch Schweiß von den Augen fernhält. 
  2. Für Outdoor-Arbeiten in der Sonne empfiehlt sich der Boonie-Hat. Das ist die breitkrempigere Variante des „Maurer-Hütchens“. Sie besteht aus Baumwolle und schützt auch den Nacken perfekt vor Sonneneinstrahlung (ein oft ignorierter Auslöser für Sonnenstiche)
  3. Für den Winter wiederum ist die Wollmütze Pflicht. Bitte nicht auf Naturfasern setzen, sondern Acryl (trocknet schneller), gerne auch gefüttert. 

Und vielleicht sollte man für ein Teil dieser Arbeitskleidung auch mal beim Sporthändler seines Vertrauens vorbeischauen – und sich dort ein einfaches Frottee-Stirnband besorgen. Denn wenn es wirklich „heiß hergeht“, sind Basecap und Boonie-Hat ziemlich fix vollgesogen.

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