Eltern pflegen

Kinder haften für ihre Eltern: Was tun, wenn die Eltern pflegebedürftig werden?

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Pflegebedürftigkeit wird ein immer wichtigeres Thema in unserer Gesellschaft. Doch welche Pflichten haben Kinder in Bezug auf ihre Eltern?

Altersarmut, Vorsorgen für die Rente und der Wunsch, noch etwas vom Leben zu haben – viele Verbraucher machen sich ab einem bestimmten Alter Gedanken zur Zukunft. Was oft keine Rolle spielt oder ausgeblendet wird, ist die Gefahr der Pflegebedürftigkeit. Deutschland wird auf dem Papier zwar immer älter. Allerdings sagen die Zahlen zur Lebenserwartung wenig darüber aus, wie das Leben zu Ende geht. Oder ob bis zum letzten Atemzug noch ein selbstbestimmter Alltag möglich ist. Seit Jahren steigen in der Republik die Zahlen jener Menschen, bei denen es ohne fremde Hilfe einfach nicht mehr geht.

Ursachen hierfür sind vielfältig. Bei einigen Betroffenen sind es Krankheiten, welche zu Immobilität oder Unfähigkeit zur Alltagsbewältigung führen. Andere Betroffene sind als Folge eines Unfalls auf fremde Hilfe angewiesen. Trifft dieses Schicksal Kinder, stehen die Eltern für deren Wohlergehen und die Fürsorge ein. Sobald es aber um Senioren geht, taucht eine Frage auf: Bin ich als Kind für die Pflege verantwortlich?

Elterliche Pflege: Was sagt das Gesetz?

Prinzipiell gilt in Deutschland der Grundsatz, dass zur Pflegetätigkeit niemand gezwungen werden kann. Der Staat oder Behörden können nicht einfach festlegen, dass Kinder ihren Job aufgeben, um sich den Eltern zuzuwenden. Aber: Behörden und Gesetzgeber können erwachsene Kinder in die Pflicht nehmen, wenn es um die finanziellen Regelungen zur Pflege geht.

Hintergrund: Laut § 1601 BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) besteht eine Unterhaltspflicht für Verwandte in gerader Linie. Bekannt ist, dass dieser Paragraf den Kindesunterhalt regelt – etwa im Fall einer Trennung der Eltern. Weniger bekannt ist hingegen, dass der Paragraf zur Unterhaltspflicht auch in die andere Richtung zum Einsatz kommt – wenn Eltern für ihren Unterhalt nicht mehr sorgen können. Was hat das Ganze aber mit Pflegebedürftigkeit zu tun? Die Eltern sind doch durch eine gesetzliche Pflegepflichtversicherung geschützt.

Große Finanzierungslücke: Pflege versus Lebenshaltung

Viele Verbraucher haben die Ansicht, dass für den Ernstfall die Pflegeversicherung alle Kosten übernimmt. Um meinen Kindern nicht zur Last zu fallen, gehe ich einfach ins Heim. Aber: Mit der gesetzlichen Pflegeversicherung wird nur ein Bruchteil der Kosten gedeckt.

Grundsätzlich wird zwischen dem Pflegegeld für eine selbst beschaffte Pflege und Pflegesachleistungen. Letztere stellen die Versorgung durch einen Pflegedienst sicher. Die letzte Lösung wäre eine stationäre Unterbringung im Pflegeheim. Wie hoch die Zuwendungen aus der Pflegeversicherung sind, hängt vom Pflegegrad ab. Das Problem: Kosten für Verpflegung und die Unterbringung sind Eigenleistungen.

Und diese müssen Pflegebedürftige selbst zahlen. Ist das nicht möglich, werden unter Umständen die Kinder zur Unterhaltssicherung in die Pflicht genommen.

1. Pflege in einem Pflegeheim oder ambulante Pflege bezahlen


Die Kosten für Pflegeleistungen variieren. Je schwerer die Einschränkungen sind, desto größer der Anspruch an die Hilfestellungen. Eltern können – wenn es um Pflegegrad I oder II geht – oft verschiedene Grundfertigkeiten noch selbst verrichten. Beispiele wären das Einnehmen der Mahlzeiten oder grundlegende Fähigkeiten in der Mobilität. Hier ist ambulante Pflege sicher eine gute Lösung und die Kosten kommen zum größten Teil aus der Pflegeversicherung. Die Lebenshaltung wird wie die Miete aus der Rente beglichen.

Sehr viel schwieriger kann die Situation bei einem hochgradigen Pflegebedarf werden. Hier müssen betroffene durchaus damit rechnen, dass 24-stündige Betreuung notwendig ist. Eine Tatsache, die für Eltern und Kinder einschneidend wird. Lässt sich Pflege nicht mehr ambulant bewältigen, bleibt nur das Heim. Viele ältere Menschen fürchten sich vor diesem Moment. An die Kosten wird dabei selten gedacht. Letztlich sind für einen Heimplatz aber 3.000 Euro bis 4.000 Euro einzuplanen. Durch die Pflegeversicherung wird nur ein Teil abgedeckt. Der Eigenanteil in Mannheimer Pflegeheimen beträgt aktuell zwischen 1.800 und 2.400 Euro pro Monat.

2. Die Pflege zumindest zum großen Teil selbst übernehmen

Ich will zu Hause alt werden – ein verbreiteter Wunsch, nicht nur in der Elterngeneration. Gerade schwere Demenz oder andere Erkrankungen, die zu Immobilität führen, sind in der ambulanten Pflege nur teilweise beherrschbar. Aber: Viele Angehörige nehmen diese Herausforderung an. Und wollen Eltern in deren gewohnter Umgebung pflegen.

Dabei muss eines klar sein: Pflege ist eine finanzielle und zeitliche Herausforderung. Es gilt, den Alltag komplett neu zu organisieren, was Beruf, Freizeit und Familie stark beeinflusst.

Hintergrund: In der Pflege richtet sich der Zeitplan nur noch nach den Bedürfnissen der zu pflegenden Eltern. Dies bedeutet unter anderem, dass für den Job nicht mehr so viel Zeit zur Verfügung steht – etwa, wenn Eltern früh erst noch fertiggemacht werden müssen.

Welche Rechte haben pflegende Angehörige überhaupt?

  • Arbeitsverhinderung: Hier kann sich ein Arbeitnehmer für die Pflege über einen kurzen Zeitraum freistellen lassen. Das Zeitfenster liegt bei 10 Tagen. Der Arbeitgeber zahlt den Lohn nicht fort, dafür kann Pflegeunterstützungsgeld in Anspruch genommen werden.
  • Pflegezeit: Dieser Anspruch kann sich auf eine bis zu 6-monatige Freistellung von der Arbeit belaufen. Möglich ist auch die Gestaltung innerhalb eines Teilzeitmodells. Für die Pflegezeit besteht Kündigungsschutz.
  • Familienpflegezeitgesetz: Dieses Modell versucht eine Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu erreichen. Arbeitnehmer können Stunden reduzieren, um mit der freigewordenen Zeit Angehörige wie die Eltern zu pflegen.

Basis dieser rechtlichen Regelungen ist das Pflegezeitgesetz. Betroffene müssen aber noch mehr organisieren.

Umziehen ins Elternhaus

Wo Eltern in Mannheim Wohneigentum besitzen, kann für die Pflege an den Umzug ins Elternhaus gedacht werden. Hierfür ist natürlich ein gewisser Aufwand zu betreiben – schon allein bezüglich der Organisation. Zur Debatte steht beispielsweise, ob sich mehrere Kinder die Einliegerwohnung teilen und sich wochenweise abwechseln.

In diesem Fall wohnt die eigene Familie in ihrem bisherigen Zuhause und die Pflegeperson pendelt. Ein solches Modell lässt sich nur realisieren, wenn auch der Arbeitgeber (Stichwort Home-Office) mitspielt.

Wird der Wohnsitz komplett nach Mannheim verlegt, muss viel organisiert werden – vom Ummelden bei der Stadt bis hin zum neuen Telefonanschluss und der neuen Bankverbindung. Dieser zusätzliche Aufwand ist auf jeden Fall in die Pflege mit einzuplanen.

Darüber hinaus sollte auch der Umzug nicht vergessen werden, der ebenfalls eine Menge Ressourcen bindet. Mit den richtigen Methoden lässt sich der Stress beim Umziehen jedoch deutlich reduzieren. Dazu gehört zum Beispiel das richtige Verpacken des Hausstandes, so dass nur wenige Wege zurückgelegt werden müssen. Ferner kann es sinnvoll sein, eine Umzugscheckliste anzulegen, auf der alle Schritte in der richtigen Reihenfolge notiert werden.

Wie lässt sich die Pflege für die Eltern übernehmen?

Eltern pflegen – für viele erwachsene Kinder eine Selbstverständlichkeit. Teils wird sogar der Umzug nach Hause hierfür in Kauf genommen. Eines darf nie unterschätzt werden: Die Herausforderungen der Pflege. Besonders was die Organisation anbelangt, müssen sehr klare Regeln gefasst werden. Auch wenn ältere Menschen scheinbar keinem geregelten Tagesablauf mehr nachgehen, braucht auch deren Tag eine feste Struktur.

Dies beginnt beim Aufstehen – im besten Fall zur gleichen Tageszeit – setzt sich über:

  • Tageshygiene (Duschen, Haare waschen)
  • Mahlzeiten
  • Freizeit

bis zum Zubettgehen fort. Und je mehr Zuwendung die Eltern brauchen, umso stärker sind die Kinder gefordert. Finanziell kann das Pflegegeld einige Herausforderungen auffangen. In jedem Fall sind Kommunikation und Organisation wichtig, wenn mehrere Angehörige pflegen. Missverständnisse, welche in dieser Situation nicht geklärt und ausgesprochen werden, führen ansonsten im schlimmsten Fall zum Bruch innerhalb der Familie und können das Verhältnis untereinander vollkommen zerrütten.

A health visitor putting on slippers on a senior woman at home.

Fazit: Eltern pflegen – eine Herausforderung für Kinder

In Deutschland ist die Lebenserwartung gestiegen. Gleichzeitig nehmen verschiedene Erkrankungen wie Krebsleiden zu. Und mit höherem Alter steigt das Risiko für zunehmende Immobilität. Es kann passieren, dass Eltern plötzlich auf die Hilfe ihrer Kinder angewiesen sind. Viele Menschen, die Pflegebedarf haben, werden medizinisch von Pflegediensten versorgt. Den Rest der Betreuung übernehmen allerdings deren Angehörige. Damit stellen sich Kinder einer erheblichen Herausforderung. Pflegegrad I oder II erscheinen vielen noch relativ leicht machbar zu sein. Höhere Pflegegrade stellen den kompletten Alltag auf den Kopf. Besonders schwierig wird es jetzt, Beruf und Pflege unter einen Hut zu bekommen – und dabei die eigenen Kinder nicht zu vergessen. Eltern zu pflegen berührt aber noch einen weiteren Aspekt: Die Frage, welche Erwartung Pflegende in einer solche Situation an ihre Angehörigen haben.

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