Kaufen war gestern

Waschmaschinen, Fernseher, Soundsysteme: Was früher teuer gekauft werden musste, kann heute günstig geleast werden. Immer mehr Elektronikhändler und Versandhäuser bieten ihre Produkte zur monatlichen Miete an.

Ganz oben auf der Leasing-Skala liegen aber nach wie vor Autos. Doch das Finanzierungsmodell hat seine Tücken.

Wer least, mietet ein Wirtschaftsgut, kauft es aber nicht. Der Leasingnehmer kann das Produkt wie ein Eigentümer nutzen und hat am Ende der Miete oft die Option auf einen Kauf. „Der Unterschied zwischen Leasing und Mieten besteht darin, dass der Nutzer des Leasingobjekts alle Rechte, Risiken und Pflichten hat, die bei der traditionellen Miete in der Regel der Vermieter trägt“, erklärt der Bundesverband Deutscher Leasingunternehmen (BDL). Der Leasingnehmer müsse also zum Beispiel bei einem geleasten Auto Reparaturen selbst ausführen und das Fahrzeug in Stand halten. Dennoch hat diese Finanzierungsvariante viele Vorteile.

Unternehmer oder Selbstständige können die Leasing-Raten als Betriebsausgaben steuerlich in voller Höhe geltend machen. Da der Nutzer nicht der Eigentümer ist, taucht das Objekt in seiner Bilanz nicht auf – dadurch steigt die Eigenkapitalquote und die Bilanz wird nicht belastet. Auch müssen wegen der überschaubaren monatlichen Raten weder Unternehmen noch Privatleute ihren Kreditrahmen bei der Bank erhöhen. Trotzdem können die oft teuren Produkte sofort genutzt werden. Und das Beste: Am Ende ist der Leasingnehmer beispielsweise das Auto ohne großen Aufwand wieder los.

Die Idee des Leasings reicht zurück bis in die Antike: Aristoteles stellte im vierten Jahrhundert vor Christus fest, dass Reichtum nicht im Eigentum, sondern im Gebrauch liegt. Dies ist laut BDL der Hauptgedanke des Leasings. Als Startzeitpunkt wird häufig das Jahr 1877 genannt, als die amerikanische Telefongesellschaft Bell begann, ihre Telefone zu vermieten. Andere Unternehmen wie die IT-Firma IBM übernahmen die Idee später, während zur selben Zeit in Deutschland Konrad Zuse mangels Absatzfinanzierung mit seinen ersten frei programmierbaren Rechnern scheiterte.

In der Bundesrepublik wurden erst 1962 Leasing-Gesellschaften gegründet. 2016 lag das Neugeschäft beim Leasing bereits bei 56,8 Milliarden Euro – ein Plus von 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders beliebt ist laut BDL das Leasing von Autos und Nutzfahrzeugen. Drei von vier Anschaffungen erfolgten anhand dieses Finanzierungsmodells. Danach kommen mit weitem Abstand Produktionsmaschinen (zehn Prozent), Büromaschinen (sechs Prozent) sowie Nachrichten- und Signaltechnik (fünf Prozent). Elektronik- oder Haushaltsartikel werden in der Skala noch nicht separat aufgeführt.

Allerdings gibt es beim Leasing neben den Reparaturen noch weitere Nachteile. „Wer die monatlichen Zahlungen nicht mehr aufbringen kann, kommt nicht aus dem Vertrag“, erklärt Volker Lempp vom Auto Club Europa. Vor Ablauf der Frist zu kündigen, funktioniere nur bei Diebstahl oder Totalschaden. Hinzu kommt: Im Vergleich zum Sofortkauf kostet Leasing rund 130 Prozent mehr. Für private Kunden gibt es laut ADAC auch keine steuerlichen Vorteile. Ebenso dürfe die oft teure Schlusszahlung nicht vergessen werden, warnt der Autoclub. Für Privatkäufer kann daher ein Jahreswagen oder ein Auto mit Tageszulassung günstiger sein.

Leasing von Gefrierschränken, Spielkonsolen oder Drohen lohne sich auch nur in bestimmten Fällen, warnen Verbraucherschützer. „Wenn ich ein Gerät ausprobieren oder eine begrenzte Zeit überbrücken will, kann die Miete sinnvoll sein“, sagte ein Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Das Modell ist aber nicht geeignet, um ein ganzes Technik-Leben darauf zu bauen.“ So sei bei einigen Händlern der Neupreis bei vielen Geräten schon nach rund zehn Monaten, spätestens aber nach zwei bis drei Jahren bezahlt, rechnet der Verbraucherschützer vor.

Was viele Autonutzer vergessen: Es gibt eine Alternative zu Kauf, Finanzierung oder Leasing. Langzeitmiete heißt das Zauberwort. Dabei kann ein Fahrzeug wie bei einer Kurzzeitmiete angemietet werden – allerdings für einen Zeitraum von mindestens einem Monat bis maximal 24 Monaten. Dieses Angebot ist vor allem für Menschen interessant, die ohne eigenes Auto oder ohne eigenen Dienstwagen mobil sein wollen. Oder die zum Beispiel unsicher sind, ob sie langfristig auf ein Elektroauto umstellen wollen und es daher erst einmal testen wollen. Die Langzeitmiete schließt so die Lücke zwischen der regulären Kurzzeitmiete und dem Leasing für den langfristigen Bedarf.

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