Nicht Hals über Kopf...

Erstes Zusammenziehen mit dem Partner – so klappt‘s garantiert

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Selbst die größte Verliebtheit kann durchs Zusammenziehen arg in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber es gibt Hilfe. 

Für die meisten jungen Menschen kommt irgendwann der Punkt, an dem sie mit ihrem Partner erstmals eine gemeinsame Wohnung beziehen möchten. Doch dieser Weg ist voller Stolperfallen.

Wenn der Bauch voller Schmetterlinge steckt und der Himmel voller Geigen hängt, sieht die gemeinsame Zukunft so rosig aus, dass man sich nicht vorstellen kann, dass sich daran jemals etwas ändern könnte. Der Schritt zu einer gemeinsamen Wohnung ist da nur ein logischer Schritt. Doch gerade Spät-Teens und Twens, die diesen Schritt zum ersten Mal wagen, machen dabei oft saftige Fehler. Genau um diese dreht sich der folgende Artikel – und wie man sie vermeidet. 

1. Nicht Hals über Kopf

Gleich dieser erste Punkt richtet sich an alle, die zuvor noch nie mit einem Partner oder vielleicht sogar noch nie ohne Eltern gelebt haben. Viele davon verlieren bei heißer Verliebtheit nämlich den Sinn fürs Wesentliche: 

– Haushalten 

– Putzen

– Kochen

– Einkaufen

– Finanzen 

Das sind alles Punkte, die man erst mal lernen muss. Wer aus dem Hotel Mama auszieht, selbst wenn er dort teilweise für sich selbst sorgte, weiß einfach nicht aus der Praxis, wie es sich anfühlt, sich um all diese Alltagsangelegenheiten selbst kümmern zu müssen, kennt nicht mal die Details im Mietvertrag. Kommt das mit einem Partner zusammen, der vielleicht ebenso ahnungslos ist, dann entlädt sich Wolke Nummer Sieben schneller in einem Donnerwetter, als einem lieb ist. Deshalb ist es besser, mit dem Zusammenziehen langsamer zu machen. 

2. Die Wohnung 

Wenn einer der Partner eine Wohnung hat und den anderen nur aufnimmt, ist die Sache klar, dann muss der Vermieter um Erlaubnis gefragt werden. Schließlich hat er ja nur an eine Person vermietet und zudem das Recht, Miete und/oder Nebenkosten zu erhöhen. Zwei Personen verbrauchen zudem mehr und nutzen auch die Wohnung stärker ab als eine. 

Streit ist normal. Kritisch wird er jedoch, wenn beide in einer zu kleinen Wohnung keine Rückzugsmöglichkeiten haben. 

Komplizierter wird es, wenn beide nach einer gemeinsamen Wohnung fahnden. Dann sollte der allererste Schritt darin bestehen, dass sich beide Partner eine Schufa-Selbstauskunft einholen, weil die meisten Vermieter von beiden eine verlangen werden. Wichtig ist, sich mit dem darauf zu findenden Score auseinanderzusetzen. 

Das ist ein hochpräzises System zur Vorhersage von Wahrscheinlichkeiten. Der Vermieter (oder auch ein Kreditgeber) sieht dabei, wie hoch die Bonität und die Kreditwürdigkeit sind. Genauer: Der Score spiegelt das gesamte bisherige Finanzverhalten wieder und zeigt somit, wie risikoreich es ist, an dieses Pärchen zu vermieten. Ein schlechter Score eines Partners kann das Mieten verunmöglichen – doch um das zu erkennen, bevor ein potenzieller Vermieter Nein sagen und einem eine sicher geglaubte Wohnung entreißen kann, muss man sich damit auseinandersetzen. Übrigens verschlechtern auch Ratenkäufe den Score, weshalb man bei der Einrichtung vielleicht eher die Eltern anpumpen sollte.

Doch weg vom Finanziellen sollte die Wohnung auch noch etwas aufweisen: Ausreichende Rückzugsmöglichkeiten für beide Partner. Denn je mehr man „aufeinander hängt“, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, dass man sich bald gegenseitig anödet. Gut ist hier die klassische „Drei Zimmer, Küche, Bad“-Wohnung. 

3. Die Kosten

Heute zahle ich, morgen Du. Wer nach dieser Methode zusammenzieht, wird oft in Geldnöte geraten. Sinnvoll für die Miete und auch das Haushaltsgeld an sich sind nur zwei Systeme: 

– 50-50 kommt immer dann zum Einsatz, wenn beide Partner einen mehr oder weniger gleichen finanziellen Spielraum haben. 

– Prozentual ist für Fälle gedacht, bei denen das Einkommen beider Partner sich stark unterscheidet. 

Wenn also er, typisch klammer Mannheimer Student und sie, Vollzeitkraft, zusammenziehen, gibt eben jeder einen prozentualen Anteil seines Geldes, um daraus die Ausgaben zu decken. Und in beiden Fällen sollte in jedem Fall ein Haushaltsbuch geführt werden. Das ist zwar nervig, verhindert aber, dass einer der beiden, sich vielleicht sogar unbewusst über Gebühr belastet. 

Und bei den natürlich ebenfalls notwendigen Konten sollte man nach der 2+1-Regel verfahren. Das bedeutet, jeder Partner hat sein eigenes Konto. Dazu besteht ein drittes Konto. Darauf wird, am besten per Dauerauftrag, monatlich die prozentuale Summe für Miete, Nebenkosten und auch Einkäufe eingezahlt. Nur zu diesem Konto sollten beide Partner per Karte Zugang haben. 

4. Die Einrichtung 

Eine gemeinsame Wohnung will eingerichtet sein. Und hier wird es umso kritischer, je jünger die Partner noch sind. Denn dann sind die Geschmäcker zum einen noch eher grundverschieden wie auch die Kompromissfähigkeit begrenzt ist. Hier kommt auch die genannte Dreizimmerwohnung zu weiteren Ehren. Jeder darf dann ein Zimmer nach seinem Geschmack einrichten, etwa sie das Schlafzimmer, er das Arbeitszimmer. Das gemeinsame Wohnzimmer sollte dann so neutral wie möglich gehalten werden. So wird keiner benachteiligt. 

5. Retter für den Alltag 

Eines vorweg: Wer glaubt, dass er bis hierhin, also dem Einzug an sich, die schwierigsten Hürden gemeistert hat, liegt leider daneben. Denn was Beziehungen wirklich demoliert, ist der Alltag: Ihre Haare im Waschbecken, sein Unterwäschehaufen. 

Gemeinsames Kochen kann nicht nur viel Spaß machen, sondern teilt auch die Arbeitsläufe fair untereinander auf.

Und jeder drückt sich ums Ausräumen der Spülmaschine. Deshalb nun gleich mehrere gute Tipps, für diesen schwierigsten Abschnitt:

– Niemals versuchen, den anderen heimlich zu erziehen. 

– Wenn etwas stört, dann sofort klipp und klar raus damit. 

– Arbeit zu gleichen Teilen. Man muss zwar keine WG-artigen Putzpläne erstellen, aber wenn einer kocht, sollte der andere spülen. Und wenn einer die Wäsche sortiert und in die Maschine stopft, sollte der andere sie herausnehmen und in den Trockner stecken. 

– Nicht in Marotten hineinsteigern. Jeder Mensch hat seine Eigenheiten und in einer Beziehung kann das Ansprechen helfen, dass beide zu ihrem Recht kommen 

Der aber vielleicht wichtigste Tipp ist folgender: Bloß nicht jede freie Minute in einem Raum verbringen. Das mag im Angesicht der bislang stärksten Liebe eines Lebens (immerhin ist man deswegen zusammengezogen) komisch wirken. Fakt ist aber: Verliebtheit ist wie Seife, sie nutzt sich ab, je stärker man sie beansprucht. Nur wenn beide Partner sich auch mal alleine beschäftigen, bleibt die Liebe stärker als die Routine und kann dann nahtlos in eine wirklich verschweißte Partnerschaft übergehen – und erst dann darf man jede Minute in Zweisamkeit verbringen. 

6. Was bei aller Toleranz gar nicht geht 

Im vorherigen Punkt wurde unterstrichen, wie wichtig es ist, anzuerkennen, dass jeder Mensch seine Ecken und Kanten hat. Doch auch hier hat alles seine Grenzen. Die folgenden Dinge gehören zu denjenigen, die man keinem Menschen zumuten sollte, den man liebt. 

– Angeblich teilt jedes vierte Paar sich eine Zahnbürste. Doch selbst wenn die Liebe wirklich so weit geht, sollte man das eigentlich nicht machen, denn da tummeln sich Millionen von Keimen 

– Freunde des Partners sind wichtig. Doch diese sollten nicht wie früher zum „Quasi-Mitbewohner“ werden, der jeden Tag mit im Wohnzimmer sitzt. 

– Jeder Mensch verliert Haare. Das bedeutet aber nicht, dass man diese in Dusche und Waschbecken entsorgt. 

– Man muss nicht für jede nur denkbare Wäschefarbe eine eigene Kiste haben. Aber Berge von dreckigen Socken und Unterhosen sind ein No-Go. 

Und für alle Verliebten, die frisch aus Hotel Mama miteinander zusammenziehen, noch ein letzter Rat, der besonders wichtig ist: Egal wie gut die eigene Mutter gekocht hat, egal wie routiniert sie mit Flecken und Co. umging und ganz gleich wie geschickt Papa beim Möbelaufbau ist. Niemals, unter keinen Umständen sollte man etwas sagen wie „Meine Mama (mein Papa) kann das viel besser“. Denn dann hat der Kritisierte jedes Recht „dann zieh doch zurück“ zu entgegnen.

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