Schlaganfall-Patienten suchen oft zu spät Hilfe

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Nach Zahlen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden in Deutschland pro Jahr fast 270 000 Menschen einen Schlaganfall. Foto: Friso Gentsch/Archiv

Taubheitsgefühl, Sprechstörungen oder Schwindel statt heftigem Schmerz: Ein Schlaganfall bleibt oft zunächst unbemerkt. Für Betroffene kann das fatal sein.

Berlin (dpa) - Nach einem Schlaganfall verstreicht nach Einschätzung von Experten bei einem Großteil der Patienten noch zu viel Zeit, bevor sie einen Arzt aufsuchen.

"Nur zehn Prozent der Patienten kommt innerhalb einer Stunde in die Klinik", sagte der Neurologe Prof. Darius Nabavi der Deutschen Presse-Agentur im Vorfeld des Tages gegen den Schlaganfall am 10. Mai.

Dabei seien gerade die ersten Stunden nach einem Hirninfarkt oder einer Hirnblutung entscheidend, will man Behinderungen vorbeugen. Entsprechende Therapien werden inzwischen meist auf Spezialstationen vorgenommen, sogenannten Stroke Units.

Innerhalb von drei Stunden gelange zwar ein gutes Drittel der Patienten in die Klinik. "Aber dieser Anteil ist seit Jahren nahezu unverändert", sagte Nabavi, der auch Vorsitzender der Stroke-Unit-Kommission der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) ist. "Sobald der Notruf 112 gewählt wurde, funktioniert die Versorgung in Deutschland nahezu perfekt."

Vorher sei es eine Mischung aus mangelnder Eigenwahrnehmung, Unwissen und auch Scham, die Betroffene und auch Angehörige zum Abwarten verleite. Manche gingen wider besseren Wissens nicht in die Klinik. Dass Patienten aber oft auch schnell und zielgerichtet versorgt werden, ist nach Angaben der Schlaganfall-Hilfe mit ein Grund für rückläufige Sterberaten bei Betroffenen.

Mankos sehen Experten noch bei der Nachsorge: "Uns gehen dabei zahlreiche Patienten verloren - etwa wenn sie Depressionen entwickeln oder Koordinations- und Sprachstörungen haben, bestehende Angebote aber nicht wahrnehmen", sagte Prof. Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie und des Centrums für Schlaganfallforschung der Charité. Auch bei Patienten mit Bluthochdruck oder Vorhofflimmern steige das Risiko für einen neuerlichen Schlaganfall, wenn sie unbehandelt blieben.

Vorbeugende Medikamente wie Blutverdünner nehmen Patienten Studien zufolge auf Dauer nicht regelmäßig ein: Anders als etwa bei Schmerzmitteln gebe es keinen "Belohnungseffekt", wenn sie ihre Tabletten einnehmen.

Projekte mit sogenannten Schlaganfall-Lotsen, die sich um Betroffene kümmern, gibt es nach Angaben Nabavis noch nicht in der gewünschten Breite: Lotsen vereinbarten mit Patienten etwa, dass sie regelmäßig zum Arzt gehen oder selbstständig ihren Blutdruck überwachen. Je nach sozialem Status, Bildung und Umfeld sei das nicht selbstverständlich.

Nach Zahlen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden in Deutschland pro Jahr fast 270 000 Menschen einen Schlaganfall. Im Schnitt sind die Patienten deutlich über 70 Jahre alt. Aber auch unter 30-Jährige sind zunehmend betroffen, wie Nabavi sagte. Überlebende bleiben oft stark eingeschränkt.

Ärzte unterscheiden je nach Ursache verschiedene Formen des Schlaganfalls. Sie sprechen vom "Hirninfarkt", wenn der Schlaganfall durch eine Mangeldurchblutung (Ischämie) des Gehirns hervorgerufen wurde, oder von einer "Hirnblutung", wenn der Schlaganfall durch Austritt von Blut in das Hirngewebe verursacht wurde.

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