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Nobelpreis für Literatur: Französin Annie Ernaux gewinnt - weiß aber wohl noch nichts davon

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Von: Fabian Müller

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Schriftstellerin Annie Ernaux
Die französische Schriftstellerin Annie Ernaux. © Horst Galuschka/dpa

Der Literaturnobelpreis 2022 geht an die französische Autorin Annie Ernaux. Das teilt die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm mit.

Stockholm - Annie Ernaux gewinnt den Nobelpreis für Literatur 2022. Das gab die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag bekannt. Die 82-Jährige werde für „den Mut und den klinischen Scharfblick“ geehrt, mit denen sie „die Wurzeln, Entfremdungen und kollektiven Beschränkungen des persönlichen Gedächtnisses bloßlegt“, teilte das Nobel-Komitee in Stockholm mit. Ihr literarisches Werk ist im Wesentlichen autobiografisch geprägt.

Man habe sie telefonisch noch nicht erreichen können, sagte der Ständige Sekretär der Akademie, Mats Malm, bei der Preisbekanntgabe. Der Nobelpreis für Literatur gilt als die prestigeträchtigste literarische Auszeichnung der Welt. Auf der sogenannten Longlist für den Preis standen in diesem Jahr 233 Kandidaten - welche Namen darunter sind, wird alljährlich streng geheim gehalten.

Annie Ernaux gewinnt Literaturnobelpreis 2022

Ernaux verbrachte ihre Kindheit in Yvetot, einer kleinen französischen Gemeinde in der Normandie. Sie wuchs nach eigenen Angaben in bescheidenen Verhältnissen auf, ihre Eltern waren Arbeiter, betrieben später ein kleines Ladengeschäft mit Café. Ernaux besuchte ein Lycée, eine weiterführende Schule, und studierte in Rouen und Bordeaux, bevor sie an mehreren Schulen als Lehrerin tätig war.

2022 gab die 82-Jährige ihr Debüt als Regisseurin. Bei den Filmfestspielen in Cannes stellte sie die autobiografische Dokumentation „The Super 8 Years“ vor. Ernaux gilt als eine der prägendsten Stimmen der französischen Gegenwartsliteratur. Zu ihren bekanntesten Werken zählt das 2008 erschienene „Les Années“, in Deutschland im Jahr 2017 unter dem Titel „Die Jahre“ veröffentlicht. Das Buch wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet. 2008 erhielt sie den Prix de la langue française für ihr Gesamtwerk.

Literaturnobelpreis 2022: Französin Anni Ernaux gewinnt renommierte Auszeichnung

Der Literaturnobelpreis geht wie die weiteren traditionellen Nobelpreise auf das Testament des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896) zurück. An dessen Todestag, dem 10. Dezember, werden die Preise in Stockholm und Oslo verliehen. Dotiert sind die Auszeichnungen in diesem Jahr erneut mit zehn Millionen schwedischen Kronen pro Kategorie. Umgerechnet entspricht das knapp 920.000 Euro.

Im vergangenen Jahr war der Literaturnobelpreis an den bis dahin relativ unbekannten tansanischen Schriftsteller Abdulrazak Gurnah gegangen. Er wurde „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“ geehrt. Im Jahr davor hatte die amerikanische Dichterin Louise Glück den Nobelpreis erhalten - auch sie galt vorab nicht als eine der zahlreichen Favoritinnen und Favoriten.

Bereits in der ersten Wochenhälfte waren die diesjährigen Nobelpreisträger in den Kategorien Medizin, Physik und Chemie verkündet worden. Deutsche Preisträger waren nicht darunter, wohl aber der Schwede Svante Pääbo, der in Leipzig arbeitet. Er erhält den Medizinnobelpreis für seine Erkenntnisse zur menschlichen Evolution. (fmü mit Material von AFP und dpa)

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