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9-Euro-Ticket endet bald: Deutliche Preiserhöhungen im ÖPNV geplant

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Von: Karolin Schäfer

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Für 9 Euro können Fahrgäste mit dem Regionalzug quer durch Deutschland reisen. Damit ist bald Schluss. Verkehrsbünde wollen künftig ihre Preise heben.

Berlin – In weniger als zwei Wochen ist die 9-Euro-Ticket-Aktion in Deutschland beendet. Drei Monate lang konnten Reisende für unschlagbare 9 Euro im Monat den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) nutzen – und das bundesweit. Ab September müssen Fahrgäste aber wieder den normalen Tarif zahlen.

Und damit nicht genug: Teilweise stehen dann auch schon wieder Preiserhöhungen an. Das zeigte das Ergebnis einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) unter großen Verkehrsverbünden. Bei einigen Verbünden wurden die Erhöhungen bereits beschlossen, in anderen Regionen stehen entsprechenden Gremiensitzungen noch aus.

9-Euro-Ticket endet: Fahrpreise im ÖPNV werden teurer

Das 9-Euro-Ticket sollte Pendlerinnen und Pendlern angesichts der steigenden Energiepreise entlasten und dazu bewegen, den öffentlichen Nahverkehr statt dem Auto zu nutzen. Die Nachfrage war riesig. So wurden etwa im NVV-Gebiet in Nordhessen bis Mitte Juli 150.000 Tickets verkauft.

Stimmen wurden laut, die vom Bund ein dauerhaftes 1-Euro-Ticket forderten. Ein Nachfolgeangebot gibt es aber vorerst nicht. Auch Verkehrsunternehmen sehen sich aufgrund der hohen Kosten für Strom und Diesel einer großen Belastung ausgesetzt. Das dürfte nun für die Preiserhöhungen sorgen.

Das gilt für das 9-Euro-Ticket
Ab wann und wie lange gilt das Ticket?Planmäßig verfügbar ab dem 1. Juni für drei Monate
Wo gilt das Ticket?Bundesweite Gültigkeit, keine regionale Einschränkung
Für wen gilt das Ticket?Keine Beschränkung auf Personengruppen, Abo-Inhaber erhalten eine Erstattung
Was kostet das Ticket?9 Euro pro Monat

9-Euro-Ticket endet bald: Hier wird es bald teurer

Zum Jahreswechsel sollen die Tarife im Raum Stuttgart demnach um durchschnittlich 4,9 Prozent steigen. „Aktuell stehen die Verkehrsunternehmen angesichts der galoppierenden Energiepreise vor großen finanziellen Problemen“, erklärte der Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart gegenüber der Nachrichtenagentur. Unabhängig von einem Nachfolger der 9-Euro-Aktion sei mehr Geld vom Bund nötig, um den Bestand zu erhalten und das Angebot auszubauen.

In und um Nürnberg werden es künftig 3 Prozent mehr sein. Im Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gab es bereits zum Juli einen Aufschlag von 3,9 Prozent. Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg orientiere sich nach dpa-Informationen an einem Index aus Kraftstoff-, Strom- und Verbraucherpreisen. „Der jeweilige Tarifindex wird in die Überlegungen einbezogen, dient aber nicht als ausschließliches Kriterium“, sagte ein Sprecher.

Fahrgäste warten im Bahnhof auf eine Regionalbahn. Zahlreiche Reisende haben das 9-Euro-Ticket deutschlandweit genutzt. Das sorgte vielerorts für volle Züge und Bahnhöfe.
Fahrgäste warten im Bahnhof auf eine Regionalbahn. Zahlreiche Reisende haben das 9-Euro-Ticket deutschlandweit genutzt. Das sorgte vielerorts für volle Züge und Bahnhöfe. © Stefan Sauer/dpa

Verkehrsverbünde für 9-Euro-Ticket offen: „Relativ kurzfristige Umsetzung wäre machbar“

Für eine Nachfolgeaktion des 9-Euro-Tickets seien viele Verkehrsverbünde offen. Dafür müssten gleichzeitig aber auch die Einnahmeverluste vom Bund erstattet werden. „Eine relativ kurzfristige Umsetzung wäre vertrieblich auf Basis der heutigen 9 Euro-Konstellation machbar“, so der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen.

Im Verbund Rhein-Neckar hingegen wird eine Neuauflage des vergünstigen Tickets abgelehnt. Mit dem 9-Euro-Ticket hätten besonders bisherige Gelegenheitskunden die Chance ergriffen, noch billiger und häufiger zu fahren, sagte Geschäftsführer Volkhard Malik. Der VRN will stattdessen seinen eigenen Tarif einfacher und flexibler gestalten.

Im Herbst sollen mögliche Pläne konkretisiert werden. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe will dann Vorschläge zur Zukunft und Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs vorlegen. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hat bereits ein dauerhaftes 69-Euro-Monatsticket vorgeschlagen, das bundesweit für den ÖPNV gelten soll. (kas/dpa)

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