Baby bei mutmaßlichem Anschlag in Jerusalem getötet

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Ein Baby stirbt, nachdem ein Mann mit seinem Auto in eine Straßenbahnhaltestelle in Jerusalem rast. Foto: Abir Sultan

Jerusalem (dpa) - Nach dem mutmaßlichen Anschlag eines Palästinensers in Jerusalem mit einer Toten und mehreren Verletzten will Israel noch härter gegen Randalierer vorgehen.

Hunderte von Polizisten, Grenzbeamten und Spezialeinheiten hätten in Jerusalem Stellung bezogen, teilte die israelische Polizei mit. Polizeichef Johanan Danino sprach sich für härtere Strafen für gewalttätige Demonstranten und sogar deren Familien aus. Zuvor hatte Regierungschef Benjamin Netanjahu mehr Polizeipräsenz in Jerusalem angeordnet. Dennoch gingen die Unruhen auch am Donnerstag weiter.

Ein junger Palästinenser hatte die neue Gewalt ausgelöst, als er am Mittwochabend mit seinem Auto an einer Straßenbahnhaltestelle wartende Passanten überfuhr. Ein Baby starb, mindestens sieben weitere Menschen wurden teils schwer verletzt. Der Autofahrer wurde niedergeschossen und starb im Krankenhaus an seinen Verletzungen.

Die Palästinensische Autonomiebehörde wies den Vorwurf Netanjahus zurück, sie habe Palästinenser zu Gewalt gegen Juden angestachelt. Schuld an der "explosiven Stimmung" seien vielmehr jüdische Angriffe auf heilige Stätten in Jerusalem und die Hetze gegen die palästinensische Führung, sagte ein Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas. In Silwan, dem Wohnort des Täters, sowie anderen Teilen Jerusalems kam es in der Nacht und am Donnerstag zu Krawallen palästinensischer Jugendlicher.

Israels rechtsgerichteter Wirtschaftsminister Naftali Bennett forderte als Antwort auf den Angriff eine Ausweitung des israelischen Siedlungsbaus in den besetzten Gebieten und eine Politik der harten Hand. "Was wir tun müssen, ist zu sagen: Wir bleiben hier und bauen in unserer Hauptstadt", sagte der Chef der Siedlerpartei.

Die im Gazastreifen herrschende radikal-islamische Hamas lobte die Tat des mutmaßlichen Attentäters. Ein Foto auf der Facebook-Seite des Mannes zeigt maskierte Kämpfer der Kassam-Brigaden, des bewaffneten Arms der Hamas. Der Täter hat zahlreiche Videos, die die Hamas verherrlichen, auf seiner Facebook-Seite verlinkt. Seine Mutter sagte, ihr Sohn sei mehrmals inhaftiert und wiederholt vom Geheimdienst verhört worden. Deshalb sei er in einem schwierigen psychologischen Zustand gewesen.

Deutschland und die USA verurteilten die Tat. "Wir sprechen den Angehörigen des getöteten Kindes unser tiefes Mitgefühl aus und wünschen den verletzten Opfern schnelle Genesung", schrieb das Auswärtige Amt in Berlin. Die Sprecherin des US-Außenministeriums, Jen Psaki, sprach von einem abscheulichen Anschlag.

Artikel der Jerusalem Post

Artikel bei Haaretz

Polizeisprecher Micky Rosenfeld bei Twitter

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