Merkel lässt sich nicht in Karten schauen

WM-Umfrage: Nur ein Regierungsvertreter plant Reise nach Russland

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Bitte alle recht freundlich: Nur die wenigsten Mitglieder des Bundeskabinetts scheinen eine Reise zur WM nach Russland zu erwägen.

Bei großen Fußballturnieren lassen sich deutsche Spitzenpolitiker gerne blicken. Auch in Russland? Bislang hat sich offenbar nur ein Regierungsvertreter zur Reise ins WM-Gastgeberland entschlossen.

Berlin - Von den Spitzenpolitikern in Deutschland hat bislang nur Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Pläne für eine Reise zur Fußball-Weltmeisterschaft nach Russland. Der für Sport zuständige Ressortchef wolle sich ein Spiel der deutschen Nationalmannschaft ansehen, "wenn es mein Terminkalender zulässt", sagte er der Bild am Sonntag.

Seehofer regte an, sich ungeachtet aller politischen Probleme nun auf den Sport zu konzentrieren: Es sei "müßig, jetzt noch darüber zu diskutieren, ob die WM-Vergabe nach Russland richtig war", sagte er der Zeitung. "Die WM findet statt, und Millionen von Fußball-Fans freuen sich darauf."

Schäuble will nicht nach Russland reisen

Eine klare Absage erteilte dagegen Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) auf Anfrage der Zeitung. Bislang keine Reisepläne haben außerdem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Außenminister Heiko Maas (SPD) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD), wie deren Sprecher der Bild am Sonntag mitteilten.

Offen ist dem Bericht zufolge die Planung bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Eine Sprecherin sagte der Zeitung auf Anfrage, über Reisepläne der Kanzlerin werde wie üblich in der Woche davor informiert: "So halten wir es auch in diesem Fall."

Mehrheit der Deutschen für Russlandreisen der deutschen Politiker

Die Bild am Sonntag veröffentlichte das Ergebnis einer Emnid-Umfrage, derzufolge 62 Prozent der Befragten dafür sind, dass deutsche Spitzenpolitiker zu der WM nach Russland fahren. 30 Prozent sprachen sich dagegen aus.

Vertreter von Grünen und FDP mahnten Regierungsmitglieder zu Distanz. "Es muss darauf geachtet werden, dass autoritäre Regime das Turnier nicht für Propaganda in eigener Sache nutzen", erklärte FDP-Chef Christian Lindner gegenüber der Zeitung.

Grüne fordern Hinweise auf Missstände

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock sagte, deutsche Regierungsvertreter sollten vor Ort "die Missstände klar ansprechen".

Die Linken-Vorsitzende Katja Kipping befürwortete WM-Reisen von Politikern: "Auch Regierungsmitglieder dürfen Fußballfans sein." Ähnlich äußerte sich AfD-Chef Alexander Gauland: "Die Vertreter der Bundesregierung sollten natürlich unsere Fußballer dort durch ihre Präsenz unterstützen."

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afp

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