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Wasser sparen, Strom erzeugen: Pilotprojekt von US-Staat im Kampf gegen Energiekrise

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Von: Patrick Freiwah

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Ausgetrocknetes Flussbett nahe der kalifornischen Metropole Los Angeles (Symbolbild)
Ausgetrocknetes Flussbett nahe der kalifornischen Metropole Los Angeles (Symbolbild). © IMAGO/Cavan Images

Kalifornien kämpft mit einem Pilotprojekt gegen Dürre und Wassermangel. Die Methode soll Flüsse vor dem Austrocknen schützen - und Solarenergie ins Stromnetz speisen.

Los Angeles/München - 2021 stellte die Wissenschaftlerin Brandi McKuin eine Forschungsarbeit vor, deren Inhalt beeindruckend erscheint: Darin schildert die US-Amerikanerin das Vorhaben, mit einem Solardach Energie zu erzeugen, im gleichen Zuge jedoch Flussbetten vor dem Austrocknen zu bewahren und so den Verlust von Wasser zu verhindern.

Der von Dürre und Trockenheit strapazierte US-Staat Kalifornien setzt diese Theorie nun in die Praxis um und prüft anhand eines Pilotprojekts die Realisierung. Schließlich könnten dabei gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: Zum einen könne es sich um eine wirkungsvolle Maßnahme gegen Wasserknappheit handeln, zudem verspreche die Methode Erfolg hinsichtlich erneuerbarer Energien, was demzufolge auch in Deutschland an Bedeutung gewinnen könnte.

Kalifornien: Dürre besonders ausgeprägt - Solarprojekt soll Wasser schützen

Denn angesichts der Ukraine-Krise sind auch die USA in eine Energiekrise gerutscht und von steigenden Preisen getroffen. Zudem haben die Vereinigten Staaten in zahlreichen Regionen mit sinkenden Pegelständen zu kämpfen, welche die Verfügbarkeit von Wasser massiv beeinträchtigen:

Nun könnte das Solarprojekt „Nexus“ die Wende einleiten: Im Bewässerungsbezirk Turlock (TID) werden ab Oktober 2022 testweise Solarplatten über mehrere Abschnitte eines Kanals quasi als Dach installiert, um Wasser vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. Beendet sein sollen die Baumaßnahmen im kommenden Jahr.

Die Erwartung: Die aufwändige Konstruktion verhindert, dass das Wasser verdampft, während die darauf integrierten Paneele die Sonnenenergie nutzen, um Strom zu erzeugen. Der Staat Kalifornien lässt sich das Projekt etwa 20 Millionen US-Dollar kosten, insgesamt sollen die Sonnenkollektoren über eine Strecke von 2,6 Kilometern zum Einsatz kommen.

Kalifornien testet Solarplatten über Wasser - mit wertvollen Effekten

Sollte sich das Vorhaben als hilfreich erweisen, könnten weitere Wasserwege des vom Klimawandel strapazierten Sonnenstaates überdacht werden: Laut der Studie, die von dem Solarunternehmen Solar AquaGrid angestoßen wurde, könne das Abdecken aller auf etwa 6500 Kilometer geschätzten, oberirdischen Wasserwege in Kalifornien jährlich rund 286 Milliarden Liter Wasser sparen, das ungeschützt einfach verdunsten würde. Gleichzeitig könnten 13 Gigawatt an Solarenergie gewonnen werden.

Jedoch handelt es sich bei dem Projekt „Nexus“ um eine Adaption aus Indien: Im dortigen Bundesstaat Gujarat wurde etwa 2010 ein Solar Park fertiggestellt, zu dieser Zeit Asiens größter Solarpark, bei dem Sonnenkollektoren über den Narmada-Kanal nahe der Metropole Ahmedabad installiert wurden. Die Motivation: grünen Strom produzieren und gleichzeitig das Wasser vor der Verdunstung schützen. Auch hierzulande, zum Beispiel in Bayern, wird derzeit ein Solarpark nach dem anderen gebaut.

Dürre und Trockenheit: Solarplatten über Gewässer als ultimative Lösung?

Ein weiterer Vorteil eines derartigen Solarprojekts über Wasser ist übrigens, dass die Paneele keinen Platz auf den oftmals knappen Landflächen benötigen, dazu seien sie aufgrund der kühleren Unterfläche effektiver. Für das Wasser selbst verspreche die Maßnahme ebenfalls bessere Bedingungen - das Wachstum von Wasserunkraut und Algen werde reduziert, das verringere die Instandhaltungskosten des Kanals.

Solarprojekt „Nexus“ in der Visualisierung: Effektiv für Wasserschutz und erneuerbare Energien?
Solarprojekt „Nexus“ in der Visualisierung: Effektiv für Wasserschutz und erneuerbare Energien?. © Solar AquaGrid

Zunächst wird das Projekt im kleinen Rahmen umgesetzt. Wenn der Versuch gelingt, könnte das Solarprojekt auch an weiteren Standorten eingesetzt werden - und könnte mittelfristig auch in Europa Gewässer vor dem Austrocknen schützen. In Deutschland scheint hier jedoch eine Verringerung der Bürokratie bezüglich Solaranlagen notwendig. Über eine verwandte Idee aus der Schweiz berichteten wir vergangenes Jahr: Ähnlich wie Fischfarmen könnten Solarinseln im Ozean platziert werden - und aus CO2 Treibstoff generieren. (PF)

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