Für jedes Verhalten den richtigen Knigge:

Alltags-, Business- und Auslands-Knigge im Vergleich

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Ein wahrer Gentleman: Angemessenes Benehmen lernen schon die Kinder, oft genug mit dem Knigge als Referenz.

Er gilt als Urvater des Anstandes, der Höflichkeit und der Etikette: Adolph Franz Ludwig Freiherr von Knigge.

Sein Name ziert unzählige Bücher, die den Menschen für jede Lebenslage den passenden Rat vermitteln möchten – Zeit für einen Überblick über Knigges Absichten und die Relevanz der Umgangsformen im 21. Jahrhundert.

Bloß nicht blamieren?

Business-Knigge, Auslands-Knigge, Tisch-Knigge, Islam-Knigge, Stau-Knigge, Email-Knigge – heutzutage gibt es für fast jeden Bereich des Lebens (teilweise skurrile) Benimmregeln. Dadurch soll Fehlverhalten vermieden und das Miteinander insgesamt angenehmer gestaltet werden. Das Einhalten von Manieren und Etikette wird daher gewissermaßen als Schutz vor Peinlichkeiten angepriesen.

Als Adolph Franz Friedrich Ludwig Freiherr von Knigge im Jahr 1788 sein Buch „Über den Umgang mit Menschen“ veröffentlichte, war seine Intention eine etwas andere. Ihm ging es zwar auch um das respektvolle Miteinander, vor allem von Bürgern und Adel. Ganz im Sinne der Aufklärung, zu deren Vertretern er zu zählen ist, sollte sein Werk aber in erster Linie ein Leitfaden für die zahlreichen Fürstenhöfe seiner Zeit sein – und das nicht im Sinne einer Lehre, sondern zur Stärkung des bürgerlichen Selbstbewusstseins im Angesicht der höfischen Etikette. Standen zu Knigges Lebzeiten noch Höflichkeit, Respekt, selbstbewusstes Auftreten und das konfliktfreie Miteinander im Zentrum, so erhielt das Ursprungswerk nach dem Tod des Freiherrn in zunehmendem Maße Ergänzungen, die immer weiter über die Kernaussagen hinausgingen.

Vom Aufklärer zum Benimm-Papst

In mehr als zwei Jahrhunderten ist daher eine entsprechende Themenvielfalt für Benimm-Ratgeber entstanden. Die zeigen vor allem den Wunsch vieler Menschen nach Handlungshilfen, vor allem im Alltag, im Beruf und bei Auslandsreisen.

Alltags-Knigge:

Höfliche Umgangsformen gehören schon zur Kindererziehung: Danke sagen, grüßen oder Älteren niemals Widerworte geben, das hinterlässt immer einen positiven Eindruck. Das ist besonders bei einem ersten Aufeinandertreffen wichtig, wo die Begrüßung, das Einhalten von Distanzzonen und die korrekte Körpersprache in kurzer Zeit über die Einschätzung des Gegenübers entscheiden.

  • Unter einander bekannten Personen ist eine ungezwungene Begrüßung üblich, gegenüber Fremden kann ein „Hallo“ jedoch als unhöflich und respektlos empfunden werden. Ein förmlicheres „Guten Tag“ eignet sich besser, Doppelnamen sollten dabei genauso genannt und akademische Titel vorangestellt werden.
  • Körperliche Nähe ist ebenfalls ein kritischer Faktor, vor allem dann, wenn Intim- und Distanzzonen während des Gesprächs nicht eingehalten werden. Dabei hat der US-Anthropologe Edward T. Hall diese schon 1963 vermessen und in vier Bereiche eingeteilt:
  1. Die öffentliche Zone – so lange die Distanz eingehalten wird, fühlt man sich entspannt. Sie umfasst einen Umkreis von mehr als 3,60 Meter Abstand.
  2. Die soziale Zone – sie bestimmt den Abstand zwischen Fremden. Als Maß hierfür gilt die Armlänge.
  3. Die persönliche Zone – Interaktionen zwischen Arbeitskollegen, Verkäufern oder Bekannten sind in einem Abstand von einem Meter möglich, ohne dass sich Betroffene eingeengt fühlen.
  4. Die intime Zone – nur Familienmitglieder, enge Freunde oder Partner dürfen sich bis zu 60 Zentimetern nähern.

Höflichkeit als schmaler Grat: Schon kleine Gesten wie die Hand in der Hosentasche zur Begrüßung können einen guten ersten Eindruck nachhaltig trüben

Körpersprache als nonverbales Kommunikationsmittel kann viel aussagen – im ungünstigsten Fall auch mal zu viel. Das Gestikulieren sollte daher mit Bedacht eingesetzt werden, da verschiedene Gesten je nach Art anstößig oder abweisend auf andere wirken können. Langsame oder nicht allzu ausladende Bewegungen drücken Souveränität aus, während verschränkte Arme darauf hinweisen, dass jemand desinteressiert ist.

Business-Knigge:

Fleiß und Fachwissen sind im Job zwar wichtig, führen alleine jedoch nicht zum beruflichen Erfolg. Wer adäquate Umgangsformen im Beruf pflegt, vermittelt einen positiven Eindruck und steigert nebenbei möglicherweise noch seine Karrierechancen.

  • Immer höflich bleiben. Das ist sicher nicht immer leicht, für den Umgang mit den Kollegen aber unerlässlich. Auch Stresssituationen sollten deshalb nicht zu grobem Verhalten gegenüber den Mitstreitern führen. Stattdessen sind Souveränität und Höflichkeit gefragt
  • Unpünktlichkeit ist eine Todsünde. Tatsächlich empfiehlt es sich sogar, schon zehn Minuten vor Beginn des Meetings da zu sein, dadurch entgeht man der Gefahr eines allzu gehetzten Auftritts. Besucht ein Geschäftspartner zum ersten Mal die Firma, ist es am besten, ihn am Empfang abzuholen und in den entsprechenden Raum zu begleiten.
  • Kollegen nicht vor anderen kritisieren. Konstruktive Kritik gehört zu jedem Job, denn sie sorgt für Verbesserungen. Öffentliches Kritisieren vor den Arbeitskollegen ist jedoch immer unangemessen. Besser ist ein sachliches Gespräch unter vier Augen.
  • Du oder Sie? Generell gilt: Der Älteste oder Ranghöhere bietet dem Jüngeren das „Du“ an. In Unternehmen mit flachen Hierarchien duzen sich Vorgesetzte und Angestellte schneller als in großen, traditionsreichen Firmen. Wer in einem Unternehmen neu anfängt, sollte in jedem Fall warten, bis das „Du“ angeboten wird. Das zeugt von Höflichkeit und Zurückhaltung.

Auslands-Knigge:

Die Globalisierung hat auch auf die Begrüßungsformen Einfluss und bestimmte Gesten wie der Händedruck sind fast überall üblich. Andererseits gibt es in puncto Höflichkeit immer noch viele landesspezifische Eigenheiten zu beachten. Das gilt nicht nur für die „exotischeren“ Länder, sondern genauso für die europäischen Nachbarn.

  • Frankreich - In Frankreich gehört es zum gängigen Ton an ein „Bonjour“ oder „Bonsoir“ ein Madame, Mademoiselle oder Monsieur dranzuhängen. Zwar ist es in Deutschland mittlerweile untypisch „Guten Tag, der Herr/die Dame“ zu sagen, aber ohne diese Anreden wirkt der Gruß bei den französischen Nachbarn kurzangebunden und demnach unhöflich.
  • Großbritannien - Waliser und Schotten sind keine Engländer und möchten keinesfalls zu bezeichnet werden. Sichere Varianten sind deshalb „Britain“ oder „British“.
  • Griechenland - Auch Gesten bergen manchmal ungeahntes Konfliktpotenzial: Was allgemeinhin als Peace-Zeichen bekannt ist, bedeutet den Griechen ein überaus unhöfliches „Fahr zur Hölle“.
  • Italien - Hier zu Lande werden Spaghetti mit Gabel und Löffel gegessen. In „Bella Italia“ verzichtet man indes darauf, genauso wie auf Parmesan. Das gilt als Beleidigung für den Koch.

Fazit

Ein Knigge-Berater für verschiedene Lebenslagen kann durchaus sinnvoll sein. Vor allem, wenn sich jemand in bestimmten Situationen oder im Umgang mit anderen Menschen unsicher ist. Schließlich geht es nicht mehr nur um gutes Benehmen alleine. Sie können, gerade in fremden Kulturen oder im Berufsleben, helfen neue Lösungsansätze zu finden oder Konflikte zu vermeiden.

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