Vier Streitpunkte

Jamaika-Sondierungen vor Nacht der Entscheidung

Auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen Teilnehmer an den Sondierungsgesprächen warten noch schwierige Verhandlungen. Foto: Kay Nietfeld
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Auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen Teilnehmer an den Sondierungsgesprächen warten noch schwierige Verhandlungen. Foto: Kay Nietfeld
FDP-Vize Wolfgang Kubicki geht zu den abendlichen Sondierungsgesprächen. Foto: Silas Stein
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FDP-Vize Wolfgang Kubicki geht zu den abendlichen Sondierungsgesprächen. Foto: Silas Stein
Die Sondierungs-Teilnehmer verhandeln in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin. Foto: Kay Nietfeld
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Die Sondierungs-Teilnehmer verhandeln in der Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin. Foto: Kay Nietfeld
Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann: "So geht es mal nicht weiter." Foto: Silas Stein
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Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann: "So geht es mal nicht weiter." Foto: Silas Stein
Alexander Dobrindt hat sich in den Gesprächen wegen vermeintlicher "Stänkereien" den Zorn der Grünen zugezogen. Foto: Silas Stein
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Alexander Dobrindt hat sich in den Gesprächen wegen vermeintlicher "Stänkereien" den Zorn der Grünen zugezogen. Foto: Silas Stein
Das Verhandlungsduo der Grünen: die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und Parteichef Cem Özdemir. Foto: Silas Stein
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Das Verhandlungsduo der Grünen: die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und Parteichef Cem Özdemir. Foto: Silas Stein
Die Dienstwagen der an den Sondierungsgesprächen teilnehmenden Minister und der Bundeskanzlerin stehen vor dem Reichstag in Berlin. Foto: Kay Nietfeld
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Die Dienstwagen der an den Sondierungsgesprächen teilnehmenden Minister und der Bundeskanzlerin stehen vor dem Reichstag in Berlin. Foto: Kay Nietfeld
Hell ist die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft in Berlin erleuchtet. Hier finden die Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen statt. Foto: Kay Nietfeld
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Hell ist die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft in Berlin erleuchtet. Hier finden die Sondierungsgespräche zwischen CDU, CSU, FDP und Bündnis 90/Die Grünen statt. Foto: Kay Nietfeld

Nun müssen sich alle am Riemen reißen: Wenn Jamaika gelingen soll, dann müssen CDU, CSU, FDP und Grüne in den nächsten 24 Stunden alle Probleme abräumen. Und das sind noch viele.

Berlin (dpa) - Mit einem Bündel strittiger Punkte gehen CDU, CSU, FDP und Grüne in die entscheidende Phase ihrer vor rund vier Wochen begonnenen Sondierungen für eine Jamaika-Koalition.

Eine Einigung soll in einer Nacht der Entscheidung bis zum Freitagmorgen gelingen. Streit gibt es noch um zentrale Punkte wie den Familiennachzug von Flüchtlingen, die Reduzierung der Kohleverstromung zum Klimaschutz, die Verkehrs- sowie die Finanzpolitik. Auch ein Scheitern der Verhandlungen ist nicht völlig ausgeschlossen. Vor allem CSU und Grüne werfen sich gegenseitig in zum Teil bissiger Form vor, nicht genügend kompromissbereit zu sein.

Schwierig sind die Verhandlungen auch, weil die Wünsche der vier potenziellen Partner deutlich mehr kosten als Geld in der Kasse ist. Die Unterhändler von CDU, CSU, FDP und Grünen gehen inzwischen von einem Finanzspielraum für die kommenden vier Jahre von 35 bis 40 Milliarden Euro aus. Wie Grünen-Politiker Jürgen Trittin am Mittwochabend in Berlin nach den Beratungen zu den Finanzen sagte, habe der geschäftsführende Finanzminister Peter Altmaier (CDU) wie erwartet "noch ein paar Milliarden gefunden".

Je nach Berechnung - etwa durch Einbeziehung von Umschichtungen im mittelfristigen Finanzplan oder durch Privatisierungen - könnten auch bis zu 45 Milliarden Euro möglich werden. Von anderen Teilnehmern der Beratungen hieß es, man habe lediglich über verschiedene Szenarien geredet, eine feste Zahl sei nicht genannt worden.

Die FDP beharrt auf der Abschaffung des Solidaritätszuschlages in dieser Wahlperiode. "Für die Freien Demokraten ist eine Entlastung der Bürger durch die Abschaffung des Soli unerlässlich", sagte FDP-Generalsekretärin Nicola Beer der Deutschen Presse-Agentur. Sie fügte hinzu: Das gelte auch für "mehr Ordnung bei der Zuwanderung durch ein Einwanderungsgesetz, weltbeste Bildung durch eine Reform des Bildungsföderalismus und eine Balance zwischen Sicherheit und bürgerlichen Freiheitsrechten". "Die nächsten 24 Stunden werden zeigen, ob es in diesem Sinne ein inhaltliches Fundament für eine Jamaika-Koalition gibt."

FDP-Vize Wolfgang Kubicki zeigte sich nach Abschluss der Beratungen am späten Mittwochabend skeptisch: "Ich würde sagen, es zieht gerade ein Hurrikan auf über Jamaika." Das habe auch mit dem Klima zu tun. Auf die Frage, ob die Sondierungen in der Schlussrunde erfolgreich sein werden, sagte Kubicki: "Die Frage kann ich nicht beantworten." Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sagte: "Der Hurrikan kommt halt daher, dass sich beim Klima so wenig tut." Die Grünen-Politikerin Claudia Roth kritisierte die wiederholten Attacken der CSU: Die Art und weise, wie die CSU versuche, die Grünen zu provozieren, "trägt nicht zur Vertrauensbildung bei".

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer sprach von einer "harten Nummer" in der letzten Verhandlungsnacht. "So groß weiter ist man heute noch nicht gekommen - da muss morgen schon ein ziemliche Sprung nach vorne kommen." Migration, Steuern, Finanzen, Haushalt, Verkehr, Klima, und Energie - "das werden die harten Klopper bleiben".

CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn betonte, es sei so wichtig wie mühsam, Kompromisse zu finden, die über die kommenden vier Jahre tragen. "Alles andere wäre Traumtänzerei", sagte er der "Passauer Neuen Presse" (Donnerstag). "Es wird keine Koalition um jeden Preis geben. Alle Partner müssen sich mit ihren Themen und Inhalten wiederfinden. Ich bin optimistisch, dass das gehen kann."

Unionsfraktionschef Volker Kauder appellierte nochmals an die Unterhändler: "Kompromissbereitschaft ist gefragt, ohne den anderen zu überfordern." Jede Partei habe ihre besonderen Schwerpunkte, sagte der CDU-Politiker der "Rheinischen Post" (Donnerstag). Die Gespräche würden sehr schwierig. "Dennoch bin ich zuversichtlich, dass wir am Ende zu einem positiven Ergebnis kommen."

Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl rief FDP und Grüne auf, sach- und zielorientiert zu arbeiten. "Jetzt muss auf jeden Fall mancher Bohei um die Sondierungen ein Ende haben", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Saarlands Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sprach sich gegen eine Verlängerung der Sondierungen aus, wenn eine Einigung bis zum Freitag nicht gelingen sollte. "Wenn man nach drei Wochen Verhandlungen nicht sagen kann, dass man ein stabiles Regierungsbündnis miteinander eingehen kann, dann helfen auch drei weitere Tage nicht weiter", sagte sie der "Rheinischen Post".

"Wir schaffen das" - oder?

Jamaika: Die größten Hürden für die Nacht der Entscheidung

Geht es um den Endspurt bei den Jamaika-Sondierungen, ist mitunter von einer "Nacht der langen Messer" die Rede. Ein gewagtes Bild - denn in Deutschland erinnert es vor allem an eine 1934 von Adolf Hitler in Auftrag gegebene Mordserie, der SA-Stabschef Ernst Röhm und andere mögliche Rivalen oder politische Gegner zum Opfer fielen. Hintergrund war der schwelende Machtkampf zwischen SA (Sturmabteilung) und Reichswehr, die Röhm seiner Kampftruppe unterordnen wollte. Er war Hitlers letzter innenpolitischer Gegner.

Hitler ließ Gerüchte über einen angeblich bevorstehenden Putsch der SA und die längst bekannte Homosexualität Röhms streuen und am 30. Juni 1934 unter anderem die gesamte Führung der SA umbringen. Die Mordaktion wurde nachträglich als Staatsnotstand gerechtfertigt. Nach Schätzungen starben in der "Nacht der langen Messer" bis zu tausend Menschen.

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