Fehler in der Erziehung

Hunde: Mit scheinbar harmlosen Verhalten zerstören Halter die Psyche ihres Haustiers

Hunde tun alles, um ihrem Besitzer zu gefallen. Eine Studie zur Erziehung zeigt nun, was Menschen ihrem Haustier mit einem vermeintlich harmlosen Verhalten antun.

  • Hunde gehören zu den empfindsamsten Haustieren der Welt und wollen ihrem Besitzer Freude machen
  • Eine Studie zeigt nun, welche dramatischen Folgen es hat, wenn Hundehalter ihr Tier anschreien
  • Forscher fanden heraus, dass sich falsche Erziehung lebenslang auf die Psyche der Hunde auswirkt

Wiesbaden - Hunde sind seit Tausenden Jahren treue Begleiter des Menschen. Deshalb reagieren sie sensibel auf menschliche Gefühle. Zahlreiche Studien zeigen, dass Hunde (Zahlen und Statistiken zu Hunden in Deutschland*) Mitgefühl empfinden und die Emotionen ihrer Besitzer verstehen.

Hunde wollen ihren Besitzern gefallen. Das liegt in ihrer Natur als Rudeltiere. Umso verheerender ist es deshalb, wenn Besitzer ihre Hunde anschreien und ihnen Angst machen - eine immer noch weit verbreitete Strategie in der Hunde-Erziehung. Die herzzerreißenden Folgen eines solchen Verhaltens von Hundebesitzern zeigt nun eine Studie portugiesischer Forscher.

Hunde leiden darunter, wenn Besitzer sie anschreien: Diese Folgen hat Erziehung durch Bestrafung

Hunde zeigen im Versuch die dramatischen Folgen von Erziehung durch Bestrafung

Die Wissenschaftler untersuchten in einem mehrwöchigen Experiment die Auswirkungen verschiedener Erziehungsmethoden auf die Psyche der Hunde: Bei der einen Gruppe der Hunde (Hunde: Die teuersten Rassen der Welt*) testeten sie positive Bestärkung. 

Die andere Gruppe wurde mit Bestrafung trainiert, etwa durch Anschreien oder an der Leine ziehen. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Begleithunde, die mit auf Bestrafung basierenden Methoden trainiert werden, ein verringertes Wohlergehen haben“, schreiben die Forscher. Solches Verhalten zeigen nicht nur Tierquäler wie etwa jene Besitzer, die kürzlich ihren behinderten Hund zwei Mal verstoßen haben*. Auch Hundebesitzer, die es eigentlich gut meinen, setzen Bestrafung ein - ohne zu ahnen, was sie ihrem Hund damit antun.

Die Hunde in der portugiesischen Studie durchliefen drei Trainingseinheiten, bei denen die Forscher sie filmten. Außerdem nahmen die Wissenschaftler nach dem Training Speichel-Proben der Tiere, um sie auf das Stresshormon Cortisol zu untersuchen. Neben den beiden Gruppen „positive Bestärkung“ und „Bestrafung“ gab es eine Kontrollgruppe: Hunde, die zuhause entspannten. Auch bei ihnen wurden die Werte zum Vergleich gemessen.

Hunde jaulen und senden alarmierende Signale im Training

Die Ergebnisse der Forscher sind dramatisch: Hunde, die mit Bestrafung trainiert wurden, zeigten alarmierende Zeichen von psychischer Belastung und Stress: Sie leckten wiederholt ihre Lippen, gähnten ständig und hoben immer wieder einePfote an - das sind Beschwichtigungssignale, mit denen sie andere Hunde oder ihre Besitzer im Konfliktfall beruhigen wollen. Außerdem jaulten die Hunde verstärkt.

Wie Besitzer am besten mit Hunden umgehen, die Angst haben, erklärt hier eine Hundetrainerin:

Die Speichel-Proben bei den Hunden aus der Bestrafungsgruppe zeigten stark erhöhte Werte des Stress-Hormons Cortisol an. WennBesitzer ihre Hunde anschreien, hat das also auch Folgen auf den Körper - die Gesundheit der Tiere wird auf lange Sicht beeinträchtigt. Cortisol belastet die Nieren, die Immunabwehr und das Herz-Kreislauf-System. Wie aggressives Training auf Hunde wirkt, zeigen auch die Probleme der Kampfhunde in Deutschland*.

Hunde leiden langfristig unter einer Erziehung mit Bestrafung durch Besitzer

Die Forscher untersuchten auch die langfristigen Folgen der Bestrafungsmethode auf Hunde. Mehrere Wochen nach den drei getesteten Trainingseinheiten führten sie einen weiteres Versuch durch. Diesmal sollten Optimismus und Pessimismus der Hunde geprüft werden. Optimistischere Hunde leben ein glücklicheres Leben und überraschen ihre Besitzer immer wieder durch intelligente Aktionen - wie etwa der Hund, der nachts heimlich auf einem Pony reitet.

Bei dem Versuch stellten die Forscher stets eine Schüssel mit Leckerlis auf eine Seite des Raumes, eine Schüssel ohne Leckerlis auf die andere Seite. Beide Schüsseln wurden mit dem Geruch der Leckerlis eingerieben, damit die Hunde die richtige Schüssel nicht durch ihre Nase aufspüren konnten. Irgendwann lernten die Hunde, dass in der einen Schüssel immer Leckereien enthalten waren, in der anderen nie. 

Hund, die vom Besitzer angeschrien werden, gehen pessimistischer durchs Leben

Nun stellten die Forscher die beiden Schüsseln an neuen Orten auf und beobachteten, wie schnell sich die Hunde näherten. Wenn die Hunde schnell auf die Schüssel zugingen, waren sie optimistisch, darin ein Leckerli zu finden. Näherten sie sich langsam, waren sie pessimistisch gestimmt.

Die Ergebnisse des Experiments waren erschütternd: Hunde, die Wochen zuvor im Training angeschrien und bestraft wurden, zeigten mehr Pessismismus als die Hunde, die mit positiver Bestärkung trainiert wurden. Die Art des Training scheint sich also darauf auszuwirken, wie optimistisch Hunde durchs Leben gehen. Es ist kaum ein Tier so empfindsam wie der Hund - viele tödliche Angriffe von Hunden in Deutschland ließen sich durch richtiges Verhalten der Besitzer verhindern.

Hunde: Fazit der Forscher zu Bestrafung in der Erziehung sollte nachdenklich machen

Das Fazit der Forscher fällt eindeutig aus: „Hunde aus der Bestrafungsgruppe zeigten während des Trainings mehr mit Stress verbundenes Verhalten, befanden sich länger in angespanntem Zustand und hechelten mehr. Außerdem hatten sie erhöhte Cortisol-Werte und waren pessimistischer.“ 

Bevor Besitzer ihre Hunde das nächste Mal anschreien, sollten sie die schwerwiegenden Folgen bedenken, die das auf die Tiere haben kann. Denn sie beeinflussen damit nicht nur, wie gesund ihre Hunde sind, sondern auch wie glücklich.

Wer den Vierbeiner bei etwas verbotenem erwischt, erntet eine schuldbewusste Miene. In Wahrheit steckt aber etwas ganz anderes hinter der Miene des Hundes*.

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Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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