Britisches Parlament 

Fuchsjagdverbot soll aufgeweicht werden

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Seit vor gut zehn Jahren das Verbot der Fuchsjagd mit Hunden in Kraft trat, dürfen Jäger in England und Wales nur noch zwei Hunde zum Aufscheuchen einsetzen.

London - Seit Tagen schlägt eine vorgeschlagene Aufweichung des Fuchsjagdverbots in Großbritannien Wellen - nun ist die für Mittwoch vorgesehene Abstimmung kurzfristig abgesagt worden.

Reiter in roten Jacketts und weißen Hosen, umgeben von einem fröhlichen Hunderudel: Bilder von britischen Fuchsjägern wirken etwas aus der Zeit gefallen, aber irgendwie romantisch. Sie stehen im krassen Gegensatz zu Fotos von halb zu Tode gehetzten, von aggressiven Hunden zerbissenen Füchsen, die dem wohl umstrittensten Sport Großbritanniens zum Opfer gefallen sind.

Die Fuchsjagd mit Hunden ist in ihrer herkömmlichen Form eigentlich seit mehr als einem Jahrzehnt verboten. Vom Tisch war das Thema nie, die vielen Schlupflöcher erzürnen seitdem Tierschützer. Derzeit schlagen die Wellen wieder besonders hoch. Ex-Beatle Paul McCartney hat sich eingemischt, seine Tochter Stella McCartney, der Sänger Morrissey und die Verhaltensforscherin Jane Goodall. Sie sind sich einig: Die Fuchsjagd ist ein „ekelhafter Blutsport“.

Darum geht es

Vor gut zehn Jahren trat in England und Wales ein Jagdgesetz in Kraft, das verbietet, die Tiere mit Hunden zu jagen. Es gab ein politisches Erdbeben. Demonstranten stürmten das Parlament, 400 000 Menschen protestierten in London, aufgebrachte Fuchsjagdfreunde nannten das Gesetz eine „Kriegserklärung“ an jahrhundertealte ländliche Traditionen. In Deutschland ist diese Form der Jagd seit den 1930ern verboten.

Nun hat die Regierung einen Teil des Gesetzes zur Debatte gestellt - und schon vor einer geplanten Abstimmung eine Schlappe hinnehmen müssen. Statt wie bisher nur zwei Hunde sollte wieder ein ganzes Rudel die Füchse aufstöbern dürfen. Das Totbeißen der Füchse wäre verboten geblieben. Es klang wie eine Kleinigkeit, zumal die Regeln damit denen in Schottland angepasst worden wären.

Für den Vorschlag warb unter anderem die Countryside Alliance, ein Land-Verband mit etwa 100 000 Mitgliedern. Die Änderung bedeute, dass Bauern wählen könnten, „wie sie die Fuchspopulation auf die effektivste und humanste Art verwalten“, sagte deren Direktor Barney White-Spunner. Mehrere Hunde seien effektiver als zwei.

Abstimmung kurzfristig abgesagt

Tierschützer fürchteten mit der für Mittwoch geplanten Abstimmung im Unterhaus die Wiedereinführung der alten Jagdmethode durch die Hintertür. Das „wichtige Gesetz“ würde „zahnlos“, steht in einem offenen Brief, den viele Promis unterschrieben haben. „Die Regierung versucht, das Jagen über eine List wieder einzuführen“, befürchtete Tom Quinn vom Verein gegen grausame Sportarten.

Daraus wird erst mal nichts: Die Abstimmung wurde am Dienstag kurzfristig abgesagt. Weil die Abgeordneten der schottischen Nationalpartei (SNP) dagegen stimmen wollten, hätte der Vorschlag praktisch keine Chance gehabt. Normalerweise halten die Schotten sich heraus, wenn es um Gesetze geht, die sie gar nicht betreffen. Mit ihrer Entscheidung zeigen die SNP-Abgeordneten ihre politische Stärke.

Es ist eine Niederlage für Premierminister David Cameron, der das Jagdverbot ablehnt. „Ich war immer ein entschiedener Unterstützer von ländlichen Sportarten“, schrieb er vor der Parlamentswahl im Frühjahr im Magazin der Countryside Alliance. „Es ist meine feste Überzeugung, dass Menschen die Freiheit haben sollten, zu jagen, deswegen teile ich den Frust vieler Menschen über das Jagdgesetz.“

Es ist eine Klassenfrage

Sprengstoff liegt in der Debatte, weil viele das Thema Fuchsjagd für eine Klassenfrage halten. „Es geht um Dandys, um Menschen, die sich für Dandys halten oder armselige Typen, die nach der Gesellschaft von Dandys lechzen“, schreibt etwa „Observer“-Kolumnistin Barbara Ellen. Sie sei selbst auf dem Land aufgewachsen, und dort sei niemand für die Jagd gewesen.

Studien und Umfragen, die ihre Sicht der Dinge belegen, haben beide Seiten vorzuweisen. Einer YouGov-Umfrage vom Januar zufolge sind 51 Prozent der Briten für das Verbot der Jagd mit Hunden, 33 Prozent dagegen. Auf dem Land ist die Mehrheit demnach knapper, aber mit 49 zu 39 Prozent trotzdem halbwegs deutlich. Eine Umfrage des Instituts ComRes im Auftrag der BBC kam zu einem deutlicheren Ergebnis: Demnach sind sogar drei Viertel der erwachsenen Briten dafür, das Verbot der Fuchsjagd mit Hunden beizubehalten.

dpa

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