Mann enthauptet

Frankreich nach Islamistenanschlag erschüttert

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Die Feuerwehr rückte nach der Gasexplosion aus.

Lyon - Neuer Terroranschlag in Frankreich: Nach einem Überfall in der Nähe von Lyon wird die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt. Das ist die Handschrift islamistischer Terroristen.

Knapp ein halbes Jahr nach den Mordanschlägen von Paris wird Frankreich erneut von einem islamistischen Attentat erschüttert. Nach einem Überfall auf ein Werk für Industriegase in der Nähe von Lyon am Freitag wurde die Leiche eines enthaupteten Mannes entdeckt. Mindestens zwei Menschen wurden nach Angaben der Behörden zudem leicht verletzt. Die Polizei nahm einen 35-jährigen Mann fest, der Kontakt zur radikalislamischen Szene haben soll. Später stellte sie einen weiteren Tatverdächtigen.

Frankreichs Präsident François Hollande brach wegen des Anschlags seine Teilnahme am EU-Gipfel in Brüssel ab und berief eine Sitzung des Sicherheitskabinetts ein. Er sprach von einem Anschlag „terroristischer Natur“.

Auf dem Körper des enthaupteten Manns wurden arabische Schriftzeichen entdeckt. Sein Kopf steckte auf einem Zaun, der die Gasefabrik umgibt. In der Nähe waren nach Angaben von Augenzeugen zwei schwarze Islamistenflaggen zu sehen.

Was man über den Tatverdächtigen weiß

Vorstrafen hatte er keine, mit seiner Familie führte er ein zurückgezogenes Leben, seinen Nachbarn fiel er nicht sonderlich auf. Jetzt spricht ganz Frankreich voller Grauen über Yassin Salhi. Der 35-Jährige soll den Anschlag auf eine Industrieanlage nahe der ostfranzösischen Stadt Lyon verübt haben - und am Zaun des Geländes den abgetrennten Kopf seines getöteten Arbeitgebers befestigt haben. Den Sicherheitsbehörden war er schon früher aufgefallen, doch offenbar wurde seine Gefährlichkeit unterschätzt.

Bereits 2005 und 2006 wurden die französischen Geheimdienste auf den Mann aufmerksam, dessen Vater algerischer und dessen Mutter marokkanischer Abstammung war. Er hatte Kontakt zu einer Gruppe radikaler Islamisten, als Eiferer fiel er aber nicht auf, wie ein Ermittler sagte. 2006 wurde er auf eine Liste verdächtiger Personen gesetzt, zwei Jahre später aber wieder aus dem Register gestrichen.

2013 dann wurden die Sicherheitsbehörden wieder auf den Mann aufmerksam, wieder gab er sich mit mutmaßlichen Islamisten ab. Damals trug er ein langes Männergewand und einen Bart, wie ihn Salafisten tragen. Innenminister Bernard Cazeneuve sagte am Freitag, Salhi habe Verbindungen zur "salafistischen Bewegung" gehabt. Mit verbotenen Aktivitäten wurde er aber nie in Verbindung gebracht, vorbestraft war er nicht.

Zeugen berichten vom Tathergang

Der genaue Hergang war zunächst unklar. Nach ersten Angaben raste der Täter gegen 9.50 Uhr mit einem Auto in hoher Geschwindigkeit auf die Gasefabrik zu. Vermutet wird, dass das Werk in die Luft gejagt werden sollte. Zeugen berichteten von einer „enormen Explosion“. Der Schaden hielt sich dann aber offenbar in Grenzen. Die Fabrik gehört dem US-Konzern Air Products, der Gase für die Industrie und den medizinischen Gebrauch herstellt.

Die Zeitung „Le Dauphiné Libéré“ zitierte Augenzeugen, wonach ein Mann mit mehreren Islamistenflaggen in den Händen Gasbehälter geöffnet und zur Explosion gebracht habe. Auf dem Gelände rammte das Auto Gasbehälter, die dort standen. Dabei gab es mindestens zwei Verletzte. Es gebe keinerlei Hinweise auf einen Komplizen während des Anschlags, sagte Anti-Terror-Staatsanwalt François Molins am Freitagabend in Paris.

Terroropfer war Chef des Verdächtigen

Der bei einem Terroranschlag in der Nähe von Lyon getötete Mann war der Arbeitgeber des mutmaßlichen Attentäters. Der 50-Jährige sei feige ermordet worden, sagte Frankreichs Präsident François Hollande am Freitag in Paris. Das Opfer war Transportunternehmer aus einem Vorort von Lyon.

Der mutmaßliche Täter, ein 35-Jähriger mit Kontakt zur radikalislamischen Szene, gelangte mit dem Fahrzeug des Opfers auf das Gelände der Firma Air Products in Saint-Quentin Fallavier bei Lyon.

Dort sei er von „besonders mutigen Feuerwehrleuten“ aufgehalten und festgenommen worden, sagte Hollande.

Steinmeier: "Akt des Terrors und des Fanatismus"

Die Bundesregierung verurteilte das Attentat. Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte: „Das ist etwas, was uns besonders bewegt.“ Gerade in Fragen der Sicherheit hingen Deutschland und Frankreich eng zusammen. Der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte: „Diesen Akt des Terrors und des Fanatismus verurteilen wir auf das Schärfste. Wir sehen uns vereint mit Frankreich in der Verteidigung unserer freien Gesellschaft gegen den blinden Hass des Terrors.“

Das Werk in der Gemeinde Saint-Quentin-Fallavier liegt unweit des Flughafens von Frankreichs zweitgrößter Stadt Lyon. Nach der Tat wurde es weiträumig abgesperrt. In den vergangenen Monaten hatte die islamistische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mehrfach Geiseln enthauptet. Einige der Gräueltaten waren dann später auch in Internet-Videos zu sehen.

Im Januar waren bei Anschlägen auf die Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt in Paris 17 Menschen von islamistischen Terroristen getötet worden. Die Anschläge lösten international eine beispiellose Welle der Solidarität aus.

dpa/Afp

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