Ziemlich undiplomatisch

Wegen Corona: Trump macht sich über EU-Land lustig - Reaktion folgt prompt und deftig

Donald Trump, der 45. Präsident der USA.
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Donald Trump, der 45. Präsident der USA.

Die USA kämpfen mit der Coronavirus-Pandemie. Während die Lage in New York City dramatisch ist, kritisiert Donald Trump lieber das kleine Schweden. Eine Virologe reagiert umgehend.

  • Wegen laschem KontaktverbotDonald Trump beschwert sich in der Corona-Krise über Schweden.
  • Der US-Präsident wettert gegen die geplante Herdenimmunität in dem skandinavischen Land. 
  • Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell hat eine unmissverständliche Antwort an Trump.

München/Washington - Die USA sind mittlerweile der Corona-Hotspot* weltweit. Die Regierung von Donald Trump hat reichlich Mühe, die Coronavirus-Pandemie* einzudämmen, beziehungsweise überhaupt darauf angemessen zu reagieren. Fast täglich verkündet Trump eine neue „Wunderwaffe“. Der US-Präsident wiederum teilt aber lieber gegen andere Länder aus - namentlich gegen das vergleichsweise kleine skandinavische EU-Land Schweden.

Corona-Krise weltweit: US-Präsident Donald Trump verweist kritisch auf Schweden

Der Republikaner war darauf angesprochen, welchem Land er denn Ratschläge erteilen würde, das seiner Meinung nach Themen wie Kontaktverbot* und Social Distancing zu lasch auslege.

„Jetzt wird über Schweden geredet. Schweden leidet außerordentlich, ihr wisst das, oder?“, sagte Trump am Dienstagabend (Ortszeit) in Washington: „Schweden macht diese 'Herde', sie nennen es 'die Herde'.“ Und Trump meinte eigentlich die sogenannte Herdenimmunität*, nach der sich ein gewisser (hoher) Prozentteil mit dem Erreger Sars-CoV-2 infiziert haben muss, bevor die Ansteckungszahlen langfristig rückläufig sind. 

Trotz Coronavirus-Pandemie: Kaum Ausgangsbeschränkungen in Schweden

Zur Einordnung: Schweden wendet - etwa im Gegensatz zu Deutschland - nur sehr begrenzt Ausgangsbeschränkungen * an und lässt dem gesellschaftlichen Leben weitgehend seinen gewohnten Gang - obwohl die Infektionszahlen mit dem Coronavirus zuletzt rasant anstiegen. Oder besser gesagt: Gerade deswegen?

Schwedens Staatsepidemiologe: Anders Tegnell (li.).

„Ja, das kann man nicht ernst nehmen“, meinte Schwedens Staatsepidemiologe Anders Tegnell* zu Trumps Aussagen im schwedischen TV: „Es ist natürlich sehr schwierig in Schweden, nicht zuletzt im Gesundheitswesen. Aber verglichen mit der Situation in New York, funktioniert es in Schweden weiter ziemlich gut.“ Taffe Antwort aus Skandinavien.

Coronavirus-Pandemie: Viel mehr Corona-Infizierte in New York City als in ganz Schweden

Zur Vergleich: Stand Mittwochnachmittag, 8. April, hatten sich einzig in New York City (geschätzt neun Millionen Einwohner) rund 140.000 Menschen mit der neuartigen Lungenkrankheit infiziert, rund 5.500 Menschen sind Agenturangaben zufolge an den Folgen einer Corona-Infektion hier gestorben.

In ganz Schweden (10,3 Millionen Einwohner) - das freilich viel weitläufiger ist - gab es nach Schätzungen der Johns Hopkins Universität zur selben Zeit knapp mehr als 8.400 registrierte Infektionen und 687 gemeldete Todesfälle mit Coronavirus.  

Nach Kritik von Donald Trump: Schweden-Virologe rechtfertigt Corona-Strategie Herdenimmunität

„Ich weiß nicht, was er damit meint, aber wir, die mit Infektionskrankheiten arbeiten, wissen ja, dass sich dieser Typ von Krankheit weiter ausbreiten wird, bis wir eine Immunität in der Bevölkerung erreicht haben“, erklärte Tegnell weiter zur von Trump offenbar belächelten Herdenimmunität: „Einen anderen Weg, um es zu stoppen, gibt es nicht.“

pm

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