„Düsterer, erschütternder Meilenstein“

Halbe Million Corona-Tote in den USA: Biden gedenkt Todesopfern - Chefvirologe Fauci übt Kritik

In den USA sind mittlerweile eine halbe Million Menschen an oder mit Covid-19 gestorben. Anlässlich dieser erschütternden Marke gedachte US-Präsident Biden den Opfern.

Washington, D.C. - Die Corona-Pandemie hat in den USA eine halbe Million Menschen das Leben gekostet. Anlässlich dieser erschütternden Tatsache gedachte der neue US-Präsident den 500.000 Todesopfern. Joe Biden hielt am Montagabend (Ortszeit) eine Ansprache vor dem Weißen Haus, dessen Treppen mit 500 Kerzen bestückt waren.

„Heute markieren wir einen wahrlich düsteren, erschütternden Meilenstein – 500.071 Tote. Das sind mehr Amerikaner, die in einem Jahr an dieser Pandemie gestorben sind, als im Ersten Weltkrieg, im Zweiten Weltkrieg und im Vietnamkrieg zusammen“, sagte Biden. „Das sind mehr Leben, die von dem Virus genommen wurden, als in allen anderen Ländern der Welt.“

Biden kritisiert Trump: „Wir müssen die Politik der Fehlinformation beenden. Das hat schon zu viele Leben gekostet“

Der neue US-Präsident warnte angesichts der hohen Zahl an Todesopfern vor einer Abstumpfung der Gesellschaft: „Auch wenn wir so lange gegen diese Pandemie gekämpft haben, müssen wir uns dagegen wehren, taub gegen das Leid zu werden. Wir müssen uns dagegen wehren, jedes Leben als eine Statistik zu sehen“. Darüber hinaus appellierte er an die US-Bürger, sich weiterhin an die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie zu halten. Er rief dazu auf, weiterhin Masken zu tragen, sich an die Abstandsregeln zu halten und sich - sobald die Möglichkeit dazu besteht - impfen zu lassen.

Biden nutzte die Gelegenheit, um sich klar von der Corona-Politik seines Vorgängers Donald Trump abzugrenzen: „Wir müssen die Politik der Fehlinformation beenden, die Familien, Gemeinschaften und das Land gespalten hat. Das hat schon zu viele Leben gekostet“.

Schließlich wandte sich US-Präsident Joe Biden auch mit optimistischen Worten an die US-Bürger: „Dieses Land wird wieder lachen, dieses Land wird wieder sonnige Tage haben. Dieses Land wird wieder Freude erfahren“, betonte er. „Wir werden uns an jede Person erinnern, die wir verloren haben, an die Leben, die sie hatten, und an die Lieben, die sie zurückgelassen haben“, sagte Biden.

Nach der Ansprache gedachte der Präsident gemeinsam mit seiner Frau, Jill Biden, der Vizepräsidentin Kamela Harris und deren Mann Douglas Emhoff mit einer Schweigeminute der Opfer. Zusätzlich wehen seit Montag die amerikanischen Flaggen als Zeichen der Trauer für fünf Tage an öffentlichen Gebäuden, Militärstützpunkten und US-Auslandsvertretungen auf halbmast.

Weltweit meisten Corona-Tote in den USA: Rasanter Anstieg der Zahlen im Winter

USA weist 19 Prozent der weltweiten Coronavirus-Todesfälle auf. Angesichts der Tatsache, dass das Land nur vier Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, ist dies eine überproportional hohe Zahl an Toten. Nachdem das Virus die USA erreicht hatte, steigt die Zahl der Todesopfer rasant an. Bis Mai 2020 waren es 100.000 Tote und bis September bereits 200.000. Im Dezember überstieg die Zahl der Opfer bereits die 300.000 Marke. Die meisten Menschen erlagen der Covid-19 Krankheit allerdings zwischen Dezember 2020 und Februar 2021: 46 Prozent aller Corona-Todesfälle wurden in diesem Zeitraum bestätigt - und das trotz der angelaufenen Impfkampagne. Aufgrund der verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie sank die durchschnittliche Lebenserwartung in den USA um ein ganzes Jahr.

Impfkampagne in den USA: 1,7 Millionen Impfungen pro Tag

Durch die Impfkampagne zeichnet sich in den USA jedoch bereits eine positivere Entwicklung ab: Die Zahl der Neuinfektionen geht tatsächlich deutlich zurück. Etwa 1,7 Millionen Menschen werden in den USA täglich geimpft. Bislang erhielten 44 Millionen Menschen in den USA die erste Impfung, rund 19,4 Millionen Menschen schon beide Impfdosen. Biden trieb die Impfkampagne seit seinem Antritt massiv voran. Die USA erhalten von den Herstellern Moderna und Pfizer/Biontech nun bis Ende Juli rund 600 Millionen Dosen Impfstoff, was für alle Erwachsenen im Land ausreichend wäre.

Chefvirologe Fauci kritisiert Trump: „Fehlendes Mitwirken an der obersten Spitze der Landesführung“

Anlässlich der 500.000 Corona-Toten meldete sich auch der prominenteste Virologe der USA, Anthony Fauci, zu Wort. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters äußerte er sich zu der Corona-Politik unter Ex-Präsident Donald Trump. Er sieht in der politischen Spaltung des Landes einen wichtigen Faktor für die „erschütternden Todeszahlen“ durch das Coronavirus. So sei sogar das Tragen von Schutzmasken zum politischen und nicht zum medizinischen Thema gemacht worden.

„Selbst unter den besten Bedingungen wäre das ein erhebliches Problem gewesen“, sagte Fauci mit Blick auf das Ansteckungsrisiko durch Covid-19. Seiner Meinung nach erkläre dies jedoch nicht, wie „eine reiche und hoch entwickelte Nation zum am härtesten getroffenen Land der Erde“ werden konnte. Fauci ging im Rahmen des Interviews auf die Corona-Politik unter Donald Trump ein. Beim Versagen im Kampf gegen das Virus hätte „das fehlende Mitwirken an der obersten Spitze der Landesführung“ nicht geholfen, so Fauci.

Der Virologe ist aktuell Berater im Weißen Haus und war dies bereits unter Ex-Präsident Donald Trump. Als Berater geriet er wiederholt mit Trump aneinander. Trump hatte seinen Virusexperten Fauci wiederholt in der Öffentlichkeit diskreditiert. Als besonders schockierend empfand Fauci jedoch die Tatsache, dass zahlreiche Städte und Staaten die Empfehlungen seiner Kommission für eine sichere Wiedereröffnung nach einem Lockdown ignoriert hätten. (dpa/at)

Rubriklistenbild: © Evan Vucci/dpa

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