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RKI-Impfzahlen viel zu niedrig? Neue Corona-Umfrage wirft Fragen auf

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Von: Kai Hartwig

Gesundheitsminister Spahn und RKI-Chef Wieler während einer PK zur Corona-Lage
Gesundheitsminister Spahn (r.) und RKI-Chef Wieler während einer PK zur Corona-Lage. © Michael Kappeler/dpa

Auf Basis der Corona-Zahlen des Robert Koch-Instituts fällt ein Großteil der politischen Entscheidungen während der Pandemie. Nun gibt es Zweifel an den Impfwerten.

Berlin – Am Samstagvormittag (14. August) verkündete Gesundheitsminister Jens Spahn* via Twitter die aktuellen Impfzahlen. Dass der CDU*-Politiker dort die Anzahl der Deutschen veröffentlicht, die sich gegen das Coronavirus haben impfen lassen*, ist längst tägliche Routine. Doch berufen sich Spahn und die Bundesregierung um Kanzlerin Angela Merkel* dabei auf falsche Werte?

Eine neue Umfrage nährt zumindest Zweifel. Spahns Ministerium bekommt seine Daten vom Robert Koch-Institut* (RKI) in Berlin. Das RKI liefert die offiziellen Zahlen zu den Corona-Impfungen* in Deutschland.

Corona-Impfungen in Deutschland: Umfrage liefert deutlich höhere Werte zu Erstimpfungen als das RKI

Das Umfrageinstitut Infratest dimap befragte bis 13. Juli gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) 1820 wahlberechtigte Personen ab 18 Jahren. Die repräsentative Umfrage namens „Corona Compass“ ergab, dass 75 Prozent der 18- bis 59-Jährigen nach eigener Aussage bereits eine Impfung erhalten haben. Damit lag der Umfragewert Mitte Juli 16 Prozentpunkte höher als die damaligen RKI Zahlen (59 Prozent).

Ein eklatanter Unterschied, findet auch Mathias Huebener vom DIW. „Dies weist darauf hin, dass die tatsächliche Impfquote deutlich höher liegt, als die Statistik ausweist“, erklärte der Forscher im Gespräch mit dem Spiegel.

Auch das RKI hatte erst am Mittwoch eine eigene Erhebung zur Corona-Impfquote* veröffentlicht. Die kam zu einem ähnlichen Ergebnis wie der „Corona Compass“ von Infratest dimap und dem DIW. Hier gaben sogar 79 Prozent der 18- bis 59-Jährigen an, die Erstimpfung gegen das Coronavirus* bereits verabreicht bekommen zu haben.

Zum selben Zeitpunkt sah das offizielle Impfmonitoring des RKI diese Anzahl bei etwa 59 Prozent – ein Unterschied von 20 Prozentpunkten. Ein Umstand, der nun Politik und RKI in akute Erklärungsnot bringen dürfte. Schließlich dienten die offiziellen Zahlen des Instituts unter anderem der Bund-Länder-Konferenz als Basis für ihre Beschlüsse*.

Corona-Erstimpfungen in Deutschland: Experte glaubt, dass RKI-Zahlen um fünf Millionen zu niedrig sind

DIW-Forscher Huebener ist unterdessen der Überzeugung, dass mindestens 70 Prozent der 18- bis 59-Jährigen ihre Erstimpfung bis 13. Juli hinter sich hatten. Dann wären hochgerechnet etwa fünf Millionen Menschen mehr mit einer Erstimpfung immunisiert, als das RKI statistisch erfasst hatte.

Große Abweichungen von den berechneten 70 Prozent hält DIW-Experte Huebener für höchst unwahrscheinlich. Diese würden maximal zwei bis drei Prozentpunkte betragen. Auch für falsche Angaben der Befragten gebe es kaum Argumente, zumal die „Corona Compass“-Onlineumfrage anonymisiert durchgeführt worden sei.

Corona-Erstimpfungen in Deutschland: Aktuelle Umfragewerte von Ende Juli bestätigen erste Erkenntnisse

Die Erhebung von Infratest dimap und dem DIW hat kontinuierlichen Charakter und läuft entsprechend immer noch. Mittlerweile hat sich die Zahl der Erstgeimpften unter den Umfrageteilnehmern weiter erhöht.

Bis zum 28. Juli gaben 80 Prozent an, ihre erste Impfung bekommen zu haben. Hochgerechnet ergibt sich daraus ein Wert für die Gesamtbevölkerung von 67 Prozent Erstimpfungen. Im Vergleich lag der RKI-Wert zu diesem Zeitpunkt mit 61 Prozent sechs Punkte darunter (das entspricht knapp fünf Millionen Menschen). (kh) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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