1. Mannheim24
  2. Welt

Gastro-Öffnung in Österreich trotz steigender Zahlen? Kurz hat eigenwilligen Plan - „Erstes Land in Europa“

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Patrick Mayer, Andreas Schmid, Franziska Schwarz

Die Corona-Mutationen in Tirol bleiben das polarisierende Thema in Österreich. Kanzler Kurz sieht Österreich derweil auf einem guten Weg. Der News-Ticker.

+++ Dieser Ticker ist beendet. Alle weiteren Entwicklungen zur Coronavirus-Pandemie in Österreich lesen Sie fortan in diesem News-Ticker. +++

Update vom 20. Februar, 19.15 Uhr: Knapp zwei Wochen nach der Öffnung aller Läden und vieler Dienstleistungsangebote sieht sich Österreich mit seiner umfassenden Teststrategie auf dem richtigen Weg. Österreich* sei weltweit eines der Länder mit den meisten Tests, sagte Kanzler Sebastian Kurz* (ÖVP). „Als erstes Land in Europa setzen wir auch auf massive Testungen in den Schulen.“ Ziel sei es, durch so viele Tests* wie möglich das Infektionsgeschehen unter Kontrolle zu halten oder zumindest ein Wachstum der Infektionszahlen bestmöglich abzufedern.

Pro Woche ist nach Angaben des Gesundheitsministeriums künftig mit insgesamt rund drei Millionen Antigentests und auch PCR-Tests zu rechnen. Damit würde rechnerisch bei jedem dritten Österreicher einmal die Woche gecheckt, ob er mit dem Coronavirus infiziert ist. 

Zuletzt wurden österreichweit binnen 24 Stunden 200.000 Menschen auf das Coronavirus überprüft, 45.000 Tests davon waren PCR-Tests. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist das deutlich mehr als in Deutschland, das erst zum 1. März seine Testangebote ausweitet. Seit Lockerung des Lockdowns ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Österreich von rund 100 auf etwa 115 gestiegen. Zugleich ist die Lage in den Kliniken stabil.

Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, spricht während einer Pressekonferenz.
Sebastian Kurz (ÖVP), Bundeskanzler von Österreich, spricht während einer Pressekonferenz. © Helmut Fohringer/dpa

Gastro-Öffnung in Österreich trotz steigender Corona-Zahlen? Kurz setzt auf eigenwilligen Plan - „Erstes Land in Europa“

Update vom 20. Februar, 9.50 Uhr: Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gibt sich positiv. „Als erstes Land in Europa setzen wir auch auf massive Testungen in den Schulen“, sagte er laut der Deutschen-Presse Agentur auf Anfrage. Weltweit sei Österreich eines der Länder mit den meisten Tests. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums ist pro Woche künftig mit rund drei Millionen Antigentests und PCR-Tests zu rechnen. Rechnerisch würde damit jeder dritter Österreicher einmal wöchentlich auf das Virus gecheckt. Seit Lockerung des Corona-Lockdowns ist der Inzidenzwert von rund 100 auf etwa 115 gestiegen. Zugleich ist die Lage in den Kliniken stabil.

Ein Ansteigen der Infektionszahlen ist Experten zufolge erwartbar und zunächst nicht alarmierend. Wichtig sei, dass sich der Anstieg in etwa zehn Tagen abflache oder idealerweise aufhöre. Dann zeige sich, ob die Strategie des intensiven Suchens nach symptomfreien Infizierten und deren folgende Quarantäne die Verbreitung stoppen könne, so der Simulationsforscher Niki Popper.

Am 1. März will Österreich über die nächsten Schritte entscheiden. Dazu könnte die Öffnung der Hotels und der Gastronomie zählen, allerdings wohl nur für Gäste mit negativem Corona-Test. Dieses Konzept hatte schon Anfang Februar funktioniert, als sich die Menschen unter anderem wegen der Zutrittstests beim Friseur massenweise testen ließen.

Corona in Österreich: Kanzler Sebastian Kurz twittert über Gastro-Lockerungen in der Pandemie

Update vom 19. Februar, 19.51 Uhr: „Ich habe mit den Branchenvertretern vereinbart, dass sie gemeinsam mit @ElliKoestinger und Rudolf Anschober ein Konzept dazu erarbeiten“, hat Österreichs Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) heute getwittert. Was für ein Konzept er meint? Eines für eine Gastro-Lockerung bereits kommenden Monat, obwohl er dies am Montag frühestens für „rund um Ostern“ in Aussicht gestellt hatte. Die Wirtschaftskammer hatte nach Informationen von oe24.at darauf gedrängt.

Am 1. März stehen neue Beratungen über Öffnungsschritte an - „hoffentlich noch im März“, wie Kurz dem Bericht zufolge nach Beratungen mit Branchenvertretern aus Gastronomie und Tourismus gesagt haben soll. Abhängig sei dies aber vom weiteren Infektionsgeschehen*.

Der Kursumschwung hängt offenbar mit einem Meinungsumschwung bei den Wirten zusammen: „Das Testen ist die beste Möglichkeit trotz Pandemie etwas mehr an Freiheit zurückzugewinnen anstatt im Dauerlockdown zu verharren. Es ist erfreulich, dass die Branchenvertreter der Gastronomie nun auch bereit sind, beim Eintrittstesten mitzumachen.“, twitterte Kurz am Freitag außerdem.

Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz geht mit Mund-Nasen-Bedeckung durch den Flur des Wiener Bundeskanzleramts.
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz geht mit Mund-Nasen-Bedeckung durch den Flur des Wiener Bundeskanzleramts. © Helmut Fohringer/dpa

Corona in Österreich: Massensterben von Gastro-Unternehmen? „Werden nicht mehr aufsperren“

Update vom 19. Februar, 10.50 Uhr: Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise werden als immens erwartet. „Wir gehen davon aus, dass nach dem Ende des Lockdowns 20 bis 30 Prozent der Betriebe nicht wieder aufsperren werden“, sagte jetzt der Chef des österreichischen Tochterunternehmens des deutschen Lebensmittel-Großhändlers Metro, Xavier Plotitza, der österreichischen Tageszeitung Kurier.

„Besonders im November hat sich die Lage verschärft. Aber wir werden das aushalten“, sagte Plotitza über seinen Konzern. Eine wirtschaftliche Normalisierung erwarte er „sicher nicht in den nächsten eineinhalb Jahren. (...) Im besten Fall herrscht in 24 Monaten wieder Normalität, im schlimmsten Fall erst in drei Jahren“.

Metro beliefert im Bereich Lebensmittel und Zubehör viele Gastronomen. Bei Metro Österreich sind laut Nachrichtenportal oe24.at derzeit 80 Prozent der Mitarbeiter in Kurzarbeit, weil viele Kunden aus der Gastronomie derzeit wegbrechen.

Dicht: die Gastronomie in Wien in der Corona-Krise.
Dicht: die Gastronomie in Wien in der Corona-Krise. © IMAGO / photonews.at

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Testpflicht für Tiroler soll wohl verlängert werden

Update vom 19. Februar, 10 Uhr: Tirol bleibt durch die Verbreitung der südafrikanischen Corona-Variante weiter im Fokus.

Der deutsche Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat bereits angedeutet, dass der Einreise-Stopp aus dem westlichen österreichischen Bundesland nach Deutschland bis zum 3. März verlängert wird.

Laut Tiroler Tageszeitung wird an diesem Freitag zudem in Wien entschieden, ob und wie lange die Testpflicht für Tirolerinnen und Tiroler innerhalb von Österreich verlängert wird. Eine Verlängerung gilt als sehr wahrscheinlich.

Coronavirus-Pandemie in Österreich: 250.000 Corona-Tests im Schnitt täglich

Update vom 19. Februar, 9.30 Uhr: Die Zahl ist bemerkenswert: In Österreich werden laut Kronen Zeitung aktuell täglich durchschnittlich 250.000 Corona-Tests gemacht.

In den vergangenen 24 Stunden wurden dabei 1818 weitere Infektionen mit dem heimtückischen Coronavirus festgestellt. Zudem registrierten die Behörden in der Alpenrepublik 36 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Die Zahl der Toten, die mit oder an Corona starben, beläuft sich seit Beginn demnach auf 8312.

Coronavirus-Pandemie in Österreich: Lockerungen im Vergleich zu Deutschland

Erstmeldung vom 18. Februar: München/Wien - Österreich hat vor kurzem abermals gelockert. Nachdem sich die Alpenrepublik sechs Wochen im Lockdown befunden hatte, nimmt das öffentliche Leben derzeit wieder an Fahrt auf.

Die Kontaktbeschränkungen wurden reduziert, Einzelhandel und Museen sind wieder geöffnet, an den Schulen findet Präsenzunterricht statt.

Corona in Österreich: Lockdown vorbei - doch die Sorge bleibt bestehen

Wenn man Bilder der Wiener Innenstadt sieht, möchte man meinen, die Pandemie* sei überstanden. Die bekannte Mariahilfer Straße ist belebt wie lange nicht. Die Menschen sehnen sich offenbar nach der Rückkehr zum Alltagsleben. Es bleibt allerdings die Frage, wie lange die neu gewonnenen Lockerungen anhalten werden.

Denn die Politik um Bundeskanzler Sebastian Kurz* steht vor einer schwierigen Abwägung: Welche Lockerungen sind aufgrund der aktuellen Situation vertretbar? Der ÖVP-Politiker verfährt in diesem Zusammenhang gerne nach dem Credo „so viel Freiheit wie möglich, so viele Einschränkungen wie notwendig.“ Daher blieben derzeit auch Hotels und Restaurants noch geschlossen. Denn besiegt hat Österreich die Pandemie noch lange nicht - was sich insbesondere in den neu aufgetretenen Virusmutationen begründet.

Die Mariahilfer Straße in Wien nach dem Ende des Corona-Lockdowns.
Nach dem rund 6 Wochen dauernden österreichweiten 3. harten Lockdown dürfen Einkaufszentren, Frisöre und Geschäfte unter strengen Vorgaben wieder aufmachen. Die Wiener Einkaufsstrassen waren gut besucht. © Georges Schneider/imago-images

Corona in Österreich: Tirol zum „Virusvarianten-Gebiet“ erklärt

In Tirol scheint sich dabei vor allem die britische Virusvariante B.1.1.7* rasant auszubreiten. Das deutsche Robert-Koch-Institut stufte das Bundesland daher als „neues Virusvarianten-Gebiet - Gebiet mit besonders hohem Infektionsrisiko durch verbreitetes Auftreten bestimmter SARS-CoV-2 Virusvarianten“ ein.

Aus Sorge vor einer Ausbreitung ins angrenzende Bayern werden momentan auch wieder Grenzkontrollen bei der Einreise nach Deutschland durchgeführt. In Österreichs drittgrößtem Bundesland gibt es derzeit 343 bestätigte Mutationsfälle (Stand: 17. Februar)

Corona in Österreich: Mehr Mutationsfälle in Wien als in Tirol

Problematisch gestaltet sich, dass die Mutationsfälle momentan nicht mehr auf Tirol beschränkt sind. In allen Bundesländern seien derartige Fälle mittlerweile bekannt, am häufigsten in absoluten Zahlen übrigens nicht in Tirol, sondern in Wien, wo bis Dienstag 471 Fälle bestätigt wurden. Die Hauptstadt ist nicht als Virusvarianten-Gebiet ausgewiesen.

Landesweit sollen die Mutationsfälle mittlerweile in den vierstelligen Bereich gestiegen sein, berichtete die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) am Dienstag. Demnach gebe es 1375 bestätigte Mutationsfälle. In 1096 Fällen handelte es sich um Infektionen mit der britischen Variante B.1.1.7, die südafrikanische Mutante B.1.351 sei 279 Mal nachgewiesen worden.

Corona in Österreich: „Werden nicht verhindern können, dass Varianten auch in Ost-Österreich zirkulieren“

Der Virologe Christoph Steininger von der Medizinischen Universität Wien befürchtete gegenüber oe24.at ein weiteres Ausbreien der Mutationen: „Wir werden nicht verhindern können, dass Varianten auch in Ost-Österreich zirkulieren werden.“ Entscheidend sei, dass man Zeit gewinne, damit man mehr Menschen mit der Impfung erreiche.

Bis dahin wird die Anzahl der Mutationsfälle in Österreich aber wohl noch weiter in die Höhe schnellen. Nach aktuellen Angaben der Ages** stehen derzeit noch 3993 Testergebnisse von Mutations-Verdachtsfällen aus, die meisten davon in Niederösterreich (1237). In Tirol warte man hingegen lediglich auf drei Testergebnisse. (as) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

** Die Daten der Ages werden fortlaufend aktualisiert. Sie finden sie auf der Homepage unter dem Menüpunkt Sars-Cov-2-Varianten in Österreich. Die aktuellen Infektionszahlen für Österreich erhalten Sie zudem über das Dashboard der Ages.

Auch interessant

Kommentare