Mini-Lockerungen im Mai oder Juni?

RKI-Modellkalkulationen zeigen drei Szenarien: Deutschland wohl noch monatelang im Endlos-Lockdown

Wann werden die Corona-Maßnahmen in Deutschland gelockert? Das RKI untersuchte dies durch eine Modellstudie und kam zu einem wenig befriedigenden Ergebnis.

Berlin - Viele Bürger fragen sich, wann die Maßnahmen und Kontaktbeschränkungen zur Bekämpfung der Corona*-Pandemie ein Ende nehmen oder wann diese das nächste Mal gelockert werden. Das Robert-Koch-Institut* beschäftigte sich mit dieser Fragestellung und zeigte nun anhand ein Modellrechnung, wann wieder mehr Kontakte möglich wären, ohne die Intensivstationen zu überlasten. Auch der Impffortschritt wurde dabei einkalkuliert.

Corona: RKI-Modellrechnung zeigt, wie sich Lockerungen auf die Krankenhaus-Kapazitäten auswirken

Anhand verschiedener Parameter analysierten Experten und Epidemiologen genauer gesagt, wie sich Lockerungen bei den Kontaktbeschränkungen auf Infektionszahlen sowie die Zahl der Corona-Intensivpatienten auswirken würde. Erste milde Lockerungen sollen demnach erst ab Mai oder sogar Anfang Juni vertretbar sein. Der Modellrechnung zufolge könnten eventuelle weitreichende Lockerungen vor diesem Zeitpunkt auch zur Überlastung der Kliniken führen.

Die „Vermeidung der Überlastung der Intensiv-Kapazitäten“ könne gelingen, „sobald Lockerungen vorsichtig erst ab Mai/Juni 2021 und dann mit sukzessiver Steigerung des Grades der Lockerungen bis in den Spätsommer durchgeführt werden, wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist“, so das Resultat der RKI-Studie. Lockerungen seien also nur dann sinnvoll, sobald der Großteil der Bevölkerung mindestens eine Impfung* erhalten hat.

Corona: RKI-Modellkalkulierung stellt drei Szenarien dar - Lockerungen erst im Juni?

Die Wissenschaftler betrachten drei verschiedene Szenarien zur Rückkehr in den Zustand, wie er vor der Pandemie war. Die Experten kalkulierten die Folgen einer Zunahme des Kontaktverhaltens der Bevölkerung um 20, 40 und 60 Prozent sowie deren Folgen. In allen drei Fällen würden die Intensiv-Kapazitäten mit Lockerungen ab 1. Mai überlastet werden. „Bei einer 40- und 60-prozentigen Rückkehr der Kontakte zu prä-pandemischen Kontaktverhalten wird auch die Notfallreserve deutlich überschritten“, so die Warnung der Epidemiologen in der Studie.

Aus der Studie geht hervor, dass eine Rückkehr der Kontakte um 20 Prozent erst ab dem 1. Juni nicht mehr zu einer Überschreitung der aktuellen Kapazitäten führen würde. Eine Rückkehr zu 60 Prozent der prä-pandemischen Kontakte zum 1. Mai, zum 1. Juni oder 1. Juli würde dem Modell zufolge mehr als 1000 Sterbefälle pro Tag verursachen. Erst eine 20-prozentige Rückkehr der Kontakte ab dem 1. Juni 2021 würde der Studie nach den unmittelbaren Anstieg der Todeszahlen verhindern.

Corona: Studien-Autoren weisen auf Schwäche hin - Impffortschritt wichtiges Element für Modellrechnung

Die Autoren der Studie weisen allerdings auch auf die Schwächen des Modells hin. Demnach sind die fehlenden Wirksamkeitsdaten des Corona-Impfstoffs Curevac* eine Lücke in der Studie. Hier nahmen die Wissenschaftlern angesichts der gleichen Impfstoff-Technologie und vielversprechender Daten aus den ersten beiden Studienphasen eine Gleichwertigkeit zu den anderen Herstellern an. Sogar die Verbreitung der britischen Virusvariante B.1.1.7* sowie die Maßnahmen der Regierung zur Pandemie-Eindämmung und deren Lockerungen wurden für die Modellrechnung berücksichtigt.

Viel Mut macht die RKI-Modellierung zwar nicht, die wichtigste Botschaft ist jedoch, dass der Impffortschritt maßgeblich für die Lockerungen ist. Sollte die Bundesregierung die Erstimpfungen flächendeckend voranbringen, könnte dies förderlich sein. (ajr) *merkur.de und HNA.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA

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