Bald in den Mediatheken von ARD und ZDF?

SPD will feministische Lustfilme mit den Rundfunkbeiträgen finanzieren

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Nach einer kontroversen Debatte beschloss der SPD-Landesparteitag die Förderung der feministischen Filme. Rechts im Bild: Der Berliner Parteivorsitzende und Regierende Bürgermeister Michael Müller.

Mit einem außergewöhnlichen Antrag macht die Hauptstadt-SPD von sich reden. Kritik kommt gleich vom Koalitionspartner im Bund. 

Berlin - Auf Antrag der Jusos hat der Landesparteitag der Berliner SPD beschlossen, feministische Sexfilme zu Bildungszwecken mit öffentlichen Mitteln zu finanzieren. Die Sozialdemokraten wollen, dass diese Pornos in den Mediatheken von ARD und ZDF angeboten werden. Mit feministischen Pornos wird vor allem eine realistischere Darstellung des Geschlechtsaktes im Film angestrebt. Kritisiert wird, dass die Pornoindustrie zu stark von Männern dominiert sei.

Schweden als Vorbild

Die Idee haben sich die Berliner Genossen in Schweden abgeschaut. Dort förderte das staatliche Filminstitut 2009 die feministische Porno-Sammlung „Dirty Diaries“ mit einer Finanzierungsspritze von rund 50.000 Euro, berichtet stern.de. Seitdem sind in dem skandinavischen Land eine Reihe von Filmen frei verfügbar. 

Negativer Einfluss auf das Frauenbild von Jugendlichen

In dem Antrag der Jusos wird die Maßnahme so begründet: „Mainstream-Pornos zeigen in der Regel sexistische und rassistische Stereotype, in denen Konsens kein Thema ist und die bestimmten, ‚optimalen‘ Körpertyp zum Standard erheben. In diesen Filmen wirkt Sex eher wie eine Performance oder Leistungssport.“ 

Diese Darstellung habe Einfluss auf das Menschenbild und lasse Jugendliche mit völlig unrealistischen Vorstellungen in ihr Sexualleben starten. Es werde in den Mainstream-Streifen außerdem ein völlig verzerrtes Frauenbild propagiert. Dagegen solle in den geförderten Filmen die Vielfalt der Körperformen, Geschlechter und der sexuellen Praktiken gezeigt werden. Für die Jusos sind in ihrem Antrag außerdem faire Arbeitsbedingungen für die Darstellerinnen und Darsteller sowie eine gerechte Bezahlung wichtig. 

CDU und AfD halten davon nichts

Der Chef der Jungen Union, Paul Ziemiak, kritisierte den Antrag gegenüber bild.de: „Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau erreicht man nicht durch Pornos, egal welcher Art.“ Die Gleichstellungsbeauftragte der Berliner CDU-Fraktion im Abgeodnetenhaus, Katrin Vogel, ist ebenfalls dagegen. „Brauchen wir das?“, zitiert sie der Tagesspiegel. Vogel halte die Politisierung des Themas für unangebracht. Pornos würden nicht in die öffentlich-rechtlichen Medien gehören. 

Auch die AfD kritisiert den Vorstoß. Die Berliner SPD sei „von Sinnen“, schreibt die Partei auf Twitter. Die SPD solle sich um wichtigere Probleme kümmern, wie die Kriminalität oder Wohnraumknappheit in der Hauptstadt. 

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