Nach BASF-Rückschlag: Börse fürchtet um RWE-Russland-Deal

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RWE will Dea für 5,1 Milliarden Euro an den russischen Oligarchen Michail Fridman verkaufen. Foto: Angelika Warmuth

Moskau/Ludwigshafen/Essen (dpa) - Der erste große Milliardendeal eines deutschen Industriekonzerns ist wegen der Russland-Krise gescheitert. BASF und Gazprom stoppten einen Milliardentausch. Auch Unternehmen wie dem Energieversorger RWE drohen schwere Zeiten.

Die Sorge über das Scheitern weiterer Milliardendeals der deutschen Wirtschaft mit Russland wächst. Das Tauschgeschäft zwischen dem russischen Gazprom-Konzern und dem weltgrößten Chemiekonzern BASF platzte praktisch in letzter Minute. Mit Zuspitzung der politischen Spannungen mit Russland stehen nach Ansicht von Branchenkennern weitere Deals auf der Kippe. So sehen sie auch den von RWE geplanten Verkauf der Öl- und Gasfördertochter Dea an einen russischen Investor gefährdet. RWE- und BASF-Aktien gehörten zu den größten Verlierern an der deutschen Börse.

Ein RWE-Sprecher erklärte am Freitag in Essen: "Wir arbeiten daran, die Transaktion zügig abzuschließen. Allerdings stehen noch einige Zustimmungen Dritter aus. Ob wir die Gespräche hierzu bereits 2014 abschließen können, lässt sich derzeit nicht absehen." Der eigene Deal sei anders gelagert als der zwischen BASF und Gazprom. Energieexperten gaben dem RWE-Vorhaben dennoch kaum eine Chance, alsbald verwirklicht zu werden.

RWE will Dea für 5,1 Milliarden Euro an den russischen Oligarchen Michail Fridman verkaufen. Doch die britische Regierung blockiert wegen der politischen Sanktionen gegen Russland dieses Geschäft. Die Regierung in London hat ein Mitspracherecht, da auch Förderprojekte in Großbritannien betroffen sind. "Eigentlich sollte der Deal bis Ende 2014 über die Bühne gehen. Britische Behörden wollten sich am Freitag nicht zu dem Fall äußern.

BASF gab am Donnerstagabend bekannt, "aufgrund des aktuell schwierigen politischen Umfelds" komme das bis Jahresende vorgesehene Milliarden-Tauschgeschäft mit Gazprom nicht zustande. Bei diesem Geschäft hätte die BASF-Tochter Wintershall das bislang gemeinsam mit den Russen betriebene Erdgashandels- und Speichergeschäft vollständig an Gazprom übertragen. Im Gegenzug war die gemeinsame Erschließung von Gasfeldern in Westsibirien vorgesehen.

Analysten werteten das Scheitern des Tauschgeschäfts, mit dem die Tochter Wintershall stärker im globalen Rohstoffgeschäft auftrumpfen wollte, als Rückschlag für den Chemiekonzern. BASF-Aktien büßten mehr als 2,6 Prozent in einem nur leicht schwächeren Markt ein.

RWE verloren ebenfalls deutlich, wenn auch nicht ganz so stark. Energieexperten erklärten, für RWE wäre ein Scheitern des Deals ein schwerer Rückschlag. Mit den Einnahmen wolle RWE Schulden abbauen, die sich Ende September auf netto 30,7 Milliarden Euro beliefen. Angesichts wegbrechender Gewinne sei die Verschuldung damit zu einem großen Problem geworden.

Die Bundesregierung betonte am Freitag in Berlin, das Geschäft zwischen BASF und Gazprom sei nicht in Folge von politischem Druck geplatzt. "Das ist ein unternehmerischer Vorgang", stellte eine Sprecherin des Wirtschaftsministeriums klar. Es habe von deutscher Seite keine Einflussnahme auf das Geschäft gegeben. Wichtig sei, dass die Gasversorgung nicht gefährdet ist. "Und das sehen wir auch nicht."

Dass für die deutsche Wirtschaft schwere Zeiten im Russlandgeschäft einbrechen, machte der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, klar. "Ich erwarte, dass die Exporte bis Jahresende 2014 um 20 Prozent zurückgehen", sagte Cordes im Deutschlandfunk. "Und wenn dieser schwache Rubelkurs anhält und die wirtschaftliche Entwicklung nicht hochkommt - und davon müssen wir ausgehen - wird sich das im nächsten Jahr auch nicht verbessern."

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