Ersatzfahrpläne zuverlässig

Bahn-Streik geht weiter: Grube macht Pendlern Hoffnung

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Züge stehen am 05.05.2015 auf Abstellgleisen auf dem Hauptbahnhof in Leipzig (Sachsen). Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihre Mitglieder aufgerufen, beim bisher längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn die Züge bis zum Sonntagmorgen um 9 Uhr stehen zu lassen.

Frankfurt - Bahn-Kunden brauchen weiter Geduld: Die Lokführergewerkschaft GDL hat ihren Streik am Mittwoch fortgesetzt und will ihn bis Sonntag durchziehen. Hoffnung auf ein früheres Ende verbreitet hingegen Bahn-Chef Grube.

Die Geduld von Millionen Bahnkunden wird weiter auf die Probe gestellt: Die Lokführergewerkschaft GDL setzt ihren Rekord-Streik bei der Deutschen Bahn AG auch an diesem Mittwoch in unveränderter Härte fort. Nach Ankündigung der Gewerkschaft sollen über den gesamten Tag erneut rund 3000 Lokführer dem Streikaufruf folgen und ihre Züge stehen lassen. Daran ändert auch die Ankündigung von Bahnchef Rüdiger Grube nichts, der in Berlin einen „neuen Vorschlag zur Befriedung der Lage“ machen will.

„Wir versuchen, die Verhandlungen wieder in Gang zu bringen“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber dem RTL-„Nachtjournal“. „Wir reden über das Wie, die Inhalte dieser Tarifverträge. Über Zeit- und Geldregelungen.“

Bahn-Streik: Mindestens zwei von drei Fernzügen fallen aus

Von dem bis Sonntag angekündigten Streik sind Personen- wie Güterzüge betroffen. Die Passagiere müssen sich wie am Vortag darauf einrichten, dass mindestens zwei von drei Fernzügen ausfallen und die S-Bahnen in den Ballungsräumen nur stark ausgedünnt verkehren. Der Güterverkehr wird bereits seit Montag bestreikt, so dass mögliche Produktionsausfälle wegen fehlenden Nachschubs näher rücken. Fernreisende und Pendler müssen seit Dienstag mit den Folgen der mittlerweile achten Streikwelle im aktuellen Tarifkonflikt zurechtkommen. Der Ersatzfahrplan der Deutschen Bahn funktioniert nach Angaben des Unternehmens aber weiterhin stabil und zuverlässig.

GDL-Chef Claus Weselsky will am Mittag am Kölner Hauptbahnhof zu Streikenden sprechen, sein Stellvertreter Norbert Quitter schon am Vormittag in Frankfurt. Besonders interessant wird dabei die Reaktion der GDL auf den angekündigten Vorstoß der Bahn sein. „Der Tarifkonflikt darf nicht auf dem Rücken unserer Kunden und Mitarbeiter ausgetragen werden“, hat Bahn-Chef Grube erklärt. Die Bahn will im Fernverkehr auch am Mittwoch und Donnerstag etwa ein Drittel des sonst üblichen Verkehrs auf die Schiene bringen.

Bahn-Personalvorstand Weber: Spielen nicht auf Zeit

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hat den Vorwurf zurückgewiesen, in den Verhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL auf Zeit zu spielen. „Das kostet Geld, das kostet Kunden, das macht unsere Mitarbeiter mürbe“, sagte Weber am Mittwoch im WDR-Hörfunk. „Das wäre verantwortungslos, wenn wir auf Zeit spielen würden.“ Hintergrund ist das von der schwarz-roten Bundesregierung geplante Tarifeinheitsgesetz, das den Einfluss der GDL einschränken würde. Die Gewerkschaft wirft der Bahn vor, die Tarifverhandlungen so lange zu verzögern, bis das Gesetz im Sommer in Kraft sei.

Einzelhandel bangt wegen Bahn-Streiks um Kunden

Ihre Belastung hat die Bahn auf 10 Millionen Euro pro Streiktag beziffert, die mittelbaren Schäden für die Wirtschaft sind darin nicht enthalten. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag befürchtet Produktionsausfälle. „Wenn der Streik wie angekündigt sechs Tage dauert, kommen Lieferketten ins Stocken, Lager laufen leer, die Produktion stottert“, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der „Nordwest-Zeitung“ (Mittwoch).

Der Einzelhandel in Bayern befürchtet schlechtere Geschäfte wegen des Lokführerstreiks. Ein Drittel des Umsatzes gehe auf Kunden zurück, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Bayern, Bernd Ohlmann, der Deutschen Presse-Agentur. „Gerade Großstädte wie München leben von ihrer Sogwirkung als Einkaufsstadt.“ Da auch die S-Bahnen vom Streik betroffen sind, blieben viele Kunden aus dem Umland möglicherweise zu Hause.

Vor allem am Wochenende werde man die fehlenden Kunden deutlich spüren. „Der Samstag ist unser umsatzstärkster Tag“, sagte Ohlmann. Den Streik bezeichnete er als „fatales Signal“. „Das ist eine dicke Kröte, die wir da schlucken müssen.“

SPD gegen Zwangsschlichtung im Bahn-Konflikt

Die SPD im Bundestag hat Bahn und Lokführergewerkschaft GDL zu einer raschen Suche nach Lösungen im Tarifkonflikt aufgefordert. „Pendler, Reisende und Arbeitgeber werden in dieser Woche durch den Streik enorm belastet“, sagte die SPD-Arbeitsmarktexpertin Katja Mast der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „So kann es nicht weitergehen.“ Klar sei: „Es braucht jetzt schnell ernsthafte Verhandlungen der Tarifpartner.“ Mast wandte sich gegen Forderungen aus der Union für ein verpflichtendes Schlichtungsverfahren. „Für den derzeitigen Bahnstreik eine Zwangsschlichtung vorzuschlagen ist schnell gesagt, aber wenig durchdacht“, sagte sie. „Das Streikrecht im Grundgesetz ist ein hohes Gut.“ Der fast einwöchige Arbeitskampf soll bis Sonntag dauern.

Der Konflikt ist auch deshalb so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) teils für die selben Beschäftigtengruppen Tarifverträge abschließen wollen. Die Bahn will für die Mitglieder beider Gewerkschaften ähnliche Abschlüsse erzielen.

Bahn-Personalvorstand Weber wandte sich gegen Vorschläge einer Zwangs-Schlichtung, die seiner Ansicht nach auch rechtlich nicht durchsetzbar sein könnte. „Von daher bevorzugen wir ganz klar Verhandlungslösungen, die streben wir an, die müssen wir zustande bringen“, sagte Weber dem „Nachtjournal“. Dafür stehe auch die GDL in der Verantwortung.

dpa

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