Urteil sorgt für Aufmerksamkeit

Auto stürzt in Kanal, Frau stirbt: Gericht verurteilt die Türkei

Nach dem Unfalltod einer Frau muss die Türkei deren Witwer und Tochter 12 000 Euro Entschädigung zahlen. Die Türkei hatte sich stets geweigert eine eigene Schuld zu untersuchen.

Straßburg - Die türkischen Gerichte hätten nicht aufgeklärt, ob die Behörden Verantwortung für den Tod der Frau trügen, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (Beschwerdenummer 54558/11).

Die Frau war als Beifahrerin ihres Mannes gestorben, als der in einer engen Kurve die Kontrolle über seinen Wagen verlor. Das Auto stürzte in einen leeren Betonkanal. Der Witwer und seine Tochter hatten vor Gericht geltend gemacht, dass eine Leitplanke defekt gewesen sei. Nur deshalb sei das Autos überhaupt abgestürzt.

Türkische Gerichte hatten den Unfall dagegen stets damit erklärt, dass das Fahrzeug zu schnell unterwegs gewesen sei. Dafür gebe es jedoch keine Hinweise in den Gutachten, betonten nun die Straßburger Richter. Die Türkei habe mit der Weigerung, eine mögliche Mitschuld am Tod der Frau zu untersuchen, auf Prozessebene gegen das Menschenrecht auf Leben verstoßen. Sowohl die Türkei als auch die beiden Beschwerdeführer können innerhalb von drei Monaten gegen das Urteil vorgehen.

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dpa

Rubriklistenbild: © dpa / Henning Kaiser

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