Flutkatastrophe

Hochwasser in Texas: Furcht vor Bakterien und Chemikalien

Zwei Männer paddeln in Beaumont auf einer überschwemmten Straße in einem Boot. Foto: Carol Guzy
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Zwei Männer paddeln in Beaumont auf einer überschwemmten Straße in einem Boot. Foto: Carol Guzy
Blick auf das überschwemmte Gebiet von Port Arthur im US-Bundesstaat Texas. Foto: Gerald Herbert
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Blick auf das überschwemmte Gebiet von Port Arthur im US-Bundesstaat Texas. Foto: Gerald Herbert
Ein Mann telefoniert auf der Kühlerhaube eines Fahrzeuges, das in einer überfluteten Straße in Houston steht. Foto: Carol Guzy
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Ein Mann telefoniert auf der Kühlerhaube eines Fahrzeuges, das in einer überfluteten Straße in Houston steht. Foto: Carol Guzy
Ein erschöpfter Mitarbeiter eines Suchtrupps schläft neben einem Fahrzeug. Foto: Carol Guzy
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Ein erschöpfter Mitarbeiter eines Suchtrupps schläft neben einem Fahrzeug. Foto: Carol Guzy
Ein Mann rettet in Houston seinen Vogel aus seiner überfluteten Wohnung. Foto: Carol Guzy
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Ein Mann rettet in Houston seinen Vogel aus seiner überfluteten Wohnung. Foto: Carol Guzy
Überflutete Straße in Texas: "Harvey" könnte nach ersten Schätzungen zur teuersten Naturkatastrophe in der Geschichte der USA werden. Foto: Master Sgt. Jason Robertson
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Überflutete Straße in Texas: "Harvey" könnte nach ersten Schätzungen zur teuersten Naturkatastrophe in der Geschichte der USA werden. Foto: Master Sgt. Jason Robertson

Über dem Atlantik rückt mit "Irma" schon der nächste Hurrikan an. In Texas geht das Bangen erst richtig los. Das stehende Wasser könnte zur Zeitbombe werden. Und was sich unter der Wasseroberfläche versteckt, weiß keiner genau.

Houston (dpa) - Während über dem Atlantik schon der nächste Sturm in Richtung Amerika unterwegs ist, wächst in Texas die Furcht vor den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen von "Harvey".

Mediziner warnen vor Gesundheitsrisiken durch verunreinigtes Wasser. Chemie- und ÖlanLagen sind in Gefahr. Die Folgen einer Explosion in einer Chemiefabrik nahe Houston sind noch immer nicht vollends geklärt. In Texas werde es schnell besser. "Aber es ist noch so viel zu tun", twitterte Präsident Donald Trump am Freitag. Er wolle am Samstag erneut ins Flutgebiet reisen.

Gouverneur Greg Abott erklärte am Freitag, in einigen Regionen sei längst noch keine Entwarnung zu erwarten. In der Gegend um die Stadt Beaumont im Osten des Bundesstaates lägen die Wasserhöchststände um rund zwei Meter über den bisherigen Rekorden. "Das wird noch eine Woche lang so bleiben", sagte Abott. Die Stadt werde von außen mit Wasser und Nahrung versorgt. Auch in anderen Gegenden, etwa um die Stadt Richmond, könnten noch Häuser von weiter anschwellenden Flüssen betroffen sein. Auch in Houston, wo das Wasser am Freitag zurückging waren die Bewohner, die unterhalb von Staudämmen angesiedelt sind, noch nicht in Sicherheit. Die Behörden ließen weiterhin kontrolliert Wasser aus den Seen ab, um für eine Entlastung der Systeme zu sorgen.

Einem Bericht der "Washington Post" zufolge dürften weit mehr als die 100 000 Häuser von Flutschäden betroffen sein, die das Weiße Haus am Donnerstag genannt hatte. Allein 93 000 Häuser seien nach Angaben aus Texas außerhalb der Millionenmetropole Houston, der viertgrößten Stadt der USA, betroffen. Die Behörden im Harris County erklärten, allein dort seien 136 000 Gebäude geflutet worden - zehn Prozent des Häuserbestandes. Die Katastrophenschutzbehörde FEMA teilte mit, dass mehr als 440 000 Menschen Anträge auf Nothilfe gestellt hätten. Anträge über 79 Millionen Dollar seien bereits genehmigt.

Über die Zahl der Todesopfer der Flutkatastrophe gab es weiterhin keine Klarheit. US-Fernsehsender wie Fox News und CNN gaben am Freitag die inoffizielle Zahl von 47 Toten an. Die Zahl dürfte weiter steigen. Schätzungen über Sachschäden schossen weiter in die Höhe. Die Experten des Wetterdienstes AccuWeather erwarten inzwischen Schäden in Höhe von 190 Milliarden Dollar.

Der Flugverkehr an den Flughäfen der Region sollte über das Feiertagswochenende in den USA aber wieder aufgenommen werden. "Unser Plan ist, schrittweise zum Normalbetrieb zurückzukehren", teilten die beiden großen Flughäfen der Stadt Houston am Freitag mit.

Feuerwehrleute hatten am Donnerstagabend damit begonnen, alle Häuser in den Flutregionen abzuklappern und nach Überlebenden zu suchen. "Wir kriegen die Kurve", sagte Houstons Bürgermeister Sylvester Turner am Freitag. Allerdings spitzte sich die Situation in einigen Gegenden weiter zu. Wie die Stadt Beaumont waren auch weitere Städte wie Inseln völlig von der Außenwelt abgesperrt.

In vielen Gegenden von Texas wuchs die Gefahr von Seuchen. Messungen hatten ergeben, dass in der braun-grünen Hochwasserbrühe die Richtwerte etwa für Badequalität um mehr als das Hundertfache überschritten wurden. Dies sei an sich noch keine Gefahr, jedoch ein Indikator, dass es zu Bakterien-Problemen kommen könnte, sagten Mediziner. Wegen der großen Mengen stehenden Wassers wurde auch eine Moskito-Plage befürchtet. Die Tiere können das Zika-Virus übertragen.

Neben Trinkwasser wurde auch die Versorgung mit Benzin und Nahrungsmitteln an einigen Stellen knapp, die Benzinpreise stiegen rapide. Gouverneur Abbott sagte, Benzin werde mit Tankwagen aus Nachbarstaaten wie Oklahoma und New Mexico eingeführt, außerdem mit Schiffen über den Hafen Corpus Christi. Außerdem sei eine Pipeline, die normalerweise von Texas nach Oklahoma führt, "umgedreht" worden, so dass sie jetzt Benzin für Texas liefert.

In Port Arthur im Osten von Texas, wo "Harvey" als Tropentief zum zweiten Mal auf Land getroffen war, waren die Supermärkte leer. 75 Prozent der Bewohner in der 55 000 Einwohner Stadt sollen ihre Wohnungen verloren haben. "Unsere größte Sorge ist der Wiederaufbau", sagte Bürgermeister Derrick Freeman. Die Stadt sei in der Vergangenheit von allen großen Hurrikans heimgesucht worden und habe es immer wieder geschafft, sich neu zu organisieren.

Mehr als 42 000 Menschen waren am Freitagmorgen nach Angaben von Abbott noch immer in Notunterkünften untergebracht. Teilweise spielten sich skurrile Szenen ab. Ein Mann in Port Arthur brachte seinen kleinen Affen mit in die Notunterkunft: "Er ist mein Therapie-Tier", erklärte er Journalisten.

Wie die "Washington Post" am Freitag meldete, könnte die Regierung knapp 6 Milliarden Dollar (5 Milliarden Euro) an ersten Hilfsgeldern für die Katastrophenschutzbehörde Fema und Notfallkredite für Kleinunternehmen freigeben. Das Weiße Haus und der Kongress seien darüber im Gespräch, offizielle Beratungen sollen in der nächsten Woche starten. Die 6 Milliarden wären nach dem Bericht nur ein erster Teil eines großen Hilfspaketes. Insgesamt werden Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe erwartet.

Mehr als 80 Prozent der Betroffenen sind nach Schätzungen nicht gegen die Folgen von Hochwasser versichert, weil private Versicherungsunternehmen solche Tarife nicht im Angebot haben. Auch diejenigen mit einer Hochwasserpolice bei der staatlichen Flutversicherung haben Sorgen: Sie gilt wegen einer Häufung von Schadensereignissen in den vergangenen Jahren als chronisch unterfinanziert. Der Heimatschutzberater Trumps, Tom Bossert, erklärte jedoch: "Es ist genug Geld vorhanden."

Am Donnerstag hatten mehrere kleinere Explosionen in einer Chemieanlage nahe Houston für Aufregung gesorgt. Mehrere Polizisten wurden mit Atemwegsreizungen vorübergehend im Krankenhaus behandelt. Um die Anlage wurde eine Sicherheitszone von rund 2,5 Kilometern gezogen, die zunächst beibehalten wurde. Die französische Betreiberfirma Arkema teilte mit, es könne zu weiteren Bränden oder Explosionen der dort gelagerten organischen Peroxide kommen.

"Harvey" war vor einer Woche in Texas erstmals auf Land getroffen. Binnen weniger Tage fielen in dem Staat bis zu 1250 Liter Regen pro Quadratmeter - ein Rekord für das Festland der USA. Zahlreiche Flüsse, darunter der Colorado, traten über die Ufer. Das US-Hurrikan-Zentrum stufte "Harvey" inzwischen zu einem tropischen Tiefdruckgebiet herunter. Überschwemmungen gab es auch in Louisiana. Auch Mississippi, Tennessee und Kentucky rüsteten sich für mögliches Hochwasser.

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