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Wie funktioniert das Krankenkassensystem in der Schweiz?

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Die Schweiz verfügt über ein ausgeklügeltes Krankenkassensystem mit vielen individuellen Möglichkeiten.
Die Schweiz verfügt über ein ausgeklügeltes Krankenkassensystem mit vielen individuellen Möglichkeiten. © pixabay.de © Roy Buri CCO Public Domain

Das Krankenkassensystem der Schweiz ist restriktiv und flexibel zugleich. Dieser Artikel stellt die wichtigsten Merkmale und Besonderheiten dieses Gesundheitsvorsorgesystems vor.

Das Krankenkassensystem der Schweiz zeichnet sich dadurch aus, dass es einerseits restriktiv und andererseits flexibel ist. In der Grundversicherung müssen sämtliche Bewohner der Schweiz versichert sein, sämtliche Zusatzleistungen können hingegen frei gewählt werden. Bei der Auswahl der Krankenkasse spielen unter anderem die Franchise und der Selbsterhalt eine wichtige Rolle. Zudem können die Krankenkassen die Prämien für die Grundversicherung abhängig von bestimmten Faktoren frei wählen. Grundsätzlich stehen verschiedene Versicherungsarten zur Wahl. Eine noch größere Flexibilität ist bei den Zusatzversicherungen gegeben.

Die Grundversicherung ist obligatorisch

Das Krankenkassensystem der Schweiz fußt auf zwei Säulen: der Grundversicherung und den Zusatzversicherungen. Die Grundversicherung ist für alle Bewohner der Schweiz verpflichtend. Zwar können sie sich aussuchen, welche Krankenversicherung sie wählen, ein Verzicht auf einen Versicherungsschutz ist jedoch nicht möglich. Da die Krankenkassen teils erhebliche Unterschiede bei den Prämien und Leistungen aufweisen, ist es sinnvoll, immer einen unabhängigen Vergleich wie den Gidu.ch Vergleich durchzuführen. Hierdurch ist sichergestellt, die individuell beste Versicherung zu finden.

Versicherte genießen bei der Auswahl ihrer Krankenversicherung eine größtmögliche Flexibilität. So können sie sich ihre Wunschkrankenkasse aussuchen und diese darf sie bei der Grundversicherung nicht ablehnen. Hinzu kommt, dass die Krankenkasse jährlich bis Ende November gewechselt werden kann. Somit haben Versicherte die Möglichkeit, von günstigeren Prämien und Bedingungen zu profitieren. Die Leistungen der Grundversicherung sind immer gleich, die Prämien unterscheiden sich jedoch. Abgedeckt sind immer Krankheit, Unfall und Mutterschutz und für Festangestellte ist auch eine Unfallversicherung In der Krankenversicherung enthalten.

Die Franchise kann frei gewählt werden

Die Franchise beschreibt eine Kostenbeteiligung, die Versicherte pro Kalenderjahr zu tragen haben. Diese kann zwischen 300 und 2.500 Franken frei gewählt werden. Somit müssen Versicherte mindestens 300 Franken und höchstens 2.500 Franken ihrer Behandlungskosten selbst tragen, bevor der Versicherungsschutz greift.

Wie hoch die Franchise gewählt werden sollte, hängt von den individuellen Voraussetzungen ab. Wer davon ausgeht, selten krank zu sein und so gut wie nie zum Arzt zu müssen, kann eine hohe Franchise wählen. Hierdurch besteht die Möglichkeit, die monatlichen Prämien für die Krankenversicherung möglichst niedrig zu halten. Wer hingegen immer wieder krank ist und regelmäßige Arztbesuch in Anspruch nehmen muss, sollte eine eher niedrige Franchise wählen, um die entstehenden Kosten nicht selbst tragen zu müssen.

Das gibt es über den Selbstbehalt zu wissen

Der Selbstbehalt ist für alle Versicherten in der Schweiz gleich hoch.
Der Selbstbehalt ist für alle Versicherten in der Schweiz gleich hoch. © pixabay.de © Michael Schwarzenberger CCO Public Domain

Der Selbstbehalt meint die Kosten, die Versicherte selbst tragen müssen, wenn ihre Franchise aufgebraucht ist. Diese beträgt für alle Versicherten unabhängig von der Prämie und der Franchise 10%. Das bedeutet, dass sie von allen anfallenden Behandlungskosten 10% selbst tragen müssen, während 90% von der Krankenkasse bezahlt werden. Hierbei ist zu beachten, dass pro Kalenderjahr maximal 700 Franken Selbstbehalt gezahlt werden müssen. Durch dieses Vorgehen soll ein Anreiz dafür geschaffen werden, Arztbesuche nur dann in Anspruch zu nehmen, wenn diese tatsächlich nötig sind. Überflüssige Behandlungen werden so vermieden und das Krankenkassensystem entlastet.

Die Beitragshöhe können die Krankenkassen frei wählen

Grundsätzlich sind Die Krankenkassen in der Schweiz dazu berechtigt, die Prämien für ihre Leistungen bei der Grundversicherung selbst zu bestimmen. Der Gesetzgeber hat nur verschiedene rechtliche Vorgaben festgelegt, an die sich die einzelnen Versicherungen zu halten haben. in Unterschied zu anderen Ländern, wo es einkommensabhängige Pflichtversicherungen und private Krankenversicherungen gibt, wird der Krankenkassenbeitrag in der Schweiz nicht an das Einkommen gekoppelt, sondern es wird eine sogenannte Kopfprämie erhoben. Hierbei handelt es sich um eine Einheitsprämie, die sich an den vom Bundesamt für Gesundheit festgelegten Altersgruppen und Regionen orientieren muss.

Durch die gesetzlichen Prämien wird beispielsweise zwischen Kindern, jungen Erwachsenen und Erwachsenen unterschieden. Erstere gelten bis 18 Jahre, zweitere bis zum vollendeten 25. Lebensjahr und alle weiteren ab dem 25. Lebensjahr. Die gewählten Prämien sind genehmigungspflichtig, weswegen das Bundesamt für Gesundheit stets kontaktiert werden muss. Über die Wahl der passenden Versicherungsart ist es möglich, Einfluss auf die Prämien zu nehmen und diese zu senken. Außerdem sorgt eine hohe Franchise dafür, dass die monatliche Belastung weniger stark ausfällt.

Verschieden Versicherungsarten stehen zur Wahl

Das Krankenkassensystem der Schweiz arbeitet mit verschiedenen Versicherungsarten, die eine größtmögliche Flexibilität der Versicherten erlauben. So gibt es beispielsweise das Modell der freien Arztwahl, bei dem die Versicherten eine größtmögliche Freiheit genießen. Sie können sich beispielsweise direkt an einen Spezialisten wenden, ohne eine bestimmte Praxis aufgesucht zu haben. Eine weitere Variante bildet das HMO-Modell. Dieses steht für „Health maintenance organization“, (Gesundheitserhaltungsorganisation), und umfasst verschiedene Praxen. Wer krank ist, muss zunächst eine spezielle HMO-Praxis aufsuchen, bevor ein Facharzt aufgesucht werden kann. Diese Einschränkung der Flexibilität wird durch hohe Prämienrabatte wettgemacht.

Eine weitere Variante stellt das sogenannte Hausarztmodell dar. Wer mit seinem Hausarzt besonders gut zurechtkommt, wird von diesem Modell begeistert sein. Im Krankheitsfall müssen die Versicherten zunächst ihren Hausarzt aufsuchen, Verschieden Versicherungsarten stehen zur Wahl. Zu beachten ist, dass nicht alle Hausärzte für das Hausarztmodell ausgewählt werden können. Die Krankenkassen behalten sich ein Mitspracherecht vor. Allerdings sind die Prämienrabatte oft so lukrativ, dass sich viele Menschen für dieses Modell entscheiden. Die Telmed-Modelle sind für alle geeignet, die sich gerne telefonisch beraten lassen. Hier muss eine medizinische Hotline angerufen werden, wenn ein Krankheitsfall vorliegt. Zwar ist eine Ferndiagnose oft schwierig, dafür ist dieses Versicherungsmodell ausgesprochen preiswert.

Große Flexibilität bei den Zusatzversicherungen

Bei den Zusatzversicherungen genießen die Versicherten eine größtmögliche Flexibilität. Alle haben die Möglichkeit, sich freiwillig zusätzlich zu versichern, müssen diese Option aber nicht in Anspruch nehmen.

Bevor eine Zusatzversicherung genutzt werden kann, muss eine Gesundheitsprüfung durchlaufen werden. Es ist ratsam, Zusatzversicherungen möglichst früh abzuschließen. Wenn bereits Beschwerden vorliegen, ist es häufig schwieriger, eine solche Versicherung zu bekommen. Das liegt daran, dass Krankenkassen im Unterschied zur Grundversicherung bei den Zusatzversicherungen Antragsteller ablehnen dürfen. Es ist grundsätzlich möglich, eine Zusatzversicherung bei einem anderen Anbieter abzuschließen, als bei dem demjenigen, bei dem man eine Grundversicherung hat. In jedem Fall ist ein umfassender Krankenkassenvergleich angeraten.

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