Vorsorge und Finanzen

Aktienentwicklung in Europa - Quo vadis?

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Aktienentwicklung in Europa (Symbolfoto)

Ist die Scheu von Anlegern bei Investitionen von europäischen Aktien berechtigt? Und wie hoch ist das Potential bei Wertpapieren aus der europäischen Gemeinschaft wirklich?

Viele Anleger lassen Vorsicht walten und nehmen eine abwartende Haltung ein, was Investitionen in europäische Aktien anbelangt. Eine wichtige Ursache dafür sehen Experten in vermeintlich politischen Risiken im Euroraum und einer unsicheren Auftragslage. Doch ist diese Scheu wirklich berechtigt und wie hoch ist das Potential bei Wertpapieren aus der europäischen Gemeinschaft wirklich?

Europafreundliche Wahlsieger beruhigen Aktienmärkte

Die schlimmste Euro-Krise scheint weitgehend ausgestanden zu sein. Vielmehr wirkte der europäische Wirtschaftsraum gerade im Vergleich zu den USA wie ein Hort der Entspannung. Poltische Risiken, die den Anlegern zuletzt deutliches Kopfzerbrechen bereitet hatten, haben deutlich abgenommen. So konnten sich europakritische Populisten weder bei den Wahlen in Österreich, den Niederlanden noch bei denen in Frankreich durchsetzen. Gerade nach dem Wahlsieg Macrons dürfte vermutlich der Wendepunkt in der Bewertung politischer Risiken erreicht sein. Das aus europäischer Sicht größte Schreckgespenst gilt laut einiger Experten nach diesem Superwahljahr 2017 als gebannt. Etwas Unsicherheit bereiten lediglich die Brexit-Verhandlungen mit Großbritannien. 


Robustes Wachstum in Europa sorgt für positive Stimmung

Analysten zufolge, seien die Wachstumsindikatoren in der Eurozone nach wie vor robust. Daran dürfte sich insbesondere mit Blick auf die übrigen großen Regionen der Welt auch nichts ändern. Mit 1,8 Prozent ist das Bruttoinlandsprodukt in Europa im Jahr 2016 stärker gestiegen als das US-Wachstum, welches sich auf 1,6 Prozent belief. Letztmalig konnte diese Konstellation 2008 beobachtet werden. Die Trendumkehr setzt sich dieses Jahr fort: So stieg das BIP innerhalb der Währungsunion in den ersten drei Monaten um 0,5 Prozent zum Vorquartal und damit doppelt so schnell wie in den Vereinigten Staaten. Die kleiner werdenden Wachstumsunterschiede zwischen den beiden Kontinenten lassen auf ein Aufholpotential europäischer Aktientitel schließen. Nicht zuletzt werden die Börsen auch durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank angetrieben. 


Europäische Banken vor der Trendwende

Die Zeiten, in denen Europas Banken von der Finanzkrise schwer gebeutelt wurden, scheinen lange vorbei. Inzwischen verbuchen einige Großbanken wieder Gewinne auf Vorkrisenniveau. Im Vergleich zum Vorjahr konnte etwa das britische Finanzhaus Barclays im ersten Quartal dieses Jahres ihr Vorsteuerergebnis mit umgerechnet knapp 2 Mrd. Euro mehr als verdoppeln. Auch die RBS, die 2008 während der Finanzkrise verstaatlicht wurde, wies erstmals seit eineinhalb Jahren in ihrer Bilanz einen Quartalgewinn von umgerechnet 307 Mio. Euro aus. Derweil senkte der Staat seinen Anteil an der Bank auf 72,9 Prozent. Einen deutlichen Aufschwung verzeichnet auch die Schweizer UBS, die im Kerngeschäft Vermögensverwaltung ein Umsatzplus von knapp 80 Prozent erzielte. Sogar die schwer angeschlagenen italienischen Banken konnten zuletzt von den jüngsten Wahlergebnissen profitieren.


Euro-Aktien mit attraktivem Kursverhältnis

Einige Anlageexperten erwarten, dass europäische Aktien bald zur Aufholjagd ansetzen. Anlass zu großer Hoffnung bereitet insbesondere auch die moderate Bewertung europäischer Titel. Während US-Aktien zurzeit mit dem 18-fachen ihrer für 2017 erwarteten Gewinne notiert sind, liegt Europas Aktienbewertung bei rund 15. Pari wäre die Bewertung erst bei einem Dax-Stand von 13.500 bis 14.000 Punkten. Neue Rekordstände sind angesichts hervorragender Quartalsergebnisse von Unternehmen wie Daimler, Linde oder SAP keine Utopie. Zurückzuführen ist dies vor allem auf eine Zunahme der Investitionen sowie einen steigenden Konsum, die nach Jahren der Stagnation wieder für Gewinnwachstum sorgen. Derweil revidieren auch weitere Unternehmen ihre Gewinnerwartungen nach oben. 


Indikatoren auf Rekordniveau

Europas Firmen erfreuen sich einer großen Anzahl von Aufträgen und sind demnach gut ausgelastet. Diese Erkenntnis lässt sich diversen Indikatoren, wie etwa dem Markit-Einkaufsmanagerindex entnehmen. Hierin finden sich die wirtschaftlichen Einschätzungen von 5.000 Unternehmen aus dem Euroraum wieder. Europas Vorstände beobachten eine gute Konsumlaune der Verbraucher sowie eine derart hohe Nachfrage aus Europa nach Industriegütern, wie zuletzt im Jahr 2011. Die UBS glaubt deshalb an einen europaweiten Wirtschaftsaufschwung, der zu höheren Löhnen führen dürfte. Marktbeobachter gehen über das gesamte Jahr von zweistelligen Gewinnzuwächsen in Europa aus. Bei einem Vergleich zwischen dem europäischen Index Stoxx 600 und S&P hat der amerikanische Leitindex deutlich das Nachsehen: Während die europäischen Vertreter ihre Ergebnisse um 37 Prozent steigern konnten, hinken die gelisteten US-Unternehmen mit 15 Prozent deutlich hinterher. 


Fazit: Unternehmens- und Wirtschaftsdaten stimmen zuversichtlich

Die Chancen, dass sich europäische Titel besser als die globalen Benchmarks entwickeln, stehen aus Sicht vieler Anlageexperten gut. Begründet wird dies insbesondere mit dem verbesserten konjunkturellen Umfeld, den gestiegenen Gewinnerwartungen der Unternehmen sowie den positiven Wirtschaftsindikatoren. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass sich dieser positive Trend in den kommenden Monaten fortsetzen dürfte.

>>> Weitere Informationen der aktuellen Marktberichte der Deutschen Bank

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