Sportarten mit Gewinnpotenzial

Sportwetten nach der Coronakrise: Wie Randsportarten die Auszeit gemeistert haben

Social Distancing legte den Profisport lahm. Das hatte Auswirkungen auf Sportler und Veranstalter, und auf den Sportwettenmarkt. Der Weg zurück zur Normalität birgt Überraschungen. 

Eine Kickerplatte mit Geld

Mit dem Geschäft rund um Sportwetten hatte ein Milliardenmarkt stark mit der Coronakrise zu kämpfen. Wenn die Bundesliga pausiert und alle großen Sportevents weltweit abgesagt werden müssen, gibt es nichts mehr, auf das es sich wetten lässt. Für die Wettanbieter waren die Monate im Lockdown ein wirtschaftlicher Totalverlust. Denn ein großer Teil der Tippcommunity hielt seine Einsätze über Monate hinweg zurück, aus Mangel an Sportereignissen, auf die es sich zu wetten gelohnt hätte und aus Mangel an finanziellen Mitteln durch eigene wirtschaftliche Einschränkungen. 

Inzwischen hat der Profisport vielerorts seine Arbeit vorsichtig und unter strengen Auflagen wieder aufnehmen können. Das ist nicht nur gesellschaftlich ein großer Gewinn, auch die Sportwettenbranche kann sich seit wenigen Wochen langsam erholen. „Der Re-Start der Bundesliga war natürlich sehr erfreulich“, sagt Mathias Dahms, Präsident des Deutschen Sportwettenverbands, „dennoch sind die Umsätze erst bei etwa zwei Dritteln des Niveaus vor Corona.“ Den Grund für den noch recht zögerlichen Aufschwung sieht er darin, dass das Geld für Sportwetten in den meisten Haushalten aus dem Budget für Freizeitgestaltung entnommen wird. Dieses, so Dahms, sei aufgrund von beruflichen Engpässen aber nicht mehr so gut bestückt. Außerdem ist ein Freizeitverhalten im Rahmen der gewohnten Realität aktuell nur eingeschränkt möglich und findet auch nur langsam wieder einen Weg in das Bewusstsein der Verbraucher. 

Den Aufschwung sieht der Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes allerdings als positives Signal für die Branche und für die gesamte Wirtschaft. Ein Signal, das zumindest hier in Deutschland zu einem beträchtlichen Teil des Wiedererwachens des Fußballs zu verdanken sei. Mehr als 90 Prozent der aktuell wieder platzierten Sportwetten schreibt Dahms dem runden Leder zu, das die Deutschen so lieben. Aber auch andere Sportarten kehren zurück zu ihren Fans. Wie stark sich die gesamte Branche inzwischen zu erholen scheint, zeigen die besten Wettanbieter im Vergleich. Und auch mit ein paar neuen Shootingstars kann sich die Wettbranche seit dem Ausnahmezustand rühmen, denn im Bereich Sportwetten gab es durchaus ein paar Überraschungen, mit denen die Branche nicht gerechnet hatte. 

Volleyball: Mit Strategie zum Wettsieg

Volleyball gehört als Sportart zu den Gewinnern der Neuorientierung auf dem Sportwettenmarkt. Der beliebte Mannschaftssport aus den USA hat zwar seit Jahren einen festen Platz in den Wettbüros, hinkte im Hinblick auf Interesse und Quoten aber lange Zeit etwas hinter Publikumsliebling Fußball und anderen Sportarten hinterher. Inzwischen ist Volleyball zu den beliebtesten Sportarten der Deutschen avanciert, sowohl auf dem Platz als auch bei den Buchmachern. 

Viele Anbieter haben ihr Repertoire auf diesem Gebiet stark ausgebaut, um der regen Nachfrage gerecht werden zu können. Volleyballfans können nicht nur auf die hiesige Volleyball Bundesliga wetten, sondern auch auf viele andere Sportevents. Ganz oben auf der Beliebtheitsskala steht die italienische Serie A1 und natürlich die Weltliga, die inzwischen international zu den Sportevents der Spitzenklasse gehört. 

Im Volleyball gibt es ausschließlich Zweiweg-Wetten, da die Sportart als Ergebnis einer Partie kein Unentschieden zulässt. Wettfans können auf Sieg oder Niederlage einer Mannschaft setzen oder auf einzelne Sätze innerhalb der Begegnung. Ein Trend, der bereits vor der Coronakrise deutlich spürbar war, ist ein wachsendes Interesse an Live-Wetten. Mit der schrittweisen Rückkehr zu regelmäßigen Sportevents dürfte auch der Anteil der Live-Wetten im Volleyball wieder stark zunehmen. 

Tischtennis als neuer Überraschungsfavorit

Tischtennis galt lange als Randsportart, die um das Interesse einer breiten Fangemeinde kämpfen musste. Grund dafür waren unter anderem die sich häufenden Dopingskandale rund um Spieler und Vereine. Inzwischen konnte der Sport mit seinem schlechten Ruf gründlich aufräumen und hat dadurch stark an Beliebtheit gewonnen. Heute gilt Tischtennis als eine Sportart, in der Sportsgeist wichtiger ist als der Unterhaltungswert und steile Karrieren der Akteure. Außerdem haben die Dopingskandale dazu geführt, dass die Branche mittlerweile großen Wert auf fair ausgetragene Turniere legt. 

In den Wettbüros wird Tischtennis in der jüngeren Vergangenheit regelrecht als Shootingstar der Branche gewertet. Auf vielen renommierten Wettplattformen hat sich die Sportart in die Liga der Spitzenreiter vorgearbeitet. Für Wettexperten ist diese Entwicklung eine echte Überraschung, den lange Jahre hatte kaum jemand die früher recht abwertend als Ping Pong bezeichnete Sportart auf dem Schirm. 

Ein Tischtennisspieler holt zum Schlag aus.

Auch in den Medien wurde Tischtennis eher am Rande abgehandelt und auch heute noch liegt die Medienpräsenz des Sports weit hinter Giganten wie Fußball oder Tennis zurück. Wettanbieter werten diesen Umstand allerdings eher als Vorteil, denn eine Sportart, die in Medien weniger präsent ist, garantiert ein äußerst diskretes Wettvergnügen. 

Für Wettfans sind die Gewinnchancen besser kalkulierbar als in vielen anderen Sportarten, denn die strengen sportlichen Rahmenbedingungen lassen wenig Raum für spektakuläre Überraschungssiege. Hier stehen die Spieler im Fokus und die individuellen Techniken, die im Zweikampf direkte Auswirkungen auf den Spielverlauf haben. Die Gewinnquoten sind dagegen durchaus attraktiv und versprechen schon bei kleinen Einsätzen hohe Gewinnspannen. 

eSport bleibt weiter Stiefkind

In den Hochzeiten der Coronakrise hat sich das gesellschaftliche Leben in vielen Bereichen in den virtuellen Raum verlagert. Auch online Sportereignisse erlebten einen starken Aufschwung. Für eSport-Fans war dies möglicherweise ein positives Signal in eine Richtung, die sie sich schon seit langem erhoffen. Denn seit Jahren kämpft diese innovative Branche darum, als Sportart anerkannt zu werden. Bis heute hat der Deutsche Olympische Sportbund dem weiten Feld der eSports die Anerkennung als Sportart allerdings verweigert. Grund dafür ist eine Formulierung in der Aufnahmeordnung des Bundes, nach der es für die Anerkennung einer Sportart festgeschrieben ist, dass ihr Ziel und Selbstzweck „eine eigene, sportartbestimmende motorische Aktivität“ sein müsse. Die Grenze ist dünn, aber erkennbar:

„Unter „Sport“ wird eine nach bestimmten Regeln, regelmäßig im Wettkampf ausgetragene, aus Freuden an Bewegung und Spiel, zur körperlichen Ertüchtigung ausgeübte körperliche Betätigung verstanden (Quelle: Duden).

eSport ist das wettbewerbsmäßige Spielen von Computerspielen. Zwar erfolgt hier ein nach Regeln organisierter Wettkampf, der wohl auch aus Freude am Spiel ausgetragen wird und für den auch eine gewisse körperliche Betätigung erforderlich ist (der Wettkampf wird mittels Controller/Joystick ausgetragen).“ (Quelle: https://www.anwalt.de

Hier stößt der eSport immer wieder an Grenzen, die ihm die offizielle Anerkennung verweigern. Das hat auch Auswirkungen auf das Wettangebot. Denn es ist durchaus möglich, auf virtuelle Sportereignisse zu wetten, als Sportwette im Sinne des deutschen Glücksspielrechtes gelten diese Einsätze allerdings nicht. Das Problem ist die gültige Lizenz einer zuständigen Aufsichtsbehörde, durch die Sportwetten in Deutschland legal angeboten werden dürfen. Die werden im Bereich eSport aber nicht vergeben, solange die Sportarten nicht als solche anerkannt werden. 

Für Wettfans und Anbieter bedeutet das konkret, dass Verbraucher Verluste, die durch das Platzieren einer Wette im Bereich eSport entstanden sind, sogar zurückfordern dürften, da das Angebot nicht in den regulierten Bereich der Sportwetten fällt. Das macht das Wetten auf virtuelle Sportereignisse insbesondere für Wettanbieter uninteressant. 

Der eSport bleibt trotz seines enormen Potenzials und einer stetig wachsenden Fangemeinde also auch im Hinblick auf den Sportwettenmarkt ein Stiefkind, das weiter um Anerkennung kämpft. Die riesigen eSport-Wettkämpfe wie die ESL-One-Turniere in Köln und Hamburg, der League of Legends European Championship (LEC) oder das PUBG Global Invitational haben sich allerdings weltweit zu Events der Spitzenklasse entwickelt. Die Perspektive für den Bereich eSport ist in einer immer digitaleren Welt also durchaus vielversprechend. 

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