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Richtig so oder viel zu wenig? So viel Steuern zahlen Profisportler wirklich

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Von: Jasmin Pospiech

Die Fußball-WM 2018 in Russland läuft noch bis zum 16. Juli. Das Preisgeld für die Teilnahme der Mannschaften ist so hoch wie nie. Doch wie sieht es mit Steuern aus?

Die Fußball‐WM in Russland ist in vollem Gange. 32 internationale Mannschaften kämpfen um einen  Pokal und noch mehr um die gigantischen Preisgelder der Fifa. Dieses Jahr soll die Rekordsumme von  umgerechnet circa 325 Millionen Euro ausgeschüttet werden. Die Siegprämie der Mannschaften  variiert in Abhängigkeit davon, wie weit sie sich vorkämpfen. 

Wer in der Vorrunde ausscheidet, geht mit knapp sieben Millionen Euro nach Hause. Der Vize‐Weltmeister darf sich auf 24 Millionen Euro freuen und der WM‐Sieger wird ganze 33 Millionen erhalten. Die gewonnenen Preisgelder werden zwischen  dem DFB, der DFL und den Spielern aufgeteilt. Für den Weltmeistertitel 2014 in Brasilien bekamen  die Spieler jeweils eine Prämie von 300.000 Euro. Für die Verteidigung des Weltmeistertitels 2018 hat  der DFB sogar eine Prämie von bis zu 350.000 Euro je Spieler ausgelobt.  

Welches Land kassiert Steuern? 

Einem normalen Arbeitnehmer dürfte bei diesen hohen Summen schwindelig werden. Da stellt sich  gern die Frage, wie das Geld besteuert wird und was einem Spieler nach Abzug der Steuern davon  noch bleibt. Zunächst einmal hat Russland das Vorrecht, auf die erzielten Preisgelder Steuern zu  erheben, muss davon aber nicht zwingend Gebrauch machen. "Hat ein Spieler in Deutschland seinen  Wohnsitz, ist er dort steuerpflichtig", erklärt Robert Dottl, Vorstandsvorsitzender der Lohnsteuerhilfe  Bayern e. V. (Lohi). Also berechnet der deutsche Fiskus die Steuern, die auf die Prämie anfallen.  Wurde sie in Russland schon versteuert, wird die bereits gezahlte Steuer auf die deutsche Steuerlast  aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens angerechnet. Falls es eine Differenz gibt, profitiert  der deutsche Staat davon.

Mannschaftssportler sind Angestellte 

Mannschaftssportler, wie Fußballer, Volleyballer oder Handballer werden steuerlich mit  Arbeitnehmern gleichgestellt. "Ihr Einkommen stellt nach § 19 EStG Einkünfte aus  nichtselbstständiger Arbeit dar" so der Steuerexperte. Profisportler, auch Saisonspieler, haben mit  einem Verein einen Arbeitsvertrag auf Zeit geschlossen. Als Angestellte ihres Vereins stellen Sie ihre  Arbeitskraft zur Verfügung und sind an Weisungen ihres Vereins, feste Trainingszeiten und den  Spielplan gebunden. Die Spieler tragen kein unternehmerisches Risiko und haben Anspruch auf  Urlaub und Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Wie sieht die Steuererklärung der Spieler aus? 

Ihr Haupteinkommen, die Wettkampfprämien inbegriffen, mit dem die Spieler ihren Lebensunterhalt  bestreiten, erzielen sie mit dem Sport. Ihren steuerpflichtigen Arbeitslohn erhalten  sie von ihrem Verein. Die Lohnsteuer wird daher auch abgezogen. Die WM-Prämie  wird vom Verband bezahlt, jedoch dem übrigen Arbeitslohn zugerechnet und unterliegt so auch dem  Lohnsteuerabzug des Vereins der Spieler.   "Wie in jedem anderen Beruf lassen sich im Sport z. B. Werbungskosten bei der Einkommensteuer  absetzen", so Robert Dottl. Dazu zählen selbst zu tragende Fahrtkosten zum Training oder Turnier,  Hotelkosten, Ausgaben für Sportbekleidung, Versicherungen und das Honorar für ihren Manager.  Oftmals erhalten Profisportler nebenbei Vergütungen für Werbeleistungen, TV‐Auftritte oder  Lizenzhonorare. Diese fallen unter gewerbliche Einkünfte und sind nach § 15 EStG zu versteuern,  selbst wenn der Werbeauftritt im Trikot der Nationalmannschaft oder des Vereins erfolgt.  

Flucht in eine Steueroase möglich?

Viele glauben, dass Profisportlern die Flucht in eine Steueroase vorbehalten ist. Hier darf der Leser  beruhigt sein, denn verlagert ein Sportler seinen Wohnsitz in ein Niedrigsteuerland und spielt  weiterhin für einen deutschen Verein, so wird er die folgenden zehn Jahre nach seinem offiziellen  Umzug weiter wie ein Inländer besteuert. Seine Einnahmen fallen nach dem Außensteuergesetz  unter die erweiterte beschränkte deutsche Steuerpflicht und es ändert sich für den Zeitraum von  zehn Jahren erstmal nichts. "Er bleibt also weiterhin dem unbeschränkt steuerpflichtigem Deutschen  gleichgestellt", resümiert Robert Dottl.   

Lesen Sie auch: So viel Preisgeld kassieren die Fußball-Mannschaften für ihren Auftritt bei der WM.

jp

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