Die Angst geht um

Müssen Sparer jetzt mit Negativzinsen rechnen?

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Wie geht es auf dem Finanzmarkt jetzt weiter? Sparer bezahlen bereits für ihr Guthaben auf dem Sparbuch. Bekommen Kreditnehmer in Zukunft eine Prämie, wenn sie einen Kredit aufnehmen?

Absurde Situation: Sparer mit einem großen Guthaben auf dem Spar- oder Tagesgeldkonto zahlen an die Bank, damit diese das Guthaben verwahrt. Kreditnehmer hingegen zahlen kaum noch Zinsen.

Die letzten Monate ist die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ein großes Thema in den Finanzmedien. Die Null-Prozent-Zins-Politik hat dazu geführt, dass die Banken keine Zinsen mehr für Spareinlagen auf dem Sparbuch oder Guthaben auf dem Girokonto bezahlen. Im Gegenteil: Diese Zinspolitik hat dazu geführt, dass Banken Negativzinsen verlangen und die Kunden nun „Verwahrgebühren“ für größere Geldbeträge zahlen müssen. Die Negativzinsen klingen absurd, doch sie haben auch eine positive Seite. Die Kredite werden immer günstiger. Es könnte sogar bald Kredite mit Negativzinsen geben.

Leider nur graue Theorie – Kredite mit Negativzinsen

Theoretisch ist es denkbar, dass Banken in Erwägung ziehen, Kreditnehmern ein Darlehen mit Negativzinsen anzubieten. Aber es wird eher die Ausnahme sein. In der nächsten Zeit ist es noch nicht absehbar, dass Kunden, die einen ganz normalen Ratenkredit beantragen möchten, wirklich keine Zinsen zahlen oder sogar eine Prämie bekommen. Sie sind deshalb weiterhin gut beraten, die Zinsen und Konditionen der verschiedenen Angebote ausgiebig zu vergleichen, bevor sie sich für einen Anbieter entscheiden. Bei den zu vergleichenden Leistungsmerkmalen sind allerdings nicht nur die Zinsen von Bedeutung. Weitere wichtige Merkmale sind:

  • schnelle Auszahlung 
  • kostenfreie Möglichkeit für Sondertilgungen 
  • flexible Raten

Nicht alle Leistungsmerkmale sind für jeden Kunden gleichermaßen relevant, das kommt auf die persönliche Situation an. Entsprechend individuell sollte dieser Vergleich erfolgen. Es gibt nicht „den“ besten Kredit, wichtig sind immer die individuellen Rahmenbedingungen. Wer hier ein wenig die Augen offen hält, hat 2020 sicherlich keine Probleme, einen günstigen Kredit zu finden. Einfacher werden die Vergleiche mit etwas elektronischer Unterstützung, wie beispielsweise ein Vergleich der Anbieter für Kredite mithilfe von Verivox. Zinsvergleiche im Internet helfen, besonders preiswerte Kreditangebote zu finden. Das gilt nicht nur für Verbraucherkredite, sondern auch für Baufinanzierungen. Je nach Kreditsumme und Laufzeit kann sich der Unterschied schnell auf mehrere tausend Euro belaufen.

Wie Zinsen funktionieren

Genau genommen sind Zinsen eine Entlohnung dafür – ein Anreiz sozusagen –, jemandem Geld zu leihen. Wer Geld bei der Bank anlegt, bekommt für das überlassene Kapital eine Entlohnung in Form des Guthabenzinses. Durch das Arbeiten mit dem überlassenen Geld, versucht die Bank mithilfe der Zinsdifferenz Gewinn zu erzielen. Sie verleiht beispielsweise das Geld an andere Kunden oder investiert es am Kapitalmarkt. Die Zinsdifferenz resultiert aus der Differenz zwischen den Guthabenzinsen, die die Bank zahlt, und den Kreditzinsen oder Kapitalmarktzinsen, die die Bank für ihre Transaktionen erhält.

Zinsen können auch andersherum funktionieren. Der Kunde nimmt Geld bei der Bank auf und zahlt für das überlassene Geld einen Zins an die Bank – die Kreditzinsen oder Sollzinsen. Bei genauerer Betrachtung sind auch Mietzahlungen Zinsen. Eigentümer verpachten Wohnraum an Mieter, diese Zahlen eine monatliche Entschädigung in Form von Mietzinsen. Zinsen sind genau genommen der Preis für geborgte oder überlassene Geld- oder Sachwerte. Für Schuldner, die Zinsen zahlen müssen, sind Zinsen Kosten. Für Gläubiger, die Zinserträge erhalten, sind es Erträge, für die sie am Ende Steuern zahlen müssen.

Negativzinsen sind kein Novum 

Ein Darlehen mit Negativzinsen ist nicht so neu wie die meisten denken. In den letzten Jahren gab es bereits verschiedene Werbeaktionen einzelner Anbieter. Bei diesen Angeboten waren allerdings ganz bestimmte Kriterien vorgegeben, die jeder Kreditnehmer zu 100 Prozent erfüllen musste, ansonsten gab es kein Geld. Darüber hinaus war das Angebot auf eine geringe Kreditsumme beschränkt. Heute ist es allerdings so, dass beispielsweise die staatliche Förderbank KfW Angebote mit Negativzinsen in Erwägung zieht. 

Wie entstehen die Negativzinsen? 

Die aktuelle Zinspolitik der EZB macht das Szenario mit den Negativzinsen möglich. Geschäftsbanken haben seit 2016 null Prozent Refinanzierungskosten. Das bedeutet, diese Banken können sich jederzeit kostenfrei Geld bei der EZB leihen. Außerdem zahlen die Geschäftsbanken mittlerweile Strafzinsen, wenn sie bei der EZB Geld deponieren. Das passiert immer dann, wenn die Einlagen die Kunden mehr Geld auf der Bank deponiert haben als die Banken investiert haben (beispielsweise in Kredite). Die Hauptgründe für das Negativ-Zins-Szenario sind also die fehlenden Refinanzierungskosten und die Strafzinsen auf Einlagen bei der EZB. Es lohnt sich für eine Bank, den Kunden eine kleine Prämie zu zahlen, wenn sie einen Kredit in Anspruch nehmen. Auf diese Weise können sie vermeiden, ein zu hohes Guthaben bei der EZB anzusammeln. Ob die Geschäftsbanken diese Möglichkeit tatsächlich nutzen, ist abzuwarten. 

Tiefzinsphase ist positiv für Kreditnehmer 

Kreditnehmer freuen sich über das billige Geld. In den letzten Jahren sind die Zinsen sowohl für Verbraucher- wie auch für Immobiliendarlehen stark gesunken. Vor etwa zehn Jahren lag der Zinssatz für einen Verbraucherkredit noch bei über acht Prozent. Heute liegen die Zinsen deutlich unter der Fünf-Prozent-Marke. Wie niedrig die Zinsen am Ende sein können, hängt von der Risikobewertung, also der Bonität, des Kunden ab. Ein Ende der Null-Zins-Politik der EZB ist angesichts der wirtschaftlichen Lage im südlichen Europa derzeit noch nicht abzusehen. 

Was tun Verbraucher jetzt mit ihrem Sparstrumpf? 

Abbildung 3: Verbraucher sollten lernen umzudenken. Lebensversicherungen oder Festgeldkonten bieten kaum noch Rendite, der Aktienmarkt schon.

Es gilt nach wie vor, dass jeder ein gewisses finanzielles Polster haben sollte, idealerweise in Höhe von drei Monatsgehältern. Dieses Geld sollte auch weiterhin auf Sparbüchern oder Tagesgeldkonten liegen, um kurzfristig verfügbar zu sein. Hier müssen die Verbraucher niedrige Zinsen in Kauf nehmen. Wer allerdings Geld für längerfristige Geldanlagen hat und langfristig Vermögen aufbauen möchte, beispielsweise für die Altersversorgung, muss heute umdenken. Verbraucher erhalten an den Aktienmärkten eine viel bessere Rendite. Zum richtigen Sparen fürs Alter hat das Börsenmagazin der ARD Tipps zusammengestellt. Dabei ist es wichtig, das Geld nicht komplett in eine Aktie zu investieren, sondern das Portfolio breit zu diversifizieren. Außerdem sind die Kosten im Blick zu behalten.

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