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Gasversorger kündigt? Kunden können mehrere Hundert Euro herausschlagen

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Von: Karolin Schäfer

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Zahlreiche Gasversorger haben angesichts der Energiekrise Verbrauchenden gekündigt. Den dadurch entstandenen Schaden können sich Kunden aber zurückholen.

Frankfurt – Lieferstopps, steigende Preise und dazu noch die Gasumlage – Die Energiekrise lässt verzweifelte Kundinnen und Kunden zurück. Die Sorge, irgendwann die Strom- und Gaskosten nicht mehr bezahlen zu können, wächst. Doch was, wenn der Gasversorger plötzlich den Vertrag kündigt?

Das ist einer Reihe von Haushalten passiert, die ihre Verträge bei günstigen Anbietern wie immergrün, Stromio oder gas.de abgeschlossen hatten, berichtete die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW). Die „historisch einmalige Preisentwicklung im Erdgasmarkt“ habe gas.de dazu gezwungen, im vergangenen Winter alle Kundinnen und Kunden zu kündigen, berichtet unter anderem der Focus.

Energiekrise: Kurzfristige Kündigung von Versorgern nicht rechtmäßig

Angst, dass mit der Kündigung der Gashahn zugedreht wird, müssen Verbrauchende zumindest nicht haben. Kundinnen und Kunden fallen dann in den Tarif ihres Grundversorgers. Angesichts der Energiekrise kann das allerdings ziemlich teuer werden.

Die Energiekrise wird für viele Haushalte zur Belastung.
Die Energiekrise wird für viele Haushalte zur Belastung. © Uli Deck/dpa/ (Montage)

Die kurzfristige Kündigung des Energieliefervertrages scheint aber nicht rechtens zu sein. „Nach Auffassung der Verbraucherzentrale existiert keine Rechtsgrundlage für die kurzfristige außerordentliche Kündigung der Lieferverträge, die mit steigenden Beschaffungskosten begründet wird“, hieß es aus NRW. Damit seien derartige Kündigungen „unzulässig“.

Energiekrise: Wiederaufnahme der Gaslieferung rechtlich möglich

Nach Angaben der Verbraucherzentrale ist die Wiederaufnahme der Belieferung rechtlich möglich, da die Unternehmen nicht insolvent sind. Sollte sich der Versorger weigern, kann die Wiederbelieferung von Gas gerichtlich durchgesetzt werden. Allerdings rät die Verbraucherzentrale, vorab zu prüfen, ob sich Kosten und Aufwand lohnen. Ein Anbieterwechsel kann hier sinnvoll sein.

In jedem Fall könnten aber Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Verbrauchende können für den Schaden durch unzulässige Kündigungen des Gasanbieters Entschädigung verlangen. „Die Höhe des Schadensersatzes richtet sich nach den Mehrkosten. Diese ergeben sich aus der Differenz zwischen dem bisherigen Tarif und dem neuen Tarif des Grundversorgers oder alternativen Energieversorgers für den zu erwartenden Energieverbrauch während der Restlaufzeit des bisherigen Vertrages bzw. der Preisgarantie“, informierte die Verbraucherzentrale.

Landgericht Düsseldorf sieht Chancen bei Klagen

Auch das Landgericht Düsseldorf sieht die kurzfristigen Kündigungen skeptisch. „Die Klage dürfte nach derzeitigem Sach- und Streitstand auch in der Sache grundsätzlich Aussicht auf Erfolg haben“, lautete es in einer Gerichtsverfügung, die der Welt am Sonntag vorliegt. Dementsprechend dürften Versorger das Preisrisiko nicht auf Haushalte abwälzen.

Die Verbraucherzentrale Hessen bietet inzwischen eine Musterfeststellungsklage gegen den Versorger Stromio an. Dem Verfahren können sich Verbrauchende ganz einfach anschließen. Dafür müssen sich Betroffene nur ins Klageregister beim Bundesamt für Justiz eintragen lassen. Die Ansprüche müssen aber im Fall einer erfolgreichen Klage individuell von Kundinnen und Kunden geltend gemacht werden. Der Verbraucherzentrale zufolge könne sich das aber lohnen. Verbrauchende könnten durchschnittlich mit mehreren Hundert Euro Entschädigung rechnen, wie Focus berichtete.

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