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Schnaken-Plage 2021: Experte warnt – „Aggressiver als Hausmücken“

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Von: Tobias Becker

Schnaken sitzen auf dem Arm einer Frau.
Schnaken-Plage 2021 in Baden-Württemberg? © Patrick Pleul/dpa

Baden-Württemberg - Das Hochwasser und der viele Regen haben zur Schnaken-Plage beigetragen. Aber den Mücken eilt ein schlechter Ruf voraus und der Schutz ist einfach.

Sie summen am Ohr vorbei. Sie lassen uns nicht schlafen. Ihre Stiche jucken. Und sie gehen den meisten Menschen in Baden-Württemberg tierisch auf die Nerven: Schnaken, Mücken, Moskito! Allein der Gedanke an die ungebetenen Gäste lässt uns aufstöhnen. Wer dieser Tage nicht von mindestens einer Schnake gestochen wurde, gilt schon fast als Ausnahme, denn: 2021 scheint das Jahr der Mücken zu sein. Aber warum? Und wie gefährlich sind Schnaken eigentlich? HEIDELBERG24 hat Antworten auf diese Fragen gesucht.

Schnaken/Mücken im Steckbrief
KlasseInsekten
OrdnungZweiflügler (Diptera)
UnterordnungMücken

Gibt es eine Schnaken-Plage 2021 in Deutschland?

2021 herrscht eine Schnaken-Plage - oder doch nicht? Mücken-Expertin Dr. Doreen Werner vom Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung: „Wir haben keine Mückenplage. Eine Plage heißt: 20 Mückenstiche pro Minute oder mehr. Da sind wir noch nicht, aber da wir alle ein individuelles Empfinden haben, fühlen wir uns geplagt und belästigt.“ Heißt: Keine Mücken-Plage im wissenschaftlichen Sinn, aber für viele Menschen sind die Schnaken dennoch eine Plage.

Das Hochwasser, der viele Regen und die feuchten Gebiete, die es so in den vergangenen Jahren nicht gab, bieten die idealen Brutplätze für Stechmücken. „In den letzten beiden Jahren hatten wir gefühlt kaum Stechmücken. Durch die Überschwemmungen und das Hochwasser kommen jetzt auch noch Überschwemmungsmücken dazu, die aggressiver sind als Hausmücken“, erklärt Dr. Werner.

Die Menschen, die an Rhein und Neckar wohnen, trifft die Mücken-Plage besonders heftig - aber nicht nur dort ist das Gesumme groß. Dr. Werner zu HEIDELBERG24: „Hausmücken treten im April und Mai auf, die Weibchen legen die Eier ab und bauen über den Sommer ihre Population auf. Jede Mücke kann so fünf- oder sechsmal Eier ablegen mit je 300 Eiern pro Ablage. Im August und September erreichen sie ihr Maximum.“

Schnaken-Plage 2021: Nicht jede Mücke sticht!

Wichtig zu wissen, ist auch: Nicht jede Schnake sticht. So leben in Deutschland 28 verschiedene Mückenfamilien, von denen nur drei Familien eine Art beherbergen, die blutsaugend umherschwirrt. Diese Schnaken-Arten sind in Deutschland am meisten verbreitet:

Die wohl häufigste Art wird als Gemeine Hausmücke bezeichnet. Wer kennt sie nicht? Sie schwirrt meist in der Dämmerung und nachts umher und lebt vor allem in der Nähe von Häusern. Übrigens: Wenn Du nicht weißt, welche Mücke bei Dir zu Hause ihr Unwesen treibt, dann lass es doch untersuchen. Das Projekt Mückenatlas sucht Mückenjäger. Das Prinzip ist einfach: Gut erhaltene Mücke einsenden und kurze Zeit später gibt es eine Antwort.

Schnaken und Steckmücken: Angst vor Krankheiten - so hoch ist das Risiko in Deutschland

Angst vor Krankheiten, die übertragen werden, müssen wir Menschen nicht unbedingt haben. „Die Krankheit ist das, was man nachher sieht. Mücken übertragen Krankheitserreger. Da sind die invasiven Arten ganz oben zu finden, aber nur, weil sie sehr gut untersucht sind. “, erklärt Mücken-Expertin Dr. Werner. Mücken werden zudem erst mit Erregern konfrontiert, wenn sie beispielsweise an infizierten Menschen Blut saugen.

Eine Mücke, über die aktuell viel gesprochen wird, ist die Asiatische Tigermücke. Sie zählt zu den invasiven Arten, die inzwischen in der heimischen Fauna angekommen ist, ebenso wie die Asiatische Buschmücke. Beide gelten als potenziell geeignete Überträger von tödlichen Krankheiten. Aber: Das Risiko hierzulande durch eine Mücke mit einem gefährlichen Virus infiziert zu werden, ist zwar nicht bei null Prozent, bislang jedoch gering.

So schützt man sich vor Schnaken und Stechmücken

Dennoch stellt sich natürlich die Frage, wie man sich am besten gegen Schnaken schützen kann - vor allem zu Hause. Eine der einfachsten und effektivsten Methoden sollen Insektennetze vor den Fenstern sein. Kleiner Tipp: Fensterrahmen erst säubern, damit die Netze länger halten.

Auch das vermeiden von Brutstätten hilft. „Stehendes Wasser zieht Stechmücken an und dient als Brutstätte. Das kann ein Blumenuntertopf sein, eine Regentonne. Dort liegen zahlreiche Ei-Schiffchen mit rund 300 Eiern pro Schiffchen“, erklärt Dirk Reichle, Wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS).

Eine asiatische Tigermücke sticht zu (Symbolfoto)
Schnaken-Plage 2021! Das Hochwasser hat die Mücken-Population gefördert. © picture alliance/shutterstock/Hermes Arzneimittel GmbH/obs

Ob auf dem Balkon, der Terrasse oder im Garten, solche Brutstätten sind überall möglich. In den Hochmonaten gilt laut Reichle: „Wenn an da eine Woche nachlässig wird, dann entwickeln sich die Stechmücken wieder.“ Die Verbreitung in Flussnähe wurde dieses Jahr durch die Hochwasser sehr gefördert und machte es der KABS schwerer, dagegen vorzugehen.

Schnaken-Plage 2021: Hilft ein kalter Winter?

Nun stellt sich noch die Frage: Hilft ein kalter Winter gegen die Schnaken-Plage? Laut Reichle nicht. „Das ist ein Märchen, das seit Ewigkeiten fortgesetzt wird“, so der KABS-Mann. Ein kalter Winter sorgt dafür, dass das ein oder andere Ei abstirbt, aber: „Die Masse überlebt, denn Stechmücken-Eier liegen im Boden und sind extrem kältetolerant und trockenresistent.“

Mücke im Schnee
Kalte Winter schaden Mücken-Eiern kaum. © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Als Beispiel sieht der Mücken-Experte aus Speyer die skandinavischen Länder oder auch Sibirien. Reichle: „Dort gibt es im Sommer auch viele Schnaken. Das zeigt, wie gut sich diese Stechmücken an ihre Umgebung angepasst haben.“

Mücken-Plage 2021: Schnaken mit schlechtem Image, trotz Nutzen

Ganz loswerden, werden wir die Schnaken und Mücken in Baden-Württemberg wohl nicht, aber das ist auch nicht schlimm. Tatsächlich sind Mücken sogar ziemlich nützlich. Durch Stechmücke, Kriebelmücke und Gnitzen haben sie nur einen schlechten Ruf.

Für viele andere Tiere stellen Mücken eine wichtige Nahrung dar, vor allem für Fische und Wassertiere. Außerdem bestäuben sie Pflanzen, wie beispielsweise die Gallmücken Kakaobäume in Mittel- und Südamerika. Schnaken sind also mehr als nur eine Plage, sondern haben in gewisser Hinsicht auch einen Nutzen.

Wann ist die Schnaken-Plage 2021 zu Ende?

Nun stellt sich noch die Frage: Wann ist die Schnaken-Plage in Heidelberg und der Region vorbei? Das kann schon bald der Fall sein, denn die letzte Hochwasser-Welle am Rhein und Neckar ist schon ein paar Wochen her, so dass die Brutstätten der Überschwemmungs-Mücken weniger werden. Schnaken-Weibchen leben rund vier bis sechs Wochen. was wiederum bedeutet, dass in den kommenden Wochen wohl auch die Schnaken-Population zurückgehen wird.

Schnaken, Mücken im Schwarm
Ein bekanntes Bild: Schnaken-Schwärme wie diesen, gibt es im Sommer häufig zu sehen - vor allem an Wasserstellen. © picture alliance/dpa

Aber Dirk Reichle, der mit seinem Team der KABS seit Frühjahr die Mücken bekämpft, gibt zu bedenken: „Hausmücken kann es das ganze Jahr geben.“ Es kommt ein bisschen auf das Klima und die Bedingungen vor Ort an. Eine Schnake im Dezember ist nichts Ungewöhnliches... (tobi)

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