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BioNTech, Moderna, AstraZeneca: Diese Nebenwirkungen nach der Impfung sind bekannt

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Von: Klaudia Kendi-Prill

Aktuell werden vier Corona-Impfstoffe in Deutschland verimpft: die Vakzine von AstraZeneca, Moderna, BioNTech und Johnson & Johnson – die bekannten Nebenwirkungen im Überblick:

Berichte über Nebenwirkungen bei Corona-Impfstoffen, besonders bei dem Vakzin von AstraZeneca, haben viele Deutsche verunsichert. Doch wie oft treten diese Reaktionen überhaupt auf und wie gefährlich sind sie? Im Kampf gegen das Coronavirus setzt die Bundesregierung auf drei Impfstoffe: BioNTech/Pfizer, AstraZeneca und Moderna. Weitere Vakzine, unter anderem Sputnik V aus Russland, sollen in den nächsten Monaten zugelassen werden. Nach der jeweiligen Zulassung wird genau geprüft, welche Nebenwirkungen auftreten. Für die Überwachung von Impfstoffen in Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut zuständig. Laut einer Zwischenbilanz des Instituts hat es bislang keine besonderen Auffälligkeiten gegeben. Auch die Europäische Arzneimittelbehörde führt in ihren regelmäßigen Berichten keine Sicherheitsbedenken an.

Corona-Impfung von AstraZeneca, Moderna und BioNTech - wie viele schwerwiegende Reaktionen hat es bisher gegeben?

Im Sicherheitsbericht vom 18. Februar berichtet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) von 1.178 scherwiegenden Reaktionen nach einer Corona-Impfung. Zum Teil mussten die Betroffenen ins Krankenhaus eingeliefert werden. Dies bedeute allerdings nicht, dass es zwangsläufig einen Kausalzusammenhang zum Corona-Impfstoff gibt. Das PEI hat in seinem Bericht den Zeitraum bis zum 12. Februar berücksichtigt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind etwa 4 Millionen Corona-Impfungen in Deutschland erfolgt, die meisten davon mit dem Vakzin von BioNTech (3,85 Millionen). Lediglich 86.967 Impfungen erfolgten mit dem Vakzin von Moderna und 31.285 mit dem AstraZeneca-Vakzin. Auch zum vierten Vakzin, das in der EU zugelassen wird – dem Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson – sind mittlerweile Nebenwirkungen bekannt.

Corona-Impfung von AstraZeneca: Warum hat das Vakzin so einen schlechten Ruf?

Experten aus Wissenschaft und Medizin beklagten, dass AstraZeneca in Deutschland ein Imageproblem hat. Dabei sei das Mittel sicher, wirksam und schütze vor einem schweren Covid-19-Krankheitsverlauf. Der Grund dafür könnte darin liegen, dass der Impfstoff von AstraZeneca in Deutschland nicht für Menschen über 65 Jahren empfohlen wurde, also ausgerechnet für eine gefährdete Gruppe. Die ursprüngliche Empfehlung, das AstraZeneca-Vakzin nur Personen zwischen 18 und 64 Jahren zu verabreichen, ist auf fehlende Studiendaten zu dieser Gruppe zurückzuführen.

Für Unsicherheit bei der Bevölkerung sorgte auch die angegebene Effektivität des Impfstoffs. Vor einer symptomatischen Covid-19-Erkrankung schütze eine AstraZeneca Impfung mit einer Effektivität von etwa 80 Prozent. Bei den anderen Impfstoffen von Moderna und BioNTech ist die Wirksamkeit mit 90 Prozent etwas höher. Bislang gäbe es aber noch keine Studie, in denen die drei Impfstoffe miteinander verglichen wurden.

AstraZeneca auch für Menschen über 65 Jahren zugelassen

Die Ständige Impfkommission (Stiko) hat ihre damalige Einschätzung mit Blick auf neue Studienergebnisse aktualisiert. Die Wirksamkeit des Präparats sei eindrücklich belegt worden: beim Verhindern von Erkrankungen und insbesondere beim Verhindern schwerer Krankheitsverläufe. Diese Erkenntnisse kommen aus England und Schottland, wo das Vakzin von AstraZeneca in der Breite eingesetzt wird. Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca darf nun auch Menschen ab 65 Jahren verabreicht werden. Das sei am 3. März beschlossen worden.

Corona-Impfstoffs von AstraZeneca: Wirkung und Vorteile

Der Impfstoff von AstraZeneca mit dem Namen AZD1222 wurde von dem britisch-schwedischen Unternehmen zusammen mit der Universität von Oxford entwickelt. Im Gegensatz zu den Impfstoffen von BioNTech und Moderna kann er bei normaler Kühlschranktemperatur gelagert werden. Somit würde einer Verimpfung des Vakzins durch Hausärzte nichts im Weg stehen. Zudem ist er preisgünstiger. Im Gegensatz zu den anderen Corona-Impfstoffen von BioNTech und Moderna ist das Präparat von AstraZenca kein mRNA-Impfstoff, sondern basiert auf einer abgeschwächten Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen und enthält genetisches Material eines Proteins, mit dem der Sars-CoV-2-Erreger an menschliche Zellen andockt. Mit Hilfe dieser Bauanleitung bilden die körpereigenen Zellen dieses Protein und damit eine Immunantwort.

Nach sehr seltenen Fällen schwerwiegender Thrombosen im Anschluss an eine AstraZeneca-Impfung ist der Einsatz des Vakzins zunächst vorübergehend gestoppt worden. Greifswalder Forscher wollen anhand von Blutproben eine mögliche Ursache für solche Thrombosen gefunden haben.

Corona-Impfstoffe von AstaZeneca, BioNTech und Moderna - die Nebenwirkungen

Grundsätzlich schätzen Experten die drei Corona-Impfstoffe als sicher ein. Bei Geimpften können kurzzeitige Beschwerden, ähnlich einer Grippe für zwei bis drei Tage nach der Impfung auftreten. Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) sei dies in der Regel „die normale Immunantwort des Körpers auf die Impfung“. Bei der Impfung mit dem Wirkstoff von AstraZeneca würde solch eine Reaktion nach der ersten Impfung häufiger auftreten als bei den Impfstoffen von Biontech und Moderna. Bei den mRNA-Präparaten sei dies eher nach der zweiten Dosis der Fall. Die Nebenwirkungen des Impfstoffs von AstraZeneca im Überblick:

Impfstoff von AstraZeneca: Das sind die Nebenwirkungen

Wie jedes Medikament kommt auch der Impfstoff von AstraZeneca mit einer Liste an Nebenwirkungen daher. Laut Hersteller seien die meisten davon während der klinischen Studien aber leicht bis mittelschwer und nach ein paar Tagen wieder abgeklungen. Mögliche Nebenwirkungen sind Kopf- und Gelenkschmerzen, Schüttelfrost, Fieber und Übelkeit. Von den rund 31.000 verabreichten Impfungen mit Astrazeneca gab es nur in elf Fällen eine schwerwiegende Reaktion. Das geht aus einem Bericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) hervor. Der Impfstoff steht auch im Verdacht, Blutgerinnsel zu verursachen. Darüber berichtet die Frankfurter Rundschau*.

Impfstoff von Moderna: Die Nebenwirkungen

Der Impfstoff von Moderna wird generell gut vertragen. Die Nebenwirkungen sind vorwiegend nur leicht oder mittelschwer. Des Öfteren klagten Probanden über Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Schüttelfrost, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen.

Schwerwiegende Nebenwirkungen nach einer Moderna-Impfung traten bei mindestens 2 Prozent der Probanden auf. Sie verschwanden aber schnell wieder. Nach der 1. Dosis waren es bei 2,7 Prozent Schmerzen an der Injektions-Stelle. Nach der 2. Dosis klagten 9,7 Prozent über Müdigkeit, 8,9 Prozent über Muskelschmerzen, 5,2 Prozent über Gelenkschmerzen, 4,5 Prozent über Kopfschmerzen, 4,1 Prozent über Schmerzen und 2,0 Prozent über Rötungen an der Injektions-Stelle.

Impfstoff von BioNTech: Die Nebenwirkungen

Bei den klinischen Studien zeigte sich nicht nur, dass das BioNTech-Vakzin mit einer Wirksamkeit von 95 Prozent bei Probanden unter 65 Jahren die Erwartungen übertrifft. Selbst bei Patienten über 65 Jahren soll die Wirksamkeit des Corona-Impfstoffs BNT162b2 noch bei 94 Prozent liegen. Nach Angaben von BioNTech und Pfizer sind darüber hinaus in den Studien auch nur leichte bis moderate Nebenwirkungen aufgetreten. So kann es an der Einstichstelle zu RötungenSchwellungen oder leichten Schmerzen kommen. 3,8 Prozent der Probanden verspürten Müdigkeit und Erschöpfung, zwei Prozent klagten über Kopfschmerzen. Bei älteren Studienteilnehmern wurden zudem seltener Nebenwirkungen festgestellt als bei jüngeren.

Corona-Impfstoff: Seltene allergische Reaktion nach BioNTech-Impfung

Neben den für Impfungen typische Nebenwirkungen registrierten die Experten 1.178 schwerwiegende Komplikationen. Diese mussten ärztlich behandelt werden. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) können bei den Corona-Impfungen in seltenen Fällen zum Beispiel allergische Reaktionen bis hin zur Anaphylaxie auslösen. Diese Schockreaktionen werden bei allen drei Impfstoffen nur sehr selten gemeldet, so das PEI. Insgesamt wurden 79 Fälle einer allergischen Schockreaktion gemeldet. Der überwiegende Teil dieser Reaktionen ist nach der Impfung mit dem Vakzin von BioNTech aufgetreten. Dieses Präparat wurde aber auch am häufigsten in Deutschland verimpft. In den meisten Fällen ist diese Reaktion innerhalb der ersten 30 Minuten nach der Impfung aufgetreten und wurde medikamentös behandelt. Ob die berichteten Beschwerden im Zusammenhang mit der Corona-Impfung stehen ist unklar.

Corona-Impfstoff von Johnson & Johnson: Das sind die Nebenwirkungen

Der größte Unterschied zwischen dem Impfstoff von Johnson & Johnson und den bisher in der EU zugelassenen Vakzinen: Der Impfstoff muss nicht zweimal verabreicht werden – es genügt eine Dosis. Das könnte die Impfungen in Deutschland wesentlich beschleunigen und vereinfachen, da der gesamte Prozess schneller abgeschlossen ist und auch keine Impfdosen für eine zweite Impfung gelagert werden muss. Wie auch die Impfstoffe von BioNTech und Co. wird das Vakzin von Johnson & Johnson über den Oberarm gespritzt.

Die Nebenwirkungen des Impfstoffs von Johnson & Johnson entsprechen laut aerzteblatt.de weitgehend den bisherigen Erfahrungen mit den anderen Corona-Impfstoffen von BioNTech, Moderna und Co.:

Laut Ärzteblatt-Bericht würden die Nebenwirkungen beim Impfstoff überwiegend als leicht bis mittelschwer eingestuft. Anaphylaktische Reaktionen seien in der Studie des Corona-Impfstoffs nicht aufgetreten, ebenso wenig wie Todesfälle unter den Geimpften. 

Corona-Impfstoffe von AstraZeneca, BioNTech und Moderna: Nebenwirkungen eher bei Jüngeren

Laut dem Paul-Ehrlich-Institut würden bei grob die Hälfte der Geimpften als Nebenwirkung Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle und Muskelschmerzen. 30 Prozent leiden nach der Impfung an Schüttelfrost und Fiebrigkeit. Generell treten Nebenwirkungen bei älteren Menschen weniger häufig auf, als bei Jüngeren. „Dies sind vorübergehende Nebenwirkungen, die keinen Schaden nach sich ziehen“, sagt Klaus Cichutek, Präsident des PEI.

Corona-Impfung: Wie lange halten die Nebenwirkungen an?

Die meisten Reaktionen auf eine Corona-Impfung treten bereits kurz nach der Injektion des Vakzins auf und halten höchstens ein paar Tage an. Das RKI gibt an, dass statistisch nur 40 von 1.000 Geimpften jenseits der 60 noch nach einer Woche starke Erschöpfungserscheinungen aufzeige. 290 litten eine Woche nach der Impfung noch an Kopf-, Muskel-, oder Gelenkschmerzen, so dass sie Schmerzmittel nehmen mussten.

Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens von noch unbekannten Nebenwirkungen liegt bei 0,001 Prozent, so Carsten Watzl von der TU Dortmund. Die Chance auf einen schweren Krankheitsverlauf aufgrund von Covid-19 zu erleben sei damit deutlich größer.

Corona-Impfung von AstraZeneca, Moderna und BioNTech: Wie kann ich Nebenwirkungen melden?

Zum ersten Mal in Deutschland werden Geimpfte aktiv nach ihrem Befinden gefragt. Dazu wurde die App „SafeVac“ entwickelt. Weil „SafeVac“ aktiv nachfragt, erhoffen sich Forscher ein besseres Bild davon, wie häufig tatsächlich Nebenwirkungen auftreten. Sieben Mal nach der ersten Dosis und achtmal nach der zweiten fragt das Programm in den ersten Wochen nach den Impfungen ab. Knapp 50.000 Menschen geben ihre Daten in der App ein.

Corona-Impfung von AstraZeneca, Moderna und BioNTech: Todesfälle nach der Impfung

Die Arzneimittelbehörde hat die 223 Todesfälle überprüft, die nach einer Corona-Impfung aufgetreten sind. Dabei habe man keine Verbindung zum Impfstoff feststellen können. Die Betroffenen waren durchschnittlich 85 Jahre alt und straben fast alle noch vor der zweiten Impfung. In fast allen Fällen seien die Todesursache Gebrechlichkeit, das hohe Alter oder fortgeschrittene Vorerkrankungen gewesen. Einige der Verstorbenen haben sich zum Zeitpunkt der Impfung bereits in Palliativbehandlung befunden. Der Sicherheitsbericht hält zusammenfassend fest, dass die Anzahl der Todesfälle nach einer Impfung die erwartete Anzahl an Todesfällen in der entsprechenden Altersgruppe „nicht übersteigt“. *Frankfurter Rundschau ist ein Angebot von Ippen.Media. (kp)

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