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Erster Affenpocken-Fall in BW: Patient mit Symptomen in Klinik – „Virus nicht unterschätzen“

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Von: Josefine Lenz

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In Baden-Württemberg hat sich ein Mann mit den Affenpocken infiziert. Gesundheitsminister Manne Lucha sieht keinen Grund zur Panik, die Lage sollte dennoch nicht unterschätzt werden:

Jetzt geht es Schlag auf Schlag: Mitte Mai macht das Affenpocken-Virus immer häufiger Schlagzeilen, Menschen in ganz Europa infizieren sich mit der Krankheit, die in den 1970er Jahren entdeckt wurde. Wenige Tage später dann die Meldung, dass sich ein Deutscher mit den Affenpocken infiziert hat. Wie HEIDELBERG24 berichtet, hat sich nun eine Person erstmals aus Baden-Württemberg mit dem Virus infiziert.

ErkrankungAffenpocken
KlassifizierungVirus
Übertragungenger Kontakt mit Infizierten

Erster Affenpocken-Fall in Baden-Württemberg: Mann zeigt typische Symptome

Am Montagabend (23. Mai) bestätigt das Sozialministerium Baden-Württemberg den ersten Affenpocken-Fall im Bundesland. Es handelt sich dabei um einen Mann aus dem Ortenauskreis. Laut Ministerium sei sein Zustand stabil, er leidet jedoch an typischen Affenpocken-Symptomen wie Fieber, Husten und Hautveränderungen. Der Patient befindet sich im Universitätsklinikum Freiburg und wird dort isoliert behandelt.

Die Diagnose wurde aufgrund der Symptome des Patienten und einer PCR-Analyse gestellt. Formal muss sie noch durch eine Genom-Sequenzierung bestätigt werden, die derzeit im Institut für Virologie des Universitätsklinikums Freiburg läuft und in den kommenden Tagen vorliegt. Erst dann kann festgestellt werden, ob es sich um den west- oder zentralafrikanischen Virusstamm handelt. 

Elektronenmikroskopische Aufnahme von Affenpockenviren (Archivfoto)
Elektronenmikroskopische Aufnahme von Affenpockenviren (Archivfoto) © dpa/Russell Regner/CDC/AP | Cynthia S. Goldsmith

Mann in Baden-Württemberg an Affenpocken erkrankt – weiterer Verdachtsfall im Ortenaukreis

Der Affenpocken-Infizierte kehrte von einer Reise aus Spanien zurück. Die spanische Zeitung „El País“ berichtet, dass die Vermutung besteht, dass sich viele Infizierte bei der Gay Pride auf er Urlaubsinsel Gran Canaria infiziert haben. Ob der Betroffene ebenfalls bei der Veranstaltung dabei war, ist bislang aber noch völlig unklar.

Das Gesundheitsamt des Ortenaukreises untersucht derweil einen weiteren Verdachtsfall und führt eine Kontaktnachverfolgung im Umfeld der Betroffenen durch. Möglicherweise droht eine Quarantänepflicht. Als erstes Land der Welt hat Belgien vor wenigen Tagen eine Quarantäne-Anordnung erlassen. Erkrankte müssen für 21 Tage in Isolation. Karl Lauterbach kündigt bereits an, dass man auch in Deutschland hart durchgreifen müsse. Darüber berichtet Merkur.

Baden-Württemberg: Mann mit Affenpocken infiziert – Experte sieht keinen Grund zur Panik

Auch wenn die Affenpocken stark an den Beginn der Coronavirus-Pandemie erinnern, gibt es doch einige Unterschiede. Der Freiburger Virologe Hartmut Hengel erwartet nach den ersten Affenpockenfällen in Deutschland keine wirkliche Epidemie. Das Virus fliege nicht durch die Luft, sondern werde durch Hautkontakt und Sekrete übertragen.

„Deswegen ist auch die Ansteckungsdynamik, die wir erwarten, bei Weitem nicht die wie bei Corona“, sagt der Experte der „Badischen Zeitung“ (Dienstag). Es gebe keinen in Deutschland zugelassenen Impfstoff gegen Affenpocken. Man wisse aber, dass Impfstoffe gegen die echten Pocken auch gegen Affenpocken gut wirkten - man könnte diese in speziellen Fällen anwenden.

Hengel rechnet damit, dass entsprechende Empfehlungen etwa für Kontaktpersonen und klinisches Personal aufgrund der jetzigen Ereignisse bald kommen. „Ich würde mir das wünschen, weil wir am Universitätsklinikum ja die isolierungspflichtigen Patienten behandeln“, sagte Hengel von der Universitätsklinik Freiburg, wo der Infizierte aus dem Ortenaukreis behandelt wird. Wie Merkur berichtet, klärt Virologin Sandra Ciesek auf, in wiefern man sich über das Affenpocken-Virus wirklich Sorgen machen müsse.

Erster Affenpocken-Fall in Baden-Württemberg: „Virus nicht unterschätzen“

Auch Gesundheitsminister Manne Lucha will keine Panik schüren. „Das allgemeine Infektionsrisiko für die Bevölkerung in Baden-Württemberg wird vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg derzeit als gering eingeschätzt“, so Lucha. Allerdings sagt er weiter: „Dennoch dürfen wir das Affenpockenvirus nicht unterschätzen. Wir verfolgen die Situation im Land deshalb weiter sehr aufmerksam. Die Gesundheitsämter in Baden-Württemberg wurden bereits informiert und sind entsprechend sensibilisiert.“ 

Weltweit gibt es mehr als 130 bestätigte Affenpocken-Fälle. Aktuell scheinen die Risikoexpositionen vorwiegend sexuelle Kontakte unter Männern zu sein. Die Inkubationszeit für Affenpocken beträgt zwischen 7 und 21 Tagen. (pm/jol)

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