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Nach 60 Jahren – nächstes Traditionsunternehmen geht insolvent

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Von: Marten Kopf

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Nach beinahe 60 Jahren Firmengeschichte meldet ein bekanntes deutsches Traditionsunternehmen Insolvenz an. Nicht etwa wegen Misswirtschaft oder steigender Kosten – der Grund könnte bitterer kaum sein.

Mit knapp 50.000 Einwohnern ist die Stadt Melle nicht besonders groß. Melle liegt in Niedersachsen, die Autobahn 30 quert Melle von West nach Ost, die nächstgrößere Stadt ist Osnabrück. Und das Amtsgericht Osnabrück war es denn auch, das am 16. September einen Insolvenzverwalter zur „vorläufigen Verwaltung“ bestellt. Zur vorläufigen Verwaltung eines seit beinahe 60 Jahre in Melle ansässigen, bundesweit bekannten Traditionsunternehmens.

Traditionsunternehmen meldet Insolvenz an: Stromausfall legt Server lahm

1963 gegründet, vertreibt die rational einbauküchen solutions GmbH ihre Design-Küchen in über 50 Ländern. Beziehungsweise: vetrieb. Denn damit ist nun Schluss, der Küchenbauer meldet Insolvenz an. Zuerst hatte das Branchenportal unternehmeredition.de berichtet. Grund sind nicht etwa Energiepreise, deren Anstieg eine Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln schon im Sommer als „substanziell“ für Verbraucher bezeichnete, wie hna.de berichtet. Tatsächlich macht der Hintergrund des Insolvenzantrags ein klein wenig sprachlos.

Schuld nämlich sei einem Bericht des Portals zufolge der Totalausfall entscheidender Teile der Serversysteme, mit der Planung und Produktion der Küchen und wesentliche weitere Unternehmensprozesse gesteuert würden. Dem vorausgegangen sei ein Stromausfall in der Region, der zu einer erheblichen Beschädigung der IT-Server und irreparablem Datenverlust geführt habe. Seit Monatsbeginn könne das Unternehmen deshalb keinerlei Aufträge mehr bearbeiten und keine Daten zu existierenden Aufträgen an die Produktion weiterleiten.

Insolvenz von rational einbauküchen: 64 Mitarbeiter betroffen

Stillstand also in der rational-Zentrale in Melle. Da keine Prognose möglich sei, wann die Produktion der Küchen wieder aufgenommen werden kann, habe die Geschäftsführung wegen des unvermeidbaren Umsatzausfalls und damit einhergehender drohender Zahlungsunfähigkeit die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens beantragt, berichtet unternehmeredition.de weiter. Insgesamt 64 Mitarbeiter seien betroffen.

In einem veröffentlichten Beschluss vom 27. September erteilt das Osnabrücker Amtsgericht dem Insolvenzverwalter zusätzlich die „Einzelermächtigung zur Vornahme bestimmter Handlungen für die Insolvenzmasse“. Mit der Insolvenz steht rational einbauküchen solutions nicht alleine da, rund 14.000 Unternehmensinsolvenzen verzeichnet das Statistische Bundesamt deutschlandweit allein im Jahr 2021. Und immer wieder sind Traditionsunternehmen darunter. Im benachbarten Sachsen-Anhalt etwa traf es ebenfalls erst kürzlich einen bekannten Süßwaren-Hersteller – nach 130 Jahren Firmengeschichte. (mko)

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