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BioNTech-Impfung und Herzmuskelentzündung: Was bislang bekannt ist

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Von: Klaudia Kendi-Prill

BioNTech-Impfung: Nach israelischen Berichten über Herzmuskelentzündungen ist die Verunsicherung groß. So viele Fälle der seltenen Nebenwirkung sind in Deutschland bisher erfasst worden:

Israel ist ein Vorreiter in Sachen Corona-Impfung: Insgesamt 56 Prozent der 9,3 Millionen Einwohner erhielten bereits die Zweitimpfung mit Corminarty von BioNTech* und gelten somit als vollständig gegen das Coronavirus geimpft (Stand: 10. Mai). Erhebungen verdeutlichen, dass der in Israel eingesetzte BioNTech-Impfstoff vor einem potenziell schweren Krankheitsverlauf schützt. Auch die absoluten Infektionszahlen mit dem Coronavirus* sind dort stark rückläufig. Am Sonntag, 9. Mai teilte das israelische Gesundheitsministerium mit, dass innerhalb eines Tages lediglich 17 neue Corona-Fälle gemeldet worden sind. In der Spitze waren es 10.000 am Tag.

Trotz der Erfolgsmeldungen drängt sich inzwischen die Frage auf, ob die Impfung auch schwere Nebenwirkungen verursachen könnte. Wie israelische Medien berichteten, gebe es eine Verbindung zwischen einer Corona-Impfung mit dem Vakzin von BioNTech und dem Auftreten einer sogenannten Myokarditis*, einer Herzmuskelentzündung. Der israelische Koordinator für Pandemie-Bekämpfung, Nachman Ash, sagte am 23. April im israelischen Fernsehen, dass die Herzmuskelentzündung überwiegend nach der zweiten Impfung aufgetreten ist.

Nach BioNTech-Impfung: Israel meldet 62 Fälle einer Herzmuskelentzündung auf über 5 Millionen Impfungen

Eine vorläufige Studie wies 62 Fälle von Myokarditis bei mehr als fünf Millionen Geimpften nach. Es sei noch unklar, ob dieser Anteil ungewöhnlich hoch sei. Die Fälle von Herzmuskelentzündung sollen vor allem bei Männern im Alter von 18 bis 30 Jahren aufgetreten sein. Zwei Patienten – eine Frau und ein Mann – sind daran gestorben. Ein ähnlicher Durchschnittswert sei jedoch, unabhängig von der Impfung, bereits in den vergangenen Jahren gemeldet worden.

BioNTech-Impfung: Zahl der Herzmuskelentzündungen in Israel steigt auf 275 an

Anfang Juni sorgt eine weitere Studie aus Israel für Verunsicherung: Von Dezember 2020 bis Mai 2021 sind 275 Fälle von Myokarditis in zeitlichem Zusammenhang mit einer Corona-Impfung aufgetreten. Eine aktuelle Untersuchung ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen der zweiten Dosis des BioNTech-Impfstoffes und einer Herzmuskelentzündung bei jungen Männern* zwischen 16 und 30 gibt.

BioNTech: Seltene Nebenwirkung Herzmuskelentzündung? So viele Fälle wurden in Deutschland gemeldet

Nach den Berichten aus Israel hat sich auch das Paul-Ehrlich-Institut dem Thema Herzmuskelentzündung als Folge einer BioNTech-Impfung angenommen und deren Auftreten in Deutschland untersucht – das berichtet HEIDELBERG24*. Nach einer Bereinigung von Doppelmeldungen wurden dem Paul-Ehrlich-Institut bis zum 30. April insgesamt 16 Fälle gemeldet, die in einem zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung standen.

Einzelne Meldungen, in denen eine Herzmuskelentzündung vermutet wurde, sind ausgeschlossen worden, da sich der Anfangsverdacht nicht bestätigte. Bei der Mehrzahl dieser Berichte fehlten Informationen zu möglichen alternativen Ursachen, wie Virusinfektionen, Begleiterkrankungen, Diagnose und Verlauf der Erkrankung. Auch 24hamburg.de berichtet über die Verdachtsfälle im Zusammenhang mit einer BioNTech-Impfung.*

BioNTech: Zahl der gemeldeten Verdachtsfälle einer Herzmuskelentzündung nach Alter und Geschlecht

Das Paul-Ehrlich-Institut sieht auf Basis der vorhandenen Daten aus Deutschland kein erhöhtes Risiko durch eine Impfung mit dem Vakzin von BioNTech. Das Institut wird jedoch nach eigenen Angaben Berichte über Herzmuskelentzündungen weiter beobachten und untersuchen. In zwölf von 16 Fällen traten erste Symptome innerhalb einer Woche nach der Impfung auf. So sind die Fälle der Herzmuskelentzündung im zeitlichen Zusammenhang mit einer Corona-Impfung mit dem Vakzin Comirnaty je nach Alter verteilt:

AlterMännerFrauen
Über 80 Jahre00
70 bis 79 Jahre00
60 bis 69 Jahre10
50 bis 59 Jahre10
40 bis 49 Jahre10
30 bis 39 Jahre32
18 bis 29 Jahre62

Diesbezüglich äußerte sich ein Sprecher der Firma Pfizer gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: Man stehe in ständigem Kontakt mit dem israelischen Gesundheitsministerium, um die Auswertungen des Impfstoffs zu überprüfen. „Unerwünschte Ereignisse werden regelmäßig und gründlich überprüft, und wir haben keine höhere Rate an Myokarditis beobachtet, als in der Allgemeinbevölkerung zu erwarten wäre. Ein kausaler Zusammenhang mit dem Impfstoff wurde nicht festgestellt“, heißt es vonseiten des Unternehmens. Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer soll demnach sehr gut verträglich sein; die Nebenwirkungen im Überblick*.

Nach Angaben des deutschen Kardiologen und Klinikleiters des EKE Hamburg, Dirk Westermann, wird das Auftreten von Herzmuskelentzündungen auf etwa zehn bis 20 Fälle pro 100.000 Einwohner im Jahr geschätzt. Die Herzerkrankung trete vor allem bei jüngeren Patienten auf. Auslöser seien meist Virusinfektionen. Obwohl über die Fälle aus Israel bisher wenig bekannt ist, sei die Häufigkeit von 62 Fällen pro fünf Millionen Geimpften prinzipiell mit dem generellen Auftreten der Herzerkrankung erklärbar.

Direktor der Kardiologie in München, Steffen Massberg sagte gegenüber der Süddeutschen Zeitung, dass auch eine Covid19-Erkrankung zu einer Herzmuskelentzündung führen könnte. Außerdem seien zeitige Diagnosen erschwert, da die Symptome nicht auf Anhieb erkennbar sind. Wird eine Herzmuskelentzündung nicht behandelt, kann die Infektion zu Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen führen, so der Kardiologe. In den meisten Fällen heilt eine Herzmuskelentzündung jedoch folgenlos aus.

BioNTech-Impfung: Was sind die Symptome einer Herzmuskelentzündung?

Herzmuskelentzündungen werden meist durch Viren ausgelöst, können aber auch aus einem Befall mit Parasiten, Pilzen oder Bakterien hervorgehen. Die Erkrankung tritt oft einige Tage bis Wochen nach einem Virusinfekt auf. Symptome einer Herzmuskelentzündung erstrecken sich von Müdigkeit und Fieber bis Atemnot, Herzrasen und Schmerzen in der Brust. In manchen Fällen verläuft sie aber auch symptomfrei. Während die meisten Herzmuskelentzündungen ohne Folgen abheilen, kann es vereinzelt zu Spätfolgen für das Herz kommen. Tödlich ist eine Myokarditis eher selten. (kp) HEIDELBERG24* und 24hamburg.de* sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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