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TV-Kritik: ZDF-Film „Der Erzgebirgskrimi: Tödlicher Akkord“ überzeugt mit regionalem Charme

Der zweite Film der ZDF-Krimireihe „Der Erzgebirgskrimi“ knüpft mit originellem Personal und regionalen Inhalten an die Stärken der Auftaktfolge an.
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Der zweite Film der ZDF-Krimireihe „Der Erzgebirgskrimi“ knüpft mit originellem Personal und regionalen Inhalten an die Stärken der Auftaktfolge an.

Der zweite Film der ZDF-Krimireihe „Der Erzgebirgskrimi“ knüpft mit originellem Personal und regionalen Inhalten an die Stärken der Auftaktfolge an.

  • Am Samstagabend (07.03.2020) läuft der zweite Teil der ZDF*-Reihe „Der Erzgebirgskrimi“
  • Die Filme spielen in der erzgebirgischen Stadt Schneeberg in Sachsen
  • „Der Erzgebirgskrimi: Tödlicher Akkord“ überzeugt mit regionalem Charme

Das einsame Tenorhorn droht im Klangbild der Blaskapelle unterzugehen. Eigentlich braucht es zwei dieser Instrumente für den nötigen Druck, aber Ka tja Hartmann (Odine Johne) ist an diesem Tag nicht zur Probe erschienen. Und wird auch künftig fehlen, denn sie musste erfahren, dass Baumbaden gesundheitsschädlich wirken kann. Hingestreckt liegt sie unterm Wipfeldach, und weil die Fremdeinwirkung außer Frage steht, rücken die Kommissare Robert Winkler (Kai Scheve) und Karina Szabo (Lara Mandoki) aus Chemnitz an, zwischen den 15.000 Einwohnern des erzgebirgischen Schneeberg den Täter ausfindig zu machen.

ZDF-Film „Der Erzgebirgskrimi: Tödlicher Akkord“: Regionale Besonderheiten bestimmen Erzählung

Wie schon beim 2019 ausgestrahlten Auftaktfilm der ZDF-Reihe, greifen die Drehbuchautoren Leo P. Ard und Rainer Jahreis, der zugleich als Koproduzent fungiert, regionale Bräuche und besondere geografische Gegebenheiten auf. Landschaftliche und kulturelle Besonderheiten liefern nicht nur das Dekor, sondern bestimmen die Erzählung. Zeitlich bewegt sich die aktuelle Handlung rund um den alljährlich im Juli begangenen Bergstreittag, der daran erinnert, wie im 15. Jahrhundert tapfere Bergleute durch solidarisches Handeln eine Lohnreduzierung abschmetterten.

Die ermordete Landschaftsgärtnerin war in andere Konflikte verwickelt. Als engagierte Naturschützerin lag sie im Clinch mit einem Landwirt, der bei der Gülleausbringung nicht eben zurückhaltend vorgeht. Der Realität entnommen ist auch das Problem des bedenklich hohen Radon-Austritts, das im Zuge der Ermittlungen zur Sprache kommt.

ZDF-Film „Der Erzgebirgskrimi: Tödlicher Akkord“: Autoren gelingt besondere neue Figur

Aufseiten der Kriminalisten wiederholt sich der Annäherungs- und Abtastprozess des ersten Films. Zunächst fungierte Ralf Adam (Stephan Luca) als Partner der forschen Jungkommissarin Szabo. Adam aber, so wird beiläufig erklärt, fühlte sich im Erzgebirge nicht wohl und hat sich versetzen lassen, macht somit Platz für Robert Winkler, der aus dem fernen Bremen zuwandert. In Wahrheit eine Heimkehr, denn Winkler stammt aus dem Erzgebirge, hatte es aber nach einem traumatischen Erlebnis verlassen. Beruflich ist Winkler ein Anhänger der „kriminalistischen List“, ein abschwächender Ausdruck für taktische Lüge. In dem Punkt überzieht er gelegentlich, was sich im Strafverfahren rächen könnte, zumindest in diesem Fall indes ungeahndet bleibt.

Der recht vorzeigbare Winkler stößt umgehend auf das Interesse der anderen beteiligten Damen. Der Försterin Saskia Bergelt (Teresa Weißbach, auch in der Realität gebürtige Erzgebirglerin), die die Ermittler tatkräftig unterstützt und übrigens ebenfalls der Blaskapelle angehört. Und der blaublütigen Rechtsmedizinerin Dr. Charlotte von Sellin (Adina Vetter), die mehr Wert auf die Adelspräposition als auf ihren Doktortitel legt. Mit Sellin ist den Autoren eine besonders farbige Figur gelungen. Ihre Auftritte leben vom lebendigen Kontrast zwischen ihrem medizinisch-fachlichen und aristokratischen Snobismus und ihrer handfesten Tätigkeit als Landwirtin. Sie fährt Trecker, kennt sich mit Trockenfutter aus und schlägt Zaunpfähle ein.

ZDF-Film „Der Erzgebirgskrimi: Tödlicher Akkord“: Eine Geschichte mit Humor

Ihre spitzen Bemerkungen bringen Humor in die Geschichten. Auch Karina Szabo ist nicht auf den Mund gefallen. Da die Musik bei der Aufklärung eine gewisse Rolle spielt, ist sie häufiger Thema zwischen den Kommissaren. Szabo erzählt, sie habe früher im Chor gesungen: „Das war ein gemischter Chor – die eine Hälfte konnte singen, und zu der anderen Hälfte gehörte ich.“ Vielleicht auch als private Anspielung gemeint – die Schauspielerin ist die Tochter des Musikproduzenten Leslie Mandoki.

Neben idyllischen Waldstrecken und Schneebergs Barockarchitektur finden sich weitere attraktive Kulissen im tschechischem Karlsbad, das einige Kilometer jenseits der nahen Grenze liegt und aus dessen fotogenem Stadtbild Regisseur Ulrich Zrenner optischen Gewinn zu ziehen weiß, ohne gleich in ausschweifende Schwelgereien zu verfallen.

Von Harald Keller

„Der Erzgebirgskrimi: Tödlicher Akkord“: Samstag, 7.3., 20:15 Uhr, ZDF

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