Junger Songwriter aus München

ESC-Kandidat Xavier Darcy im Interview: „Mein Song wird polarisieren!“

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Xavier Darcy ist ein Kandidat beim ESC-Vorentscheid 2018.

Xavier Darcy möchte für Deutschland beim ESC 2018 teilnehmen. Wir haben mit ihm über seinen Song und den Vorentscheid am 22. Februar gesprochen.

Update vom 23. Februar 2018: Beendet er unsere Seuchenjahre beim Eurovision Song Contest? Hier erfahren Sie sie wichtigsten Informationen zu Michael Schulte, dem Kandidaten von Deutschland beim ESC 2018.

Xavier Darcy ist 22 Jahre alt und für ihn ist das alles noch ganz neu: Die große Bühne, auf der er beim ESC-Vorentscheid auftreten darf, die vielen Proben und Interviews. Im Gespräch mit ihm wird jedoch schnell klar, wie sehr er sich auf all das freut und wie sehr er allein die Zeit vor dem ESC-Vorentscheid genießt. Wir haben mit ihm über diese neue Erfahrung gesprochen, welche persönliche Bedeutung sein Song „Jonah“ für ihn hat und wie es Deutschland beim Eurovision Song Contest seiner Meinung nach schaffen kann, in diesem Jahr endlich wieder besser abzuschneiden. Am 22. Februar wird er mit seinem Song „Jonah“ live beim ESC-Vorentscheid in der ARD auftreten.

Konntest du schon auf der Bühne proben, auf der du beim Vorentscheid auftrittst? Wie hat sich das für dich angefühlt?

Ja, die Bühne ist tatsächlich sehr schlicht und verzichtet auf große LED-Shows - das hätte ich gar nicht erwartet. Es fühlt sich gut an, dort zu stehen, auch wenn es etwas ganz Neues für mich ist. Andere Teilnehmer, zum Beispiel voXXclub oder die drei Kandidaten von von „The Voice“, kennen solche Bühnen und Situation, für mich ist das ganz frisch. Aber ich glaube, das kann mein Vorteil sein: Ich werde einfach so auftreten, wie ich es auch in einem kleinen Münchner Club machen würde.

Xavier Darcy: So kam er zum ESC-Vorentscheid 2018

Wie bist du überhaupt zum ESC gekommen - war das schon immer ein Traum von dir?

Es war ein großer Schock für mich, als ich herausgefunden habe, dass ich dabei bin! Es war alles ganz kurzfristig, ich habe plötzlich einen Anruf bekommen: Du bist unter den Top 20 – kannst du dieses Wochenende nach Köln kommen? Ich wusste gar nicht, dass ich in der Auswahl war, ich wurde von einem NDR-Redakteur vorgeschlagen, bei dem ich vor einigen Jahren einen Auftritt in der Show hatte. Als klar war, dass ich in der Sendung auftrete, hieß es: ganz schnell einen Song schreiben, die Performance planen und ein Video drehen.

Hast du dich dann auf eine besondere Weise auf den ESC vorbereitet?

Beim Songwriting habe ich versucht, mich vom ESC-Gedanken zu trennen. Ich glaube, das Publikum kann spüren, wenn der Song kalkuliert ist und extra für den ESC geschrieben wurde. Mein Ziel war einfach, einen guten Song zu schreiben. In den letzten Wochen habe ich mir ein paar Auftritte der letzten Jahre angesehen, um zu verstehen, wie das auf einer so großen Bühne überhaupt abläuft. Wie gesagt, für mich ist das alles noch Neuland.

Die Hälfte der Songs der Kandidaten für den Vorentscheid wurden ja nicht im ESC-Songcamp geschrieben, die wollten das lieber selber machen. Deiner schon - wieso war das bei dir anders?

Nein, alle Künstler waren im ESC-Songcamp. Am zweiten Tag hatte ich aber das Glück, mit drei Songwritern zusammenzuarbeiten, die sich voll auf mich eingestellt haben: Ich hatte eine Idee und die wollten einen Song für mich schreiben ohne mich zu beeinflussen. Hier kommt es einfach auf die Synergie an und ob die Songwriter dich verstehen – das hat bei mir gestimmt. Vielleicht war das einfach nicht bei jedem der Künstler so.

Xavier Darcy beim ESC-Vorentscheid 2018: Das bedeutet sein Song „Jonah“

Welche persönliche Bedeutung hat dein ESC-Song „Jonah“ für dich?

„Jonah“ ist im Englischen jemand, der als schlechter Vorbote gilt und Unglück bringt. In meinem Song geht es darum, sich von diesem Jonah zu trennen. Ich denke, wir alle haben jemanden in unserem Umfeld, den wir sehr lieb haben, aber der uns mehr Schlechtes als Gutes bringt. Ich wollte mich von diesem schlechten Karma trennen, wollte einen „brand new start“. Es geht um einen Neuanfang – und den braucht auch Deutschland beim Eurovision Song Contest. Und ja, das bin ich!

Wir erinnern uns an die schweren ESC-Niederlagen in den vergangenen Jahren: Wieso meinst du, hat es in den letzten Jahren für Deutschland beim ESC nicht geklappt?

In den letzten Jahren hatte Deutschland tolle Sänger und tolle Stimmen. Aber ich glaube, der ESC ist mehr als das, denn man muss aus drei Minuten etwas ganz Besonderes machen. Das Problem war: Es war schön, aber nicht authentisch und nicht interessant genug. Man muss sich aus der Masse der 27 Künstler hervorheben. Ich denke, dass ich das schaffen kann.

Inwiefern ist vonseiten der deutschen Veranstalter ein besonders hoher Druck zu spüren, dass diesmal alles besser laufen muss? Bekommst du das direkt mit?

Ich persönlich spüre keinen Druck, ich werde eine besondere Performance abliefern und einfach Spaß haben. Man merkt schon, dass bei der Veranstaltung viel umgestellt wurde, um den perfekten Song für den ESC zu finden. Jetzt haben wir sechs tolle, unterschiedliche Songs, die alle beim ESC gut abschneiden würden, besser als in den letzten Jahren. Und das wünsche ich mir auch - egal ob ich selbst daran teilnehmen kann oder nicht.

Xavier Darcy beim ESC-Vorentscheid 2018: Das sagt er zu den anderen Kandidaten

Was sagst du zu deinen Mitbewerbern beim ESC-Vorentscheid und wen schätzt du als größte Konkurrenz für dich ein?

Ich glaube, mein Vorteil ist, dass ich einen anderen Background habe, als der Rest der Teilnehmer: Die große Showbühne ist für mich zwar neu, aber ich habe viel Live-Erfahrung, habe in den letzten Jahren über 250 Konzerte gespielt. Ich sehe aber eine gewisse Ähnlichkeit zu voXXclub – unsere Beiträge werden beide sehr polarisieren. Und ich glaube, das ist etwas Gutes! Vor allem für Deutschland, denn das hat in den letzten Beiträgen gefehlt.

Du bist in Ebersberg (bei München) aufgewachsen, hast aber auch französische und britische Wurzeln: Inwiefern könnte das ein Vorteil für deine Teilnahme beim ESC sein? 

Ja genau, meine Mama kommt aus England, mein Papa aus Frankreich. Es wäre natürlich schön, wenn das ein Vorteil beim ESC wäre. Aber ich glaube, es geht nur um diese drei Minuten – und da zählt nur der Song und die Performance. Ich glaube nicht, dass meine Hintergrundgeschichte für die Zuschauer interessant sein wird, es wird nur mein Song zählen.

Was macht dich zum perfekten Kandidaten für den ESC? 

Ich glaube an meinen Song und ich glaube, dass er authentisch ist. Er kann sich abheben, weil er kein richtiger Pop-Song ist und wir nur echte Instrumente benutzt haben. Das ist ein schöner Kontrast zu dem, was man ansonsten beim Eurovision Song Contest hört. Ich glaube, Deutschland kann damit ein Ausrufezeichen beim Eurovision Song Contest setzen!

Im letzten Jahr gewann ja ein sehr ruhiges, emotionales Jazzstück aus Portugal – wie möchtest du es schaffen, das Publikum in diesem Jahr genau so zu berühren und von dir zu überzeugen? 

Für mich ist der letztjährige Gewinner ein perfektes Beispiel dafür, was man beim Eurovision Song Contest braucht. In den letzten Jahren ist der ESC immer größer geworden, die Produktionen wurden immer übertriebener und es ging nur um die Bühnenshow. Salvador hat letztes Jahr bewiesen, dass man mit einem guten Song und einer authentischen Performance gewinnen kann. Ich glaube, darauf haben die Zuschauer wieder Lust. Allerdings werde ich es nicht so ruhig gestalten - mein Song ist sehr schnell und zum Mittanzen.

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