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Waldhof-Star Höger im Interview: „Mein Ziel ist es, hier meine Karriere zu beenden“

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Von: Nils Wollenschläger

Marco Höger fühlt sich beim SV Waldhof Mannheim wohl.
Marco Höger fühlt sich beim SV Waldhof Mannheim wohl. © Nils Wollenschläger/MANNHEIM24

Mannheim - Neuzugang Marco Höger ist beim SV Waldhof Mannheim gesetzt. Im MANNHEIM24-Interview spricht er über seine ersten Wochen beim SVW und seine Pläne für die Zukunft:

Nach elf Spieltagen steht der SV Waldhof Mannheim in der 3. Liga auf Relegationsplatz drei. Vor allem in den Heimspielen haben die Blau-Schwarzen ihre Ambitionen mit den entsprechenden Ergebnissen untermauert. Einer der Schlüsselspieler ist ohne Zweifel Marco Höger. Der 32-Jährige hat im August den Schritt nach Mannheim gewagt und hat im Team von Trainer Patrick Glöckner direkt eine Führungsposition eingenommen. Wenig überraschend, wenn man sich die Vita von Höger betrachtet.

NameMarco Höger
Geboren16. September 1989 (Alter 32 Jahre)
GeburtsortKöln
Aktueller VereinSV Waldhof Mannheim (seit August 2021)

SV Waldhof Mannheim: Marco Höger startet in der 3. Liga durch

Der gebürtige Kölner hat von 2011 bis 2016 für den FC Schalke 04 gespielt und hat in dieser Zeit auch Erfahrungen in der Champions League gesammelt. Vor seinem Wechsel zum SV Waldhof stand der Mittelfeldspieler fünf Jahre bei seinem Heimatverein 1. FC Köln unter Vertrag. MANNHEIM24 hat sich mit Marco Höger zum exklusiven Interview getroffen und hat mit ihm unter anderem über seine ersten Wochen in Mannheim, ein mögliches Karriereende beim SVW und seine Zeit beim FC Schalke und in Köln gesprochen.

SV Waldhof Mannheim: Marco Höger im exklusiven MANNHEIM24-Interview

MANNHEIM24: Herr Höger, nach ihrem ersten kompletten Monat in Mannheim: Wie fällt Ihr erstes Fazit nach ihrem Wechsel aus?

Marco Höger: „Mein Fazit fällt durchweg positiv aus. Ich bin von der Mannschaft sehr gut aufgenommen worden und habe jetzt auch eine Wohnung gefunden. Sportlich läuft es bisher auch gut. Daher fällt mein erstes kleines Fazit nur positiv aus.

MA24: Sie hatten vor ihrem Wechsel zum SV Waldhof nur wenig Spielpraxis. Wie schwer war es zu Beginn, direkt ins Team zu finden?

Höger: „Dass ich am Anfang von der Bank gekommen bin, war gut. Ich hatte zwar eine Vorbereitung bei der U21 des 1. FC Köln, aber trotzdem tut dann jede Minute Spielzeit gut. Einige Dinge konnte ich am Anfang auch mit meiner Erfahrung ausmerzen.“

Marco Höger (vorne) freut sich nach dem Waldhof-Heimsieg gegen den SC Verl.
Marco Höger (vorne) freut sich nach dem Waldhof-Heimsieg gegen den SC Verl. © Yannick Rebholz/MANNHEIM24

MA24: Wie bewerten Sie das Niveau der 3. Liga?

Höger: „Die Spiele sind alle auf Augenhöhe. Das sieht man auch an den Ergebnissen. In dieser Liga kann jeder jeden schlagen. Es gibt nicht die eine Ausnahmemannschaft wie in anderen Ligen. Es ist eine physisch sehr starke und robuste Liga. Ich habe vor allem in den ersten Spielen das ein oder andere abbekommen. Wenn man sich zum Beispiel das Derby gegen Kaiserslautern anschaut: Das war weniger Fußball, sondern mehr Kampf, der von Nebenkriegsschauplätzen geprägt war.

SV Waldhof Mannheim: Marco Höger spricht über seine ersten Wochen am Alsenweg

MA24: Ihr Trainer Patrick Glöckner sieht Sie neben Marcel Seegert und Marc Schnatterer als einen der zentralen Führungsspieler. Ist es schwierig, als Neuzugang auf Anhieb in diese Rolle zu schlüpfen?

Höger: „Grundsätzlich ist mein Charakter so, dass ich das ausfüllen kann und auch will. Ich habe das bisher in allen Mannschaften, in denen ich gespielt habe, ausgefüllt. Beim 1. FC Köln und Schalke 04 war ich im Mannschaftsrat. Beim FC war ich zudem Vize-Kapitän. Das ist eine Rolle, die mir liegt.

MA24: Was war ihr erster Gedanke, als Sie den Anruf vom SV Waldhof bekommen haben? Kannten Sie den Verein?

Höger: „Ja, ich kannte den Verein und wusste, dass es hier eine enorme Wucht von den Fans und vom Umfeld gibt und dass viel Tradition dahintersteckt. Zu Mannheim an sich hatte ich weniger Berührungspunkte. Aber damit habe ich mich dann relativ schnell befasst und habe mir viel angeschaut. Die Gespräche waren sehr gut und dann hat es einfach gepasst.

MA24: Wie nehmen Sie die Unterstützung der Waldhof-Fans wahr?

Höger: „Man muss sich nur mal angucken, wie viele Fans trotz der Corona-Bestimmungen bei unseren Heimspielen sind - das ist nicht selbstverständlich. Gemeinsam mit vielleicht ein, zwei anderen Vereinen sucht das in der 3. Liga seinesgleichen. Man muss sich mal vorstellen, was erst passiert, wenn wir mal eine Liga höher spielen. Es muss unser großes Faustpfand sein, dass wir mit unseren Fans in den Heimspielen die meisten Punkte holen.“

SV Waldhof: Marco Höger kann sich Karriereende in Mannheim vorstellen

MA24: Der SV Waldhof geht als Tabellendritter in die Länderspielpause. Ist das Team schon reif für den Aufstiegskampf

Höger: „Generell sollte man das nicht überbewerten. Es ist eine schöne Momentaufnahme und es war auch wichtig, dass wir mit einem Sieg in die Länderspielpause gegangen sind. Da aber noch nicht mal ein Drittel der Saison gespielt ist, müssen wir das richtig einordnen. Eine Reife entwickelt sich immer über die Saison. Wir müssen lernen zum Beispiel bei Spielen wie gegen Viktoria Berlin mehr mitzunehmen. Der eine Punkt, den wir hätten holen können, wäre jetzt schon mal das i-Tüpfelchen gewesen. Da müssen wir abgeklärter und reifer werden.

Marco Höger ist im Sommer zum SV Waldhof gewechselt.
Marco Höger ist im Sommer zum SV Waldhof gewechselt. © Nils Wollenschläger/MANNHEIM24

MA24: Wie haben Sie sich in der Region eingelebt? Sie haben in ihrer Karriere bisher ausschließlich in Köln bzw. in näherer Umgebung gespielt. 

Höger: „Ich bin erstmal alleine hierher und habe mich aber ganz gut eingelebt. Ich habe länger im Hotel gewohnt, habe jetzt aber eine passende Wohnung gefunden, wo ich mich hoffentlich schnell heimisch fühle. Grundsätzlich ist es auch alles noch im Rahmen. Mit dem ICE bin ich schließlich schnell in Köln. Aber klar: Es ist für mich eine neue Erfahrung und ich bin gespannt, wie ich mit dieser umgehen werde.

Mein Ziel ist es, hier meine Karriere zu beenden.

Marco Höger

MA24: Sie haben im Juli 2021 in einem Interview mit transfermarkt.de gesagt, Sie könnten sich vorstellen, dass ihr nächster Verein ihre letzte Station als Fußballer wird. Hat sich dieser Gedanke nach ihrem Wechsel nach Mannheim nochmal verfestigt?

Höger: „Definitiv! Wer mich kennt, weiß, dass ich dem Verein, bei dem ich spiele, sehr loyal gegenüber bin und mich ihm total verschreibe. Mittlerweile ist es ja auch so: Wenn Du als Fußballer vorne eine 3 im Alter hast, bist Du gefühlt 90. Manche Leute reden so, als würde man schon am Krückstock gehen. Das ist leider so. Ich bin aufgrund meiner Verletzungshistorie auch kein Spieler, der bis 40 spielen wird. Mein Ziel ist es, hier meine Karriere zu beenden. Es sei denn, der FC Barcelona ruft mich an. Dann überlege ich mir das nochmal (lacht).“

MA24: Wie emotional war im Sommer der Abschied von Ihrem Herzensverein 1. FC Köln?

Höger: „Emotional war es sehr schwierig. Meine ganze Familie und mein Umfeld kommen aus Köln. Auch meine Frau ist Kölnerin. Seitdem ich denken kann, bin ich zum Training am Geißbockheim gegangen. Für den FC zu spielen, war immer mein Jugendtraum. Ich habe dort in den vergangen fünf Jahren alles mitgemacht - von der Europa League bis zur 2. Bundesliga. Daher war es sehr schwer, auch weil ich viele Freunde in der Mannschaft habe. Das letzte Jahr war für den Verein allgemein schwierig. Für mich persönlich war es meine schwierigste Saison, weil ich es nicht kannte, so wenig Spielzeit zu bekommen. Da habe ich auch mal die Schattenseiten kennengelernt. Ich glaube, daran wächst man auch. An Tag X war es dann aber trotzdem sehr emotional und traurig. Ich habe erstmal ein, zwei Wochen gebraucht, um Abstand zu gewinnen und das für mich zu realisieren.

MA24: Hatten Sie mit dem neuen FC-Trainer Steffen Baumgart Kontakt und wie bewerten Sie seinen Start in Köln?

Höger: „Man ist sich in der Vorbereitung über den Weg gelaufen und wir hatten auch mal kurz miteinander gesprochen. Ich glaube, er kommt gut an. Mein erster Eindruck von ihm war jedenfalls sehr gut. Er ist sehr gradlinig und offen. Damit rennt er bei Kölnern offene Türen ein. Ich bin ja auch gebürtiger Kölner und weiß daher wovon ich rede. Seine ganze authentische Art passt gut nach Köln.

Marco Höger (hier im Trikot des 1. FC Köln) verstärkt den SV Waldhof Mannheim.
Marco Höger während seiner Zeit beim 1. FC Köln. © Matthias Balk/dpa

MA24: Mit dem FC Schalke 04 haben Sie einst in der Champions League gegen Real Madrid gespielt und haben im Derby gegen Borussia Dortmund ein wichtiges Tor geschossen. Wie oft werden Sie darauf angesprochen?

Höger: „Schalke nimmt ähnlich wie Köln einen großen Teil in meinem Herzen ein. Dort habe ich meine ersten Bundesliga- und Europapokalspiele gemacht und habe mit Weltstars wie Raul zusammengespielt. Ich kann Schalke nur danken, dass ich diese Möglichkeiten bekommen habe. Wenn man fünf Jahre in einem großen Verein spielt, spricht das schon für sich. Ich verfolge Schalke auch noch immer. Wenn ich mal in Gelsenkirchen bin, sprechen mich die Leute immer wieder an. Das ist halt das Geile bei Fans von solchen Traditionsvereinen: Sie vergessen nicht, wenn Du in einem Derby ein Tor gemacht hast.“

MA24: Haben Sie mit Spielern aus ihrer Schalker Zeit noch Kontakt?

Höger: „Es gab ja auf Schalke immer eine hohe Fluktuation. Trotzdem habe ich mit sehr vielen Spielern von damals noch Kontakt. Sie sind ja mittlerweile alle in ganz Europa verteilt. Aber wenn es die Gelegenheit gibt, treffen wir uns auch mal.

MA24: Sie haben bereits ein Fernstudium über das Thema Scouting und Spielanalyse abgeschlossen. Planen Sie auch in Mannheim für die Zeit nach der Karriere?

Höger: „Ja, ich werde mich auch hier auf jeden Fall weiterbilden. Jetzt galt es erstmal den Fokus darauf zu legen, sich hier einzuleben.

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