SVW-Coach im Interview

Kenan Kocak: „Unsere Fans dürfen träumen!“

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Kenan Kocak hat den SV Waldhof in der Spitzengruppe der Regionalliga-Südwest etabliert.

Mannheim-Waldhof – Im Interview mit MANNHEIM24 spricht SVW-Coach Kenan Kocak unter anderem über die starke Hinrunde, sein Vorbild Jürgen Klopp und mögliche Verstärkungen.

Hinter dem SV Waldhof Mannheim liegt ein äußerst erfolgreiches Halbjahr. Einen großen Anteil am Erfolg hat auch Kenan Kocak, der den Verein seit 2013 trainiert.

Vor dem letzten Spiel des Jahres gegen die TSG Hoffenheim II haben wir den Waldhof-Coach zum Interview am Alsenweg getroffen:

Frage: Herr Kocak, sollte Ihr Team am Sonntag in Hoffenheim gewinnen, hat man bereits genau so viele Punkte geholt, wie in der gesamten letzten Saison. Hat es Sie überrascht, dass die Mannschaft so konstant spielt? 

Kenan Kocak: „Das hat mich natürlich auch etwas überrascht. Die Mannschaft hat eine konstant gute Leistung abgerufen und verdient die 40 Punkte eingefahren. Nur in den letzten drei Spielen hat sie sich leider nicht mit Ergebnissen belohnt.“

Welchen Anteil haben die Neuzugänge am Aufschwung? 

„Alle Spieler haben einen großen Anteil. Wir heben da keinen besonders hervor. Der bisherige Erfolg ist der Verdienst der kompletten Mannschaft.“

Kann so eine bittere Niederlage wie gegen Saar 05 im Endeffekt vielleicht auch eine positive Wirkung haben? Eine Art Weckruf zur rechten Zeit?

„Ich verzichte gerne auf solche Lehren wie gegen Saar 05. Dieses Spiel dürfen wir einfach nicht verlieren. Das kann man auch nicht schönreden. Solche Punktverluste schmerzen einfach.“ 

Wie zufrieden sind Sie denn mit der Reaktion ihrer Spieler gegen Homburg gewesen? 

„Die Mannschaft hat vor allem in der zweiten Halbzeit gegen Homburg eine gute Reaktion gezeigt. Das stimmt mich sehr positiv für die Zukunft.“ 

Sie haben angekündigt, dass im Winter womöglich noch personell nachgelegt wird. Wo sehen Sie noch Verbesserungsbedarf? 

„Wenn es vom Vorstand genehmigt wird und der Verein samt Aufsichtsrat zustimmt, dann werden wir wahrscheinlich versuchen, uns noch auf der ein oder anderen Position zu verstärken. Aber jetzt vor dem letzten Spiel möchte ich mich nicht dazu äußern, auf welchen Positionen wir was machen werden.“ 

Der SV Waldhof ist in der Zuschauertabelle ganz vorne und in der Stadt herrscht eine Euphorie, wie es sie schon lange nicht mehr gegeben hat. Sehen Sie das ausschließlich positiv oder könnte dieser „Hype“, wenn es mal nicht so läuft, auch zur Belastung werden?

„Es freut mich für die Fans, dass sie so tolle Momente in den letzten Monaten erleben konnten. Unsere Fans dürfen auch auf jeden Fall träumen, das sollen sie auch! Nur wir im Verein wären gut beraten, wenn wir uns weiter nur auf die kommenden Wochen und die kommenden Aufgaben konzentrieren.“ 

Befürchten Sie, dass womöglich auch einige Spieler wie zum Beispiel gegen Saar 05 nur mit 80 statt mit 100 Prozent in ein Spiel gehen? 

„Die Gefahr sehe ich durchaus, aber die habe ich auch schon nach Siegen gesehen. Nur wer im Erfolg mit dem Tagesgeschäft umgehen kann, wird auch am Ende sein Ziel erreichen. Die, die nicht mit dem Erfolg umgehen können, werden scheitern.“ 

In der Hinrunde gab es viele Highlights wie zum Beispiel die Heimsiege gegen Saarbrücken oder Elversberg. Gab es für Sie ein Schlüsselspiel?

„Die Siege meiner Mannschaft waren alle hochverdient. Ich möchte da kein Spiel besonders hervorheben, das wäre vermessen.“

Es hat sich auch innerhalb des Vereins im letzten halben Jahr einiges verändert seitdem Stephan Pfitzenmeier Geschäftsstellenleiter ist. Wie beurteilen Sie diese Entwicklung? 

„Ich sehe durchaus eine positive Entwicklung. Ich denke, dass sowohl Stephan Pfitzenmeier aber auch Petra Seitz (Assistentin der Geschäftsführung, Anmerkung der Redaktion) für Ordnung in der Geschäftsstelle gesorgt haben.“ 

Sie selbst machen zurzeit ihren Trainerschein in Köln. Wie sind denn ihre Erfahrungen dort und wie sehr beeinflusst das schon ihre tägliche Arbeit?

„Bei der Trainerausbildung werden ja viele verschiedene Bereiche wie zum Beispiel Sportmedizin, Fußball-Lehre oder Psychologie thematisiert. Da sind dann natürlich auch gewisse Aspekte dabei, die auch in meine tägliche Arbeit hier mit einfließen. Man muss offen für neue Dinge sein und das bin ich. Ich habe mich in diesem halben Jahr auch schon weiterentwickeln können. Mir tut der Lehrgang richtig gut. Dem DFB und Frank Wormuth bin ich dafür sehr dankbar.“

Eine solche Doppelbelastung bringt auch immer Risiken mit sich. Wie wichtig ist dabei ihr Trainerstab und speziell Michael Fink, der ja vor der Saison das Trainerteam erweitert hat?

„Sehr wichtig! Er ist ein spielender Co-Trainer, der eine Karriere vorzuweisen hat. Er ist ein richtiger Leader und tut uns sehr gut. Ich muss auch dem ganzen Trainerteam, das mich während meiner Abwesenheit immer sehr gut vertreten hat, ein Riesenkompliment machen.“

Sie sind noch ein junger Trainer. Haben Sie schon in ihrer Zeit als Spieler wie ein Trainer gedacht und eine solche Karriere angestrebt? 

„Mein Glück war, dass ich mir schon als junger Spieler viele Gedanken um den Fußball gemacht habe, gerade auch in meiner Position als zentraler Mittelfeldspieler. Davon profitiere ich jetzt als Trainer natürlich auch.“ 

Sie waren als Spieler beim SV Waldhof aktiv und sind jetzt im dritten Jahr Trainer hier am Alsenweg. Welche Bedeutung hat der Verein nach all den Jahren für Sie? 

„Das kann ich mit Worten nicht beschreiben, das fühlt man einfach. Ein Waldhöfer fühlt Waldhof und beschreibt es nicht mit Worten, das kann man nicht!“

Sie waren bereits 2001 im Verein, als man fast in die Bundesliga aufgestiegen ist. Welche Erinnerungen haben Sie an diese Zeit und haben Sie auch noch Kontakt zu ihrem damaligen Trainer Uwe Rapolder?

„Ich hatte das Pech, dass ich mich damals nach einer Kreuzbandverletzung rankämpfen musste und deshalb nicht so nah an der Mannschaft dran war. Ein ganz wichtiger Faktor war ganz klar Uwe Rapolder, der den SV Waldhof mit seinem Konzeptfußball fast in die Bundesliga geführt hätte. Er hat eine Mannschaft geformt, die es damals definitiv verdient gehabt hätte, aufzusteigen. Ich habe zu ihm noch heute einen guten Kontakt. Wir tauschen uns regelmäßig aus und er weiß genau, was hier passiert. Der SV Waldhof ist immer noch eine Herzensangelegenheit für ihn.“

Sie haben letztes Jahr beim Benefizspiel gegen Dortmund gesagt, dass Jürgen Klopp ein Vorbild für Sie ist. Wie bewerten Sie seinen Schritt nach England zu gehen?

„Ich finde es super, dass er diesen Schritt gegangen ist. Ich denke, dass Liverpool ein Verein ist, der perfekt zu ihm passt. Es ist doch schön, dass mal wieder ein deutscher Trainer in der Premier League arbeitet. Ich freue mich für ihn.“ 

Was schauen Sie sich von einem Trainer wie Jürgen Klopp ab? 

„Da fließt von allem etwas mit in meine Arbeit ein. Aber nicht nur von Jürgen Klopp, ich habe auch mit anderen Trainern Kontakt, die in höheren Ligen arbeiten, um mich weiterzuentwickeln.“

Sind Sie jetzt auch mal froh, dass die Winterpause kommt, um das letzte halbe Jahr mit der Doppelbelastung sacken zu lassen? 

„Ich bin froh, dass ich von meiner Belastung mal einen Teil beiseite legen kann. Aber ich muss mich auch schon auf das Frühjahr konzentrieren. Denn im März stehen die Prüfungen an, auf die ich mich vorbereiten muss.“ 

Im letzten Winter hat die Mannschaft nach der Pause einige Probleme gehabt. Werden Sie deshalb Veränderungen in der Vorbereitung vornehmen? 

„Ja, das werden wir! Wir haben diesmal bewusst weniger Testspiele angesetzt als im letzten Jahr. Wir wollen den Fokus vor allem auf die Trainingsarbeit legen und detaillierter auf dem Platz zusammenarbeiten.“

Am Sonntag geht es im letzten Spiel des Jahres noch zur TSG Hoffenheim II. Was erwarten Sie für ein Spiel?

„Hoffenheim hat eine sehr gut ausgebildete Mannschaft. Sie haben einige Spieler in ihren Reihen, die zurecht Ambitionen haben, in den Profibereich zu kommen. Zudem sind sie taktisch und technisch sehr stark. Wir freuen uns auf die Begegnung!“

>>> Di Gregorio fällt gegen Hoffenheim aus

nwo

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