Interview

Premier-League-Profi Groß exklusiv: „Kann mir Rückkehr nach Mannheim sehr gut vorstellen“

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Pascal Groß (r.) hat sich in England einen Stammplatz erkämpft.

Pascal Groß hat sich in der Premier League durchgesetzt. Im exklusiven Interview spricht der Mannheimer über seinen Alltag in England, die Nationalmannschaft und seine Heimatstadt.

  • Der gebürtige Mannheimer Pascal Groß spielt seit 2017 in der Premier League.
  • Bei Brighton & Hove Albion zählt Groß zu den Leistungsträgern.
  • Im exklusiven Interview spricht er unter anderem über seine Highlights in der Premier League, die Gerüchte um einen Wechsel nach Liverpool und seine Heimatstadt Mannheim.

Seit zwei Jahren spielt der gebürtige Mannheimer Pascal Groß, der einst beim VfL Neckarau seine ersten Schritte in seiner Karriere gemacht hat, für den englischen Erstligisten Brighton & Hove Albion. Der 28-Jährige hat mit seinen guten Leistungen einen großen Anteil daran, dass der Premier-League-Klub zweimal die Klasse gehalten hat. Auch unter dem neuen Trainer Graham Potter ist er aus der Startelf nicht wegzudenken. 

Im Interview mit MANNHEIM24 spricht Pascal Groß über den Alltag in der Premier League, das Ziel Nationalmannschaft, seine Verbundenheit zu seiner Heimatstadt Mannheim und die Entwicklung des SV Waldhof.

Pascal Groß im MANNHEIM24-Interview

MANNHEIM24: Herr Groß, vier Punkte aus zwei Spielen - kann man von einem gelungenen Saisonstart sprechen?

Pascal Groß: „Auf jeden Fall - sowohl von der Ausbeute als auch von der Art und Weise, wie wir gespielt haben.

Brighton geht in das dritte Premier-League-Jahr in Folge. Was sind die Saisonziele?

Der Klassenerhalt hat natürlich die höchste Priorität - das ist die Basis. Auf Dauer will sich der Verein aber weiterentwickeln und zu einem gestandenen Klub in der Premier League werden. Die Konkurrenz in England ist aber groß.“

Im Mai gab es einen überraschenden Trainer-Wechsel. Wie haben Sie darauf reagiert?

Für mich war es auch eine Überraschung. Ich habe davon im Urlaub erfahren. Auch wenn wir letztlich den Klassenerhalt geschafft haben, haben wir in der Rückrunde fußballerisch nicht das gezeigt, was wir uns vorgestellt haben. Die Entscheidung zeigt, dass sich der Verein nicht so leicht zufrieden gibt und immer nach Höherem strebt. Der neue Trainer hat einen anderen Ansatz. Wir haben jetzt mehr Spielkontrolle und haben öfters den Ball.

Sie sind 2017 in die Premier League gewechselt. Wie groß war für Sie die Umstellung?

Ich habe schon zwei bis drei Ligaspiele gebraucht, um mich an das Tempo und die Körperlichkeit zu gewöhnen. Hier wird weniger gepfiffen und mehr laufen gelassen. Dadurch gibt es weniger Unterbrechungen.

Wie haben Sie sich persönlich eingelebt in England?

Ich habe mich gut eingelebt. Ich führe hier meinen Traumjob aus. Dadurch, dass mich meine Freunde und Eltern oft besuchen, wird mir das Leben auch vereinfacht. Meine Heimat ist für mich aber natürlich immer noch Mannheim.

Ist mit dem Wechsel nach England ein Lebenstraum für Sie in Erfüllung gegangen?

Als junger Spieler habe ich immer von der Bundesliga geträumt. Als die Chance kam, nach England zu gehen, war das keine einfache Entscheidung, da ich sehr heimatverbunden bin. Ich will diesen Schritt aber auf keinen Fall missen. Auf dem hohen Niveau habe ich mich enorm weiterentwickelt.

Pascal Groß verrät: Das war mein härtester Gegenspieler in der Premier League

Was waren ihre Highlights in den vergangenen zwei Jahren?

An der Anfield Road in Liverpool zu spielen und mein Tor im Old Trafford gegen Manchester United.

Wer war bisher Ihr härtester Gegenspieler?

Harry Maguire, der inzwischen für Manchester United spielt. In meinem zweiten Spiel gegen Leicester City habe ich zum ersten Mal die englische Härte zu spüren bekommen. Aus dem Spiel habe ich ganz viel gelernt - das war sehr wichtig für mich.“ 


Können Sie sich vorstellen, ihren bis 2022 gültigen Vertrag zu erfüllen?

Wenn man einen Vertrag unterschreibt, geht man erstmal davon aus, dass man auch so lange hier bleibt. Aber das muss man alles abwarten. Heutzutage geht es im Fußball so schnell. Ich könnte mir auch vorstellen, irgendwann wieder nach Deutschland zu gehen.

Im Januar gab es Gerüchte, dass der FC Liverpool interessiert an Ihnen ist. Gab es damals konkrete Gespräche?

Nein, das war eine reine Mediensache.“

Könnten Sie sich eine Rückkehr zur TSG Hoffenheim vorstellen?

So konkret habe ich mir noch gar keine Gedanken gemacht. Ich spiele jetzt hier in der Premier League. Auf diesem Niveau ist das ein reines Tagesgeschäft. Solche Spekulationen machen deshalb nur wenig Sinn.

Wie oft sind Sie noch in der Heimat?

Man kann es leider nicht lange im Vorfeld planen, aber wenn sich spontan die Möglichkeit ergibt, bin ich so oft wie möglich in Mannheim.

2007 hat die TSG Hoffenheim Sie und sechs weitere Spieler vom VfL Neckarau verpflichtet. Würden Sie rückblickend sagen, dass das der richtige Schritt war?

Das war auf jeden Fall der richtige Schritt. Mein Vater, der uns damals in Neckarau trainiert hat, hat uns darauf gut vorbereitet. Wir waren wirklich lange bei unserem Heimatverein, was heutzutage eher unüblich ist. Irgendwann mussten wir dann aber auch den nächsten Schritt machen. Neckarau ist auch weiterhin mein Herzensverein, aber damals musste ich an meine Karriere denken.

Wie intensiv ist der Kontakt zu ihren ehemaligen Mitspielern vom VfL Neckarau, mit denen Sie gemeinsam zur TSG gewechselt sind?

Zu Marco Terrazzino und Anthony Loviso habe ich einen sehr engen Kontakt. Wir schreiben uns fast täglich.

Sie sind seit zwei Jahren Stammspieler in der besten Liga der Welt. Gab es schon einen Anruf von Bundestrainer Joachim Löw?

Nein. Zum DFB hatte ich seit der U20 keinen Kontakt mehr.

Ist die Nationalmannschaft dennoch noch ein Ziel?

Natürlich wäre es ein Traum, aber ich kann das schon realistisch einschätzen. Wenn ich sehe, wer mittlerweile alles als zu alt gilt, dann glaube ich, dass das eher nichts mehr wird.

Pascal Groß kann sich Rückkehr nach Mannheim vorstellen - Lob für den SV Waldhof

Ärgert das einen, dass man trotz guter Leistung nicht berücksichtigt wird?

Das beschäftigt mich nicht. Ich bin schon meine ganze Karriere etwas unter dem Radar geflogen, weil meine Vereine nicht so verfolgt worden sind. Ich glaube, wenn ich meine Zahlen aus der Aufstiegssaison mit Ingolstadt zum Beispiel in Köln aufgelegt hätte, dann hätte vielleicht alles etwas größer werden können.

Verfolgen Sie als Mannheimer den SV Waldhof Mannheim?

Ja, bis jetzt habe ich mir jedes Spiel angeschaut. Ich verfolge das sehr intensiv und drücke auch immer die Daumen. Ich wünsche dem Klub nur das Beste! Neckarau ist zwar mein Verein, aber ich freue mich, wenn es in der Stadt neben Eishockey und Handball auch eine Top-Fußballmannschaft gibt. Der Aufstieg war hochverdient. Wir sind nicht nur eine Eishockey-, sondern auch eine Fußball-Stadt.“

Könnten Sie sich zum Ende Ihrer Karriere eine Rückkehr zum VfL Neckarau vorstellen?

Mannheim ist allgemein eine Option für mich. Ich kann mir das sehr gut vorstellen.

nwo

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