DFB-Bundesgericht hat entschieden

Punktabzug bleibt bestehen! Das sagen Kompp und SVW-Anwalt Zindel zum DFB-Urteil

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Markus Kompp ist seit 2016 Geschäftsführer des SV Waldhof (Archivfoto)

Frankfurt/Main – Am Dienstag (25. September) hat das DFB-Bundesgericht über die Berufung des SV Waldhof Mannheim verhandelt. Die Reaktionen auf das Urteil:

Nach fast vier Stunden ist am Dienstag (25. September) in der Frankfurter DFB-Zentrale ein Urteil gesprochen worden: Der Abzug von drei Punkten wegen der Fan-Ausschreitungen in den Relegationsspielen gegen Uerdingen bleibt bestehen, die Geldstrafe ist von 40.000 auf 25.000 Euro verringert worden und bezüglich der Auflagen zeigt sich der DFB gegenüber dem SV Waldhof gesprächsbereit.

Heißt: Wenn die Mannheimer eine Lösung präsentieren, mit der der DFB einverstanden ist, wird die Otto-Siffling-Tribüne den Fans wieder zur Verfügung stehen.

Da der Punktabzug bestehen bleibt, überwiegt beim SVW aber die Enttäuschung. „Ich habe mir natürlich mehr erhofft. Wir werden das Urteil prüfen und uns dann beraten. Der Punktabzug ist unschön für die Mannschaft. Ob ein Punkt oder sechs Punkte - das ist einfach der falsche Ansatz“, sagt SVW-Geschäftsführer Markus Kompp.

Emotionales Plädoyer von Kompp

Der 35-Jährige hat während der Verhandlung ein emotionales Plädoyer gehalten. „Am 27. Mai ist in mir etwas passiert. Ein Teil meines Antriebs für den Job ist durch diese Chaoten gestorben.  Ich mache den Job aber auch der Mannschaft zuliebe und bin in der Verantwortung, den Punktabzug wegzubekommen - egal auf welchem Weg.

Kompp betont während der Verhandlung zudem: „Der Punktabzug steht für uns an erster Stelle. Das ist für uns existenziell und kann Millionen kosten.“ In seinem Plädoyer bringt Waldhof-Anwalt Johannes Zindel, der auch formale Fehler im Verfahren beanstandet, einen Punktabzug auf Bewährung ins Spiel. „Mit einem Punktabzug wird das Kollektiv bestraft, es fehlt jede Täterorientierung. Der Kontrollausschuss hat überhaupt keine Kompetenz, einen Punktabzug durchzuführen.

Wolfgang Ziehrer, der den DFB-Kontrollausschuss vertritt, lobt den bereits umgesetzten Maßnahmenkatalog, den der Verein unmittelbar nach der Relegation initiiert hat, und macht die Tür für eine ‚Rückkehr‘ der OST-Tribüne in dieser Saison auf. Dennoch plädiert Ziehrer für einen Abzug von sechs Punkten und für eine Geldstrafe in Höhe von 40.000 Euro. 


Das Fan-Verhalten vor allem im zweiten Spiel war außergewöhnlich und darf nicht ignoriert werden. So eine Situation, dass Fans einen Spielabbruch herbeiführen, hat es noch nicht gegeben“, betont Zieherer mit Blick auf den Pyro-Skandal.

DFB statuiert Exempel

Mit dem Punktabzug führt der DFB ein völlig neues Strafmaß für Fan-Ausschreitungen ein. „Die Vorfälle waren exorbitant schwer“, sagt Achim Späth, Vorsitzender des DFB-Bundesgerichts, in seiner Urteilsverkündung. „Ein Abzug von drei Punkten ist notwendig und angemessen. Wir gehen damit neue Wege“, so Späth.

Wir als kleiner SV Waldhof Mannheim müssen diesen Weg jetzt gehen. Ich weiß nicht, ob es die richtige Wahl war, diese Strafe bei einem Regionalligisten durchzuführen“, ärgert sich Kompp über das Urteil.

SVW-Anwalt Zindel sieht „realistische Chancen“, den Punktabzug doch noch wegzubekommen. „Das Urteil trägt uns zum Jagen. Wir müssen weitermachen, weil wir die Chance haben, von den drei Punkten runterzukommen“, so Zindel abschließend.

Hintergrund

Hinter dem SV Waldhof Mannheim liegen turbulente Monate. Nachdem es in der Relegation gegen Uerdinge Ende Mai im Carl-Benz-Stadion zu heftigen Ausschreitungen im Waldhof-Block gekommen ist, die sogar zu einem Spielabbruch geführt haben, hat der DFB-Kontrollausschuss am 19. Juni beantragt, dass dem Klub für die kommende Saison neun Punkte abgezogen werden. Zudem fordert er eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro und weitere Auflagen wie beispielsweise den Ausbau der Videoüberwachung.

Der SVW hat der Strafe nicht zugestimmt und hat in der Folge auf den DFB-Antrag reagiert. „Wir haben dem Antrag des DFB nicht zugestimmt und eine Begründung abgeliefert, warum diese Entscheidung nicht im Verhältnis zu unserer Meinung steht“, sagt Geschäftsführer Markus Kompp. In ähnlichen Fällen hat der DFB bisher auf Punktabzüge verzichtet.

Das Strafmaß ist bei der Gerichtsverhandlung am 5. Juli 2018 zwar auf drei Minuspunkte und 40.000 Euro Strafe reduziert worden, doch damit haben sich die Waldhöfer nicht zufriedengegeben. „Prinzipiell halte ich die Entscheidung aber für falsch, mit einem Punktabzug in den Spielbetrieb einzugreifen“, hat Kompp unmittelbar nach dem Urteil gesagt

Sowohl der DFB-Kontrollausschuss als auch der SV Waldhof Mannheim sind in Berufung gegangen.

nwo

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