Entscheidung wohl Ende Mai 

Corona-Krise trifft 3. Liga - hitzige Debatte um Zukunft

Mannheim – Die 3. Liga steht wegen der Corona-Krise vor einer großen Herausforderung. Wird die Saison abgebrochen oder mit Geisterspielen fortgeführt? Die Debatte ist hitzig:

  • 3. Liga gespalten wie nie zuvor: Abbruch oder Geisterspiele?
  • Vereine der 3. Liga diskutieren in der Corona-Krise über weiteres Vorgehen.
  • Die endgültige Entscheidung könnte erst Ende Mai auf dem DFB-Bundestag fallen.

Am 8. März hat das bislang letzte Spiel der 3. Liga stattgefunden. Seitdem ruht der Spielbetrieb wegen der Corona-Krise. Auch fast zwei Monate später ist noch nicht geklärt, wie es in der 3. Liga weitergeht. Wird die Saison ähnlich wie in anderen Sportarten abgebrochen oder wird die Spielzeit trotz Corona mit Geisterspielen sportlich zu Ende gebracht? Diese Frage sorgt dafür, dass die 3. Liga, der im Falle eines Abbruchs ein hoher finanzieller Verlust droht, gespalten ist wie nie zuvor. Klubs wie der SV Waldhof Mannheim plädieren öffentlich für einen Abbruch, die Vereine aus Bayern sind im Gegenzug geschlossen für eine Saisonfortsetzung. Ein Übersicht über den Krisenherd 3. Liga:

3. Liga: Geisterspiele eine realistische Option?

Inzwischen bleiben in der 3. Liga nur noch zwei mögliche Szenarien. Spiele mit Zuschauer wird es voraussichtlich bis mindestens Ende August nicht geben, weil die Politik aufgrund der aktuellen Lage Großveranstaltungen verboten hat.

Da die finanzielle Situation für die Vereine der 3. Liga ohnehin nicht einfach ist, erhält die Diskussion um das weitere Vorgehen enormen Zündstoff. Die Klubs sind deutlich mehr auf die Zuschauer-Einnahmen angewiesen wie die Erst- und Zweitligisten, bei denen es zunächst primär um das TV-Geld geht. Zudem wären Geisterspiele für die Drittliga-Vereine logistisch eine große Herausforderung.

3. Liga: Was passiert bei einem Abbruch mit der Tabelle?

Auch ein Abbruch bringt einige Probleme mit sich. Es wird die Frage zu klären sein, ob es Auf- und Absteiger gibt und wie sich die Abschlusstabelle zusammenstellt. Ein Vorschlag, dass man bei Geisterspielen den Abstieg aussetzt, ist bereits wieder vom Tisch, da der sportliche Anreiz im Abstiegskampf komplett ad absurdum geführt worden wäre. 

Es ist doch vollkommen klar, dass Auf- und Absteiger ganz normal ausgespielt werden sollten. Sonst hat man eine Wettbewerbsverzerrung. Dann würde es auch für manche Vereine um nichts mehr gehen und sie können gleich mit der U19 auflaufen“, wird Günther Gorenzel, Geschäftsführer des TSV 1860 München, von der Abendzeitung zitiert. Im Zuge der grundsätzlichen Abstiegsproblematik ist zudem der Vorschlag für eine zweigleisige 3. Liga ins Spiel gebracht worden, was allerdings als sehr unwahrscheinliche Lösung gilt. 

Nach dem letzten Spieltag dürften sich der MSV Duisburg und der SV Waldhof Mannheim über den Aufstieg in die 2. Bundesliga freuen. Auch angesichts der extrem engen Tabellenkonstellation wird ein solcher Schritt aber nicht einfach zu vermitteln sein und könnte womöglich juristische Folgen für den DFB haben. 

3. Liga: Wie positioniert sich der SV Waldhof Mannheim?

Aufsteiger SV Waldhof Mannheim ist in der ganzen Diskussion um einen Abbruch der 3. Liga sehr in den Fokus gerückt. Geschäftsführer Markus Kompp hat sich bereits frühzeitig mehrmals öffentlich für ein vorzeitiges Ende der Saison ausgesprochen. Gemeinsam mit sieben weiteren Vereinen hat der SVW ein Positionspapier veröffentlicht, in dem der sofortige Saisonabbruch gefordert wird. Alle Klubs, die sich daran beteiligt haben, würden auf die aktuelle Tabelle bezogen profitieren. Waldhof würde in die 2. Bundesliga aufsteigen, die Abstiegskandidaten Jena, Großaspach, Münster, Zwickau, Halle, Magdeburg und Chemnitz wären laut diesem Vorschlag allesamt gerettet

Markus Kompp macht sich für einen Saisonabbruch stark. (Archivfoto)

Wie inzwischen bekannt geworden ist, ist einer der Hauptgründe für das Vorgehen des SV Waldhof ein Corona-Todesfall in der Familie eines SVW-Spielers. Kompp hat dies in einer E-Mail an die anderen Drittligisten und den DFB geschrieben. Im Anschluss daran ist der Waldhof-Geschäftsführer von einigen Klubs kritisiert worden. Der Vorwurf: Kompp würde den Todesfall sportpolitisch nutzen. „Leider muss ich mir jetzt schon den Vorwurf gefallen lassen, den Todesfall sportpolitisch zu nutzen - dabei habe ich einen Monat meine Klappe gehalten. Das ist an Frechheit nicht mehr zu überbieten“, ärgert sich Kompp gegenüber der Bild-Zeitung. Die Spieler des SV Waldhof haben in einer mannschaftsinternen Umfrage für die Wiederaufnahme von Training und Spielbetrieb gestimmt - sofern dies von den Behörden genehmigt wird. 

3. Liga: Finanzhilfe an Bedingungen geknüpft

Aufgrund der angespannten finanziellen Lage erhält die 3. Liga und die Frauen-Bundesliga eine Hilfe in Höhe von 7,5 Millionen Euro. Das Geld stammt von den vier deutschen Champions-League-Teilnehmern FC Bayern, Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen und RB Leipzig

DFL-Geschäftsführer Christian Seifert hat zunächst erklärt, die Hilfen sind an keine Bedingungen geknüpft. Inzwischen ist aber öffentlich geworden, dass die Summe nur komplett ausgezahlt wird, wenn die Drittliga-Vereine an den Geisterspielen teilnehmen. Zudem werden 50.000 Euro für Corona-Tests beansprucht.

3. Liga: Was will der DFB?

Der DFB sitzt letztlich zwischen den Stühlen, hat aber in der Kommunikation immer wieder betont, dass es das Ziel sei, die Saison sportlich zu beenden. Hierfür hat der Verband auch den Rahmen geschaffen, indem er zum Beispiel ein mögliches Saisonende nach dem 30. Juni nicht ausschließt und die Vorgaben für die Lizenz gelockert hat. 

Werden im Carl-Benz-Stadion Geisterspiele stattfinden?

Im Idealfall soll die 3. Liga mit mehreren englischen Wochen bis zum 30. Juni zu Ende gespielt werden. Hierfür soll der Spielbetrieb bereits am 16. Mai wieder aufgenommen werden. Angesichts der aktuellen Umstände erscheint ein solcher Plan jedoch äußerst ambitioniert

3. Liga: Wann fällt eine Entscheidung?

Nachdem die Diskussion mehrmals öffentlich ausgetragen worden ist, haben sich die Vereine auf einer Sonderkonferenz am 22. April darauf geeinigt, künftig intern zu debattieren. Der Burgfrieden hat allerdings nur wenige Tage gehalten. Nach der Abstimmung unter den Vereinen wird die Zukunftsfrage der 3. Liga abermals öffentlich ausgetragen. 

Am 25. Mai findet der Außerordentliche DFB-Bundestag statt.

Zehn Vereine haben bei der Abstimmung am 27. April für eine Saisonfortsetzung gestimmt, acht dagegen. Der 1. FC Kaiserslautern und der SV Meppen haben sich enthalten. „Es handelt sich hierbei um das Meinungsbild der Clubs der 3. Liga, nicht um eine Beschlussfassung“, teilt der DFB mit. Demnach entscheiden letztlich das DFB-Präsidium oder der DFB-Vorstand über die Saisonfortsetzung - immer vorausgesetzt, dass die Politik grünes Licht gibt

Doch wann fällt nun die Entscheidung? Bund und Länder wollen am 6. Mai über das weitere Vorgehen im Sport beraten. Der DFB hat indes für den 25. Mai um 13 Uhr einen Außerordentlichen Bundestag einberufen. Auf diesem könnte ein möglicher Abbruch beschlossen werden. „Es wird daher Beratungen und Beschlussfassungen über die Durch- und Fortführung beziehungsweise den möglichen Abbruch von DFB-Spielklassen einschließlich der erforderlichen Entscheidungen über Auf- und Abstieg und die gegebenenfalls notwendigen Änderungen der Statuten geben“, kündigt der DFB an.

Fakt ist: Die 3. Liga steht vor ihrer größten Herausforderung seit ihrem Bestehen. Verlierer wird es bei allen Szenarien geben. Die Aufgabe des DFB ist es nun, den entstehenden Schaden so gering wie möglich ausfallen zu lassen.

nwo

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