Comeback nach fast zwei Jahren

Stiefler: „Das war ein überragendes Gefühl!“

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Manuel Stiefler spielt seit 2013 für den SV Sandhausen.

Sandhausen – Nach einer langen Verletzungspause hat sich Manuel Stiefler zurück ins Team des SV Sandhausen gespielt. Im HEIDELBERG24-Interview spricht der 28-Jährige über sein Comeback.

679 Tage hat Manuel Stiefler auf diesen Moment gewartet! Nach zwei Kreuzbandrissen hat der Mittelfeldspieler am 20. Spieltag gegen den VfB Stuttgart sein langersehntes Comeback gefeiert.

„Er ist ein fleißiger Spieler, der auch in seiner Rehazeit sehr bemüht war, wieder ranzukommen. Es freut mich sehr, dass er in Stuttgart eine gute Leistung gezeigt hat. Vor allem taktisch hat er es sehr gut gemacht. Nach so einer langen Pause, so ein Spiel abzuliefern, verdient großen Respekt“, lobt SVS-Coach Kenan Kocak den 28-Jährigen.

Vor dem Auswärtsspiel gegen Heidenheim hat HEIDELBERG24 Manuel Stiefler zum Interview getroffen und hat mit dem Bayreuther unter anderem über sein Comeback, seine lange Leidenszeit und seine Knochenmarkspende gesprochen.

HEIDELBERG24: Herr Stiefler, wie ist die Stimmung im Team nach vier Pflichtspielniederlagen in Folge?

Manuel Stiefler: „Wir haben uns natürlich mehr erhofft. Wir haben jetzt auch nicht so schlechte Spiele abgeliefert, haben letztlich aber keine Punkte geholt. Der Trainer hat im Training schon ein bisschen angezogen, damit wir die Fehler, die wir gemacht haben, abstellen.“

Sie haben gegen den VfB Stuttgart ihr erstes Spiel seit April 2015 gemacht. Was war das für ein Gefühl, wieder auf dem Rasen zu stehen?

„Das war einfach ein überragendes Gefühl - unbeschreiblich! Ich habe mich total gefreut. Es hätte eigentlich kein besseres Spiel für das Comeback geben können.

Wann haben Sie erfahren, dass sie von Anfang an spielen?

„Das war im Abschlusstraining und kam schon etwas überraschend für mich, da ich vorher noch nicht im Kader stand. Auch meine Familie ist dann noch spontan nach Stuttgart kommen, um das Spiel im Stadion zu verfolgen. Es war ein schönes Gefühl, mal wieder dabei gewesen zu sein, auch wenn wir leider nicht mit einem Punkt oder einem Sieg belohnt worden sind.“

Wie fit fühlen Sie sich nach der langen Verletzungspause bzw. wie nah sind Sie an den 100 Prozent?

„Ich bin noch nicht bei 100 Prozent, das dauert schon eine gewisse Zeit. Ich bin aber schon sehr zufrieden. Die Wettkampfpraxis ist unglaublich wichtig. Das kann man weder in der Reha noch in der täglichen Trainingsarbeit simulieren.“

Wird man nach zwei so schweren Verletzungen auch vorsichtiger in den Zweikämpfen?

„Das ist letztlich eine reine Kopfsache. Man versucht das schon in der Reha Stück für Stück abzubauen, aber unterbewusst spielt das manchmal vielleicht schon eine Rolle. Im Spiel oder im Training denkt man dann aber mit der Zeit nicht mehr drüber nach.“

Sie haben sich im April 2015 als Stammspieler das Kreuzband gerissen. Der zweite Kreuzbandriss folgte dann im Winter-Trainingslager 2016, als Sie sich gerade zurückgekämpft hatten. Nach welcher Verletzung war es schwieriger wieder zurückzukommen?

„Beim ersten Kreuzbandriss war ich vorher richtig gut in Form. Da war es schon bitter, auf dem Höhepunkt sich so zu verletzen. Beim zweiten Kreuzbandriss war es dann hart, weil ich gerade erst eine achtmonatige Reha hinter mir hatte. Da fällt man die ersten Wochen schon in ein Loch. Das ging auch an die Psyche.“

Wie haben Sie sich aus diesem Tief herausgekämpft?

„Man muss vom Kopf her schon stabil sein und muss immer positiv denken. Nach so einer Verletzung darf man auch mal zwei Wochen trauern. Danach muss man aber nach vorne schauen. Ich wollte unbedingt zurück auf den Platz. Ich habe mir gesagt, dass ich die erste Reha nicht gemacht habe, um jetzt den Kopf in den Sand zu stecken. Man braucht auch immer Leute im Umfeld, die einen aufbauen.“

Wie intensiv war in dieser Zeit der Kontakt zur Mannschaft?

„Ich war fast täglich in der Kabine. Auf der einen Seite ist man natürlich traurig, wenn man die Jungs auf dem Trainingsplatz sieht und selbst nicht mitwirken kann. Manchmal hat man dann schon das Gefühl, nicht Teil des Teams zu sein. Auf der anderen Seite tut es aber auch gut, wenn man zum Beispiel in der Kabine immer dabei ist.“

Denis Linsmayer hat beim Rückrundenauftakt 2016 ein Trikot von Ihnen getragen. Welche Bedeutung hat diese Geste für Sie gehabt?

„Ich habe das damals auf der Couch gesehen und habe mich sehr gefreut. Denis ist ein sehr guter Freund von mir, der auch die ganze Zeit mit mir gelitten hat. Es war eine tolle Geste, die mich schon auch aufgebaut hat.“

Wie hat sich die Mannschaft seit ihrer ersten Verletzung fußballerisch entwickelt?

„Von der Mannschaftszusammenstellung her hatten wir auch schon in den letzten Jahren immer Top-Charaktere. Wir sind ein eingeschworener Haufen. Durch den Trainerwechsel hat sich dann natürlich auch noch einmal einiges verändert. Wir spielen mehr Fußball und suchen öfters nach eigenen Lösungen - das kommt meiner Spielweise sehr entgegen.“

Welche Rolle hat Kenan Kocak bei ihrem Comeback gespielt?

„Er hat gleich in der Vorbereitung ein Gespräch mit mir geführt, in dem er mir gesagt hat, dass er viel von mir hält, ich aber die Reha in Ruhe zu Ende bringen soll. Den Startelfeinsatz in Stuttgart habe ich als Vertrauensbeweis gesehen. Das Vertrauen möchte ich jetzt mit Leistung zurückgeben.“

Inwiefern haben Sie sich während ihrer Reha mit den anderen verletzten Spielern ausgetauscht?

„Spieler, die ein ähnliches Schicksal haben, können da schon gut mitfühlen. Mit Erik Zenga verstehe ich mich zum Beispiel richtig gut. Wir haben uns immer gegenseitig aufgebaut. Er hat sich jetzt auch sehr für mich gefreut. Ich hoffe, dass er demnächst auf den Platz zurückkehren kann.“

Ihr Vertrag läuft im Sommer aus. Haben Sie schon Gespräche mit dem Verein geführt bzw. könnten Sie sich grundsätzlich vorstellen zu verlängern?

„Ich bin jetzt im vierten Jahr hier und fühle mich sehr wohl. Der Verein hat mich auch während meiner Verletzung immer unterstützt. Der SV Sandhausen ist auf jeden Fall mein erster Ansprechpartner. Otmar Schork hat mir signalisiert, dass man sich demnächst zusammensetzen wird.“

Sie haben 2014 Knochenmark gespendet. Wie kam es dazu?

„Als ich noch in Saarbrücken gespielt habe, ist ein Spieler von der SV Elversberg an Leukämie erkrankt. Die Stefan-Morsch-Stiftung kam auf die Vereine zu und wir haben uns typisieren lassen. Im März 2014 habe ich dann einen Anruf bekommen, dass meine Stammzellen auf die eines Patienten passen könnten. Nach der Saison folgte dann der Eingriff. Ich kann auch jedem die Angst nehmen. Der Eingriff ist keine große Sache. Wenn man dadurch Leben retten kann, sollte das eigentlich gar keine Frage sein.“

Hat sich der Patient bei Ihnen gemeldet?

„Ich weiß, dass die Spende nach Tschechien gegangen ist, habe bisher aber keinen Kontakt zu dem Patient gehabt. Ich selbst kann erst nach drei Jahren nachfragen, wie es dem Patienten ergangen ist.“

Zum Abschluss noch ein Tipp bzw. ein Ausblick auf das Spiel am Sonntag in Heidenheim?

„Bis jetzt haben wir uns in Heidenheim immer schwer getan. Ich glaube aber, dass wir diesmal das Ding gewinnen. Es wird ein enges und intensives Kampfspiel, ich bin aber guter Dinge, dass wir mit 1:0 gewinnen.“

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nwo

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