Überraschungsteam

Darum verzückt der SV Sandhausen die Liga

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Jakub Kosecki (m.) ist einer der Gewinner beim SV Sandhausen.

Sandhausen – Zwei Siege, sieben Tore! Der SV Sandhausen ist mit einem Traumstart in die neue Saison gestartet – trotz drei Punkten Abzug. Wir erklären die Gründe für den Aufschwung.

„Elf Freunde müsst ihr sein“, hat einst Weltmeister-Trainer Sepp Herberger gepredigt. Das diese Erfolgsformel im modernen Fußball so kaum noch zu finden ist, sollte mittlerweile kein Geheimnis sein.

Teamspirit im Vordergrund

Wenn man sich allerdings die Mannschaft des SV Sandhausen aktuell anschaut, so stellt man fest, dass es genau dieser Spirit ist, der die Schwartz-Elf auszeichnet. 

Im Fokus stehen bei den Schwarz-Weißen nicht nur elf Spieler, sondern das ganze Team. Auch die Reservisten ziehen beim SVS mit einem solchen Engagement mit, wie es bei nur wenigen Mannschaften im Profifußball der Fall ist. Vergleichen kann man diesen Teamgeist vielleicht noch am ehesten mit der deutschen Nationalmannschaft, die mit ihrer Geschlossenheit während der WM 2014 die ganze Welt begeistert hat.

„In der Mannschaft stimmt es einfach. Wir haben eine gute Elf gefunden und auch die Auswechselspieler sind nah dran. Jeder von außen fiebert mit, das merkt man auch auf dem Platz“, bestätigt Innenverteidiger und Siegtorschütze Florian Hübner nach dem furiosen 4:3-Sieg gegen Union Berlin.

Auch wenn der Kader der Nordbadener größtenteils zusammengeblieben ist, haben sich die Sandhäuser mit insgesamt neun Spielern verstärkt, um in der Breite besser aufgestellt zu sein. Die Integration der neuen Spieler hat dabei schon in der frühen Saisonphase hervorragend funktioniert.

Beste Beispiel ist Erik Zenga, der verletzungsbedingt zwar noch nicht zum Einsatz gekommen ist, aber den Fans beim SVS-Familientag auf humoristische Weise Einblicke in das Innenleben der Mannschaft gegeben hat. So bilden Aziz Bouhaddouz, Leart Paqarada, Moritz Kuhn und eben Erik Zenga die sogenannten „Pappnasen“ (so Zenga), die in der Kabine für ordentlich Stimmung sorgen.

Mit gezielten Neuzugängen die Hypothek bereinigt 

In den ersten zwei Spielen haben vor allem die Neuzugänge Jakub Kosecki und Philipp Klingmann die Kreativität ins Offensivspiel des SVS gebracht, die in der vergangenen Saison oftmals gefehlt hat.

Auch die Hypothek von drei Minuspunkten ist bereits nach dem zweiten Spieltag kein Thema mehr am Hardtwald. „Die Hypothek ist im Hinterkopf, aber nicht im Fokus“, hat Trainer Alois Schwartz vor der Saison gesagt und wenn man sieht, wie selbstbewusst die Mannschaft um den erfahrenen Kapitän Stefan Kulovits von der ersten Minute der neuen Saison aufgelaufen ist, hat sich dies auch bestätigt.

Moral intakt, Standards perfektioniert

Zentraler Punkt in der Erfolgsformel der Schwarz-Weißen ist zudem die Moral, die das Team an den Tag legt. Sei es nach dem Rückstand in Braunschweig oder nach dem zweifachen Rückstand gegen Union Berlin, die Mannschaft hat sich nie aufgegeben und ist immer wieder zurückgekommen.

Hatten die Sandhäuser im Vorjahr mit 32 Toren noch gemeinsam mit Absteiger Erzgebirge Aue die schlechteste Offensive der Liga, hat man nach gerade einmal zwei Spielen in der neuen Spielzeit schon beachtliche sieben Treffer erzielt und stellt in der Scorerliste gleich mehrere Spieler.

Das ist auch das Ergebnis einer stetigen Entwicklung, die seit dem Aufstieg ins Fußball-Unterhaus 2012 in Gang gesetzt wurde. Sowohl Trainer Alois Schwartz als auch Geschäftsführer Otmar Schork haben in der Sommerpause mit gezielten Verstärkungen an den richtigen Stellschrauben gedreht und so das Team entscheidend weiterentwickelt.

Eine der großen Stärken sind Standardsituationen: So sind drei der sieben Tore nach einer Standards gefallen. Besonders Leart Paqarada, der mit seinen zielgenauen Freistößen kopfballstarke Spieler wie zum Beispiel Florian Hübner perfekt in Szene setzt, hat seine Standards perfektioniert.

Bescheidenheit trotz Aufschwung

Doch trotz der zwei Siege zum Saisonauftakt bleibt man am Hardtwald weiter bescheiden. Schließlich ist auch in diesem Jahr der Klassenerhalt das primäre Ziel. Wenn man sich die Erfolgsformel des SVS näher betrachtet, dann kann man davon überzeugt sein, dass auch niemand abhebt und anfängt zu träumen. „Ich hoffe, dass wir so schnell wie möglich die 40 Punkte knacken“, betont Goalgetter Aziz Bouhaddouz.

„Das Spiel heute hätte 10.000 Zuschauer verdient gehabt“, sagt SVS-Präsident Jürgen Machmaier nach dem Spektakel gegen Union Berlin, bei dem lediglich 4.753 Zuschauer den Weg ins Stadion gefunden haben. Es wäre dem Verein vom Hardtwald definitiv zu wünschen, dass künftig mehr Zuschauer den Weg nach Sandhausen finden. Die Mannschaft hätte es jedenfalls verdient.

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Transparenzhinweis: HEIDELBERG24 ist Medienpartner des SV Sandhausen 1916 e.V.

nwo

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