SVS-Vizekapitän im Interview

Linsmayer: „Fühle mich hier extrem wohl!“

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Denis Linsmayer spielt seit 2013 beim SV Sandhausen.

Sandhausen – Im HEIDELBERG24-Interview spricht Denis Linsmayer unter anderem über das Jahr 2015, einen wegweisenden Blick in den Videotext und seine Liebe zum englischen Fußball.

Nominiert für das Tor das Monats, unangefochtener Stammspieler und Vizekapitän beim SV Sandhausen! Für Denis Linsmayer läuft die Saison bislang richtig gut.

Vor dem letzten Spiel des Jahres gegen Union Berlin hat HEIDELBERG24 den defensiven Mittelfeldspieler zum Interview am Hardtwald getroffen.

Frage: Herr Linsmayer, zuletzt hat es drei Spiele ohne Sieg gegeben. Wie ist die Stimmung in der Mannschaft? 

Denis Linsmayer: „Die Stimmung ist natürlich nicht ganz so super wie nach Siegen. Aber jetzt eine kleine Krise herbeizureden, wäre glaube ich zu viel des guten. Wenn man auf die Tabelle guckt und die drei Minuspunkte dazurechnet, wären wir nur einen Punkt hinter Platz drei. Es bleibt einfach festzuhalten, dass wir 2015 eine super Runde gespielt haben. Deswegen ist die Stimmung auch insgesamt positiv.“ 

Die 78. Minute und das 0:2 gegen Braunschweig hat für viele Diskussionen gesorgt. Wurde die Szene auch mannschaftsintern angesprochen? 

„Ja, der Trainer hat das in der Nachbesprechung angesprochen. Man kann es jetzt nicht mehr ändern. Ich glaube, dass beide Teams in dieser Situation einen Fehler gemacht haben. Man kriegt in der Jugend immer gesagt, dass man solange weiterspielen soll bis der Schiedsrichter pfeift. Andererseits hätten die Braunschweiger den Ball natürlich auch ins Aus spielen können.“ 

Der SV Sandhausen ist trotz des Punktabzugs die fünftbeste Mannschaft im Jahr 2015. Hat Sie diese rasante Entwicklung auch ein stückweit überrascht?
 

„Das spricht für den Charakter der Mannschaft. Wir haben uns auch nach Niederlagen nicht hängen lassen. Wir glauben einfach an unsere eigene Stärke und sind mittlerweile eine eingespielte Truppe. Nach der Hinrunde im letzten Jahr, die nicht so gut gelaufen ist, sind deutliche Worte gefallen. Wir haben vor allem auch am Offensivspiel gearbeitet. Die gute Balance zwischen Offensive und Defensive ist nämlich letztlich ausschlaggebend, dass sich das für uns so zum Positiven gedreht hat. Für jeden Beteiligten kam die Entwicklung natürlich auch etwas überraschend. Am Ende ist es aber auch der Lohn für harte Arbeit.“ 

Es gab viele spektakuläre Siege wie in Leipzig, in Paderborn oder auch gegen den Karlsruher SC. Haben Sie ein persönliches Highlight? 

„Das waren alles Highlights. Nach dem 4:0 in Leipzig war ich beim Blick auf die Anzeigetafel schon fast sprachlos. Denn mehr David gegen Goliath geht ja eigentlich nicht. Für mich persönlich war der Derbysieg gegen den KSC vielleicht das größte Highlight. Auch weil ich ein Tor beisteuern konnte.“ 

Sie haben seit August 2013 lediglich drei Spiele aufgrund von Sperren verpasst. Merkt man am Ende eines Jahres jetzt auch den Kräfteverschleiß?


„Hinter uns liegen sehr viele intensive Spiele. Das spüre ich persönlich auch und bin schon froh, wenn es jetzt am Freitag dann in die Winterpause geht.“

Sie sind mit 24 Jahren bereits Vizekapitän. Mussten Sie in diese Rolle erst reinwachsen? 

„
Ich glaube, dass ich vom Charakter her kein Lautsprecher bin, aber ich spreche Dinge intern schon klar an und nehme da kein Blatt vor dem Mund. Ich versuche auch mit Leistung auf dem Platz die Führungsrolle auszuüben. Klar musste ich auch erst in die Rolle reinwachsen. Ich kann mit 24 auch noch viel lernen. Da ist es nützlich, dass ich mit Stefan Kulovits einen Kapitän vor mir habe, der so viel Erfahrung hat.“ 

Haben sie irgendwelche Vorbilder? 

„Ich war früher ein großer Fan von David Beckham. Zudem habe ich die Meistermannschaft vom FCK 1998 vergöttert. Positionsbedingt zähle ich aber ganz klar Bastian Schweinsteiger zu meinen Vorbildern. International ist Paul Scholes für mich der kompletteste Spieler. Ich bin sowieso schon immer großer Fan von Manchester United und bin seit ein paar Wochen auch Vereinsmitglied. Letztes Jahr in der Winterpause habe ich mir meinen großen Traum erfüllt und habe am Boxing Day das Old Trafford besucht.“ 

Sie haben in der Hinrunde bereits drei Tore erzielt. Haben Sie explizit an ihrem Offensivspiel gearbeitet?


„Ja, daran habe ich gearbeitet. In den ersten zwei Jahren habe ich zwar konstant gute Leistungen gezeigt, aber die Tore haben gefehlt. Nach jedem zweiten Training trainieren wir mit fünf, sechs Spielern noch Torschüsse. Das hat sich dann auch schon ausgezahlt.“ 

Wie ‚schwer‘ war es 2013 ihren Heimatverein Kaiserslautern zu verlassen? 

„Das war am Anfang schon extrem schwierig. Bis dahin kannte ich ja nur den 1. FC Kaiserslautern. Für mich persönlich war der Wechsel aber ein Riesenglücksfall! Ich werde den Tag nie vergessen, als ich mich mit Otmar Schork in Kaiserslautern zum Gespräch getroffen habe. Als ich danach nach Hause gekommen bin und den Videotext angemacht habe, habe ich gelesen, dass Duisburg die Lizenz entzogen bekommt und Sandhausen dafür in der 2. Bundesliga bleibt. Das war für mich ein ganz wichtiges Zeichen, gerade auch nach der schwierigen Zeit beim FCK.“ 

Wie wird der SV Sandhausen denn in ihrem privaten Umfeld wahrgenommen? 

„Dadurch, dass es beim FCK zurzeit nicht so gut läuft, sind die Leute schon sehr positiv. Die ersten zwei Jahre wurde man manchmal etwas belächelt. Mittlerweile kommen viele meiner Freunde hier nach Sandhausen, weil es ihnen einfach Spaß macht. Ihnen gefällt der Teamspirit und den großen Zusammenhalt, den wir auf dem Platz zeigen.“ 

Ihr Vertrag in Sandhausen läuft noch bis 2017. Haben Sie einen konkreten Karriereplan vor Augen? 

„Ich rede natürlich viel mit meiner Familie darüber. Zurzeit genieße ich aber einfach den Moment. Eine Wunschvorstellung wäre für mich selbstverständlich demnächst auch mal in der Bundesliga zu spielen. Auch England hat für mich einen großen Reiz. Und zum Abschluss will ich vielleicht noch für das ein oder andere Jahr in die USA gehen, aber das ist noch weit weg (lacht).“

Wie wichtig ist Ihnen das ruhige Umfeld in Sandhausen? 

„Das ist mir sehr wichtig! Ich fühle mich hier extrem wohl. Heidelberg und Mannheim sind nicht weit weg. Zudem genieße ich die Nähe zu meiner Heimat.“ 

Was bedeutet Ihnen die Nominierung für das Tor des Monats? Werden Sie am Samstag vor dem Fernseher sitzen, wenn die Wahl aufgelöst wird?

„Wenn nichts dazwischen kommt, werde ich auf jeden Fall vor dem Fernseher sitzen. Das bedeutet mir schon etwas, vor allem weil ich auch erst dieses Jahr mit dem Toreschießen angefangen habe (lacht). Es hätten natürlich alle fünf Tore verdient. Deshalb gehe ich da ganz entspannt an die Sache ran. Ich freue mich schon, dass ich dabei bin.“ 

Am Freitag geht es im letzten Spiel des Jahres zu Union Berlin. Was erwarten Sie für ein Spiel? 

„Wie jedes Spiel wird auch dieses sehr intensiv. Union wird alles daran setzen, ihren Fans noch einen Sieg zu schenken. Es wird auf jeden Fall ein heißer Tanz.“ 

Ein Tipp für Freitag?

„Im Tippen bin ich leider ganz schlecht (lacht). Wir wollen aber definitiv etwas Zählbares mitnehmen.“ 

Wie verbringen Sie die kurze Winterpause? 

„Die Weihnachtszeit werden wir bei der Familie in Kaiserslautern verbringen. Diese Zeit wird für mich etwas ganz Besonderes. Denn meine Frau erwartet Ende des Monats unser erstes Kind. Ich sitze jetzt schon jeden Tag auf glühenden Kohlen (lacht).“

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