Erfolgreicher Wandel

DHB-Coach Prokop: Ein Handball-Maniac mit Visionen

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Obenauf: DHB-Coach Christian Prokop. Foto: Marius Becker. Foto: Marius Becker

Vor einem Jahr stand Christian Prokop vor dem Aus als Handball-Bundestrainer. Erst nach einer Kampfabstimmung hielt das Verbandspräsidium an ihm fest. Bei der Heim-WM hat sich dies als richtige Entscheidung erwiesen.

Hamburg (dpa) - Christian Prokop ist endlich in seinem Job angekommen. Der Bundestrainer der deutschen Handballer hat bei der Heim-WM einen souveränen Auftritt hingelegt und den schlechten Eindruck von der EM 2018 endgültig revidiert.

"Er hat hier eine überragende Leistung abgeliefert", lobte DHB-Präsident Andreas Michelmann den 40-Jährigen schon vor dem Halbfinale am Freitagabend gegen Norwegen. "Nachdem wir im Vorjahr die Entscheidung getroffen haben, an ihm festzuhalten, hat er sehr erfolgreich daran gearbeitet, dass das Gefüge so ist wie es jetzt ist."

In der Tat hat es Prokop verstanden, die Dissonanzen mit der Mannschaft auszuräumen und ein vertrauensvolles Verhältnis zu schaffen. Das war der Schlüssel für die Rückkehr in die Weltspitze. "Wir waren von dieser Entwicklung überzeugt", sagte DHB-Vizepräsident Bob Hanning.

Ein wichtiger Begleiter auf dem Weg dorthin war Prokops Vater. "Er ist ein kontinuierlich wichtiger Ratgeber für mich, weil es kein Geheimnis gibt zwischen uns und wir uns auf der gleichen Wellenlänge austauschen können", sagte Prokop der Deutschen Presse-Agentur über das besondere Verhältnis.

Dieses wurde nach der verpatzten Europameisterschaft 2018 auf eine harte Probe gestellt, als Prokop in der Öffentlichkeit teilweise am Pranger stand. "Er hatte genauso wie ich an dem vergangenen Jahr zu knabbern. Ich möchte mich da gar nicht hinein versetzen, wenn der Vater sieht, wie über den Sohn geurteilt wird", sagte Prokop im Rückblick über die schwere Zeit.

Zum mittlerweile positiven Image trägt auch bei, dass Prokop völlig anders rüberkommt als noch bei der EM, die ihn nach nur sieben Monaten im Amt beinahe den Job gekostet hätte. Für Hanning, der Prokops Karriere seit vielen Jahren fördert, kommt dies nicht überraschend: "Christian hat sich nicht verändert. Er ist so, wie ich ihn kenne. Er war nur zwischendrin mal ein anderer."

An den fachlichen Fähigkeiten Prokops bestanden ohnehin nie Zweifel. "Er ist ein herausragender Trainer", sagte Ex-Nationalspieler Stefan Kretzschmar über den verheirateten Vater von zwei kleinen Kindern. "Er ist akribisch, detailverliebt und ein absoluter Handball-Maniac. Es überfordert dich teilweise, wenn du dich mit ihm zwei Stunden über Handball unterhältst und er dir seine Ideen verrät."

Prokop hat Visionen. Genau deshalb kaufte der Deutsche Handballbund ihn 2017 für eine halbe Million Euro aus einem langfristigen Vertrag beim Bundesligisten SC DHfK Leipzig heraus. Wie sich bei der Weltmeisterschaft nun zeigt, war das eine gute Entscheidung. Denn die Mannschaft funktioniert mittlerweile auf höchstem Niveau - und hat ihren Zenit längst noch nicht erreicht. "Ich kann mich nur an die EM 2016 erinnern, dass wir als Team so aufgetreten sind", lobte Hanning schon nach dem Vorrundenspiel gegen Frankreich.

Daran hat der Bundestrainer einen großen Anteil. Auf der Japan-Reise im vergangenen Sommer hat er alle Missverständnisse mit seinen Schützlingen ausgeräumt und den Grundstein gelegt, dass die DHB-Auswahl als verschworene Einheit auftritt, in der jeder für jeden einsteht. "Er hat nach den Erfahrungen, die er bei der Europameisterschaft gesammelt hat, einen kommunikativen Weg gesucht, bei dem er die Spieler einbindet und ihnen teilweise sogar Entscheidungen überlässt. Sie haben offensichtlich einen Weg gefunden, auf dem alle in die gleiche Richtung gehen", sagte Weltmeister-Trainer Heiner Brand der Deutschen Presse-Agentur.

Und die Spieler bestätigen diesen Eindruck - egal, mit wem man spricht. "Er hat jetzt seine drei, vier, fünf Führungsspieler, mit denen er im engen Kontakt ist", berichtete Abwehrstratege Hendrik Pekeler. "Er zieht nicht nur seinen eigenen Plan durch, sondern nimmt uns mit."

Auch Torwart Andreas Wolff, der wie Pekeler im Vorjahr zu den größten Prokop-Kritikern gehört hatte, lobt das hervorragende Arbeitsklima. "Ich erlebe ihn jetzt genau so, wie es sein soll", sagte Wolff über den Bundestrainer. "Er ist ein akribischer Arbeiter und schafft es jetzt viel besser, seine Botschaft an die Mannschaft weiterzubringen. Und wir als Mannschaft schaffen es, das, was er möchte, besser umzusetzen." Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

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